Am Sonntag vor fünf Jahren wurden die Gemälde ..Der arme Poet und ,Der Liebesbrief von Carl Spitzweg aus der Galerie Im Schloß Charlottenburg gestohlen und gelten seitd~m ak v~r~choll~nEs gibt auch unrühmliche Jubiläen. Daß ein solches nun ausgerechnet in den legendären Wendeherbst 1969 fällt, ist die Ironie des Schicksals. Der 4. September ,89 jedenfalls hat etwas von einem schwarzen Freitag, obwohl es ein schöner Vorherbst-Sonntag war: mild und still. Die Galerie der Romantik im Schloß Charlottenburg hatte viele Besucher, wie immer an so beschaulichen Tagen. Doch was dann der Nachmittag bra~hte, war ein Schock für Wachpersonal wie Museologen.Denn jäh schrillte die Alarmglokke, und dann ging alles blitzschnell. Noch ehe die Wache reagieren konnte, war einer der Dienstmänner verletzt und zwei Eindringlinge -- daß es zwei waren, hatte das völlig überrumpelte Personal noch wahrnehmen können -- entkommen. Im "Saal der Romantiker" gähnten zwei leere Wandflächen. Genau da hatten sie bis vor Sekunden noch gehangen -- Spitzwegs berühmter "Armer Poet", den jedes Schulkind kennt, und "Der Liebesbrief". In schönster Biedermeierlichkeit, nun aber auf Nimmerwieder~ehen verschwunden.Und das blieben die zwei pittoresken Szenen des Münchner Malers (1808-1885) bis heute. Sein Nachlaß muß übrigens deutschlandweit schon 27 Bilderdiebstähle verkraften, so sehr liebt auch die Unterwelt den Kleinmeister. Die heiße Spur von Charlottenburg hatte sich alsbald als eiskalt erwiesen. Mehrere Hinweise, etwa, daß die In Wettkampf-Tempo Weggesprinteten keine 30 Jahre alt waren und einer der beiden in einem Rollstuhl in die Galerie hineingefahren sein soll, führten nicht weiter. Auch nicht der Fund des gestohlenen Fluchtautos und ebensowenig der ausgesetzte Finderlohn von 10000 Mark für die mit einem Wert von drei Millionen Mark dotierten Kleinodien. Mlttlerweile scheint es, daß der Fall Spitzweg in den Akten stekkenbleibt, wie so viele Opfer der immer dreister werdenden Kunsträuber. Die Zahl der Diebstähle in Kirchen und Museen steigt, die Aufklärungsrate ist gering.In der Sammlung der Romantik, die heute zur west-östlich vereinten Nationalgalerie zählt, hört Indes die Hoffnung nimmer auf. Die zunächst von der Polizei angenommene Variante einer Lösegelderpressung trat nicht ein. Auch hatten die Diebe vom Medienrummel vor fünf Jahren keineswegs "kalte Füße" bekommen und per Telefon kein Schließfach im Bahnhof Zoo genannt, wie Nationalgaleriechef Dieter Honisch damals so sehr hoffte. Erfahrungsgemäß, so vermuten Kripo wie Fachleute im Museumsteam, schlummern die Bilder In einem privaten Safe, denn absetzbar seien sie auf dem Kunstmarkt nicht. Irgendwann später würden sie vielleicht bei einer Auktion auftauchen. Lothar Brauner, Kustos an der Alten Nationalgalerle, hält die gesetzliche Verjährungsfrist von 30 Jahren bei Kunstraub für sehr beden klich. Haben Diebe und ihre Auftraggeber nur genügend Langmut, wird schwerer Kunstraub am Ende zum Kavaliersdelikt."Der arme Poet" von Carl Spitzweg wurde 1989 aus dem Schloß Charlottenburg gestohlen und gilt seitdem als verschwunden. Repro: Berliner Zeitung