BASEL. Auf dem Landhof spielen heute noch Amateur- und Hobbymannschaften aus Basel. Den Eindruck einer historischen Stätte macht die Sportanlage nicht. Dabei hat sie eine sportgeschichtliche Bedeutung, zumindest aus deutscher Sicht. Vor 100 Jahren, am 5. April 1908, fand dort das erste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft statt. Mit 3:5 (1:3) verlor die erste deutsche Elf gegen die Schweiz. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war bereits 1900 gegründet worden, aber erst im Februar 1908 wurde nach langen Debatten auf einem eigens einberufenen Bundestag beschlossen, das Wagnis von Länderspielen einzugehen.Das DFB-Team wurde nach dem Proporz der deutschen Regionalverbände gebildet, die Spieler kamen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Am Vorabend gab es im Hotel Bären eine Empfangsfeier. Die vom DFB eingeladenen Spieler kannten sich bis auf ein, zwei Ausnahmen nicht. Es gab keinen Lehrgang und kein Training. Es gab auch keinen Trainer, erst 1926, nach 58 Länderspielen, wurde Otto Nerz als Reichstrainer berufen. Die ersten der bis heute 857 deutschen Nationalspieler mussten die Eisenbahnfahrt, die Unterkunft und die Verpflegung selbst bezahlen. 20 Mark Spesen bekamen sie vom DFB.Es waren echte Pioniere und dazu auch Rebellen. Denn im Kaiserreich von Wilhelm II. war Fußball ein Außenseitersport, vielerorts noch verpönt, oft verboten. Wer Fußball spielte, hatte mit Repressalien zu rechnen, so wie Fritz Becker. Der 19-Jährige von den Frankfurter Kickers war auf seiner Oberrealschule einmal mit drei Stunden Karzer bestraft worden, weil es sich nicht ziemte, "wenn Sie inmitten eines Haufens von Rohlingen mit den Beinen gegen einen Ball treten", wie sein Rektor schriftlich festhielt. Ernst Langmeier, ein 24-Jähriger vom Fußball- und Cricket-Club Viktoria 1897 Magdeburg, trat in Basel unter dem Pseudonym Jordan an. Der Student fürchtete Sanktionen nach seiner Rückkehr.Aber man hatte auch Spaß. Um 9 Uhr am Spieltag, einem Sonnabend, war Kleiderappell, gegen 10 Uhr kamen Herren des FC Basel, der mit der Spielorganisation beauftragt war, und holten die Spieler zu "einer frohen Fahrt" durch die Stadt ab, inklusive eines Frühschoppens im Zolli. Dort wurden, heißt es in Aufzeichnungen, "beim Gläschen Bier die Chancen für den Wettkampf besprochen". Um 15 Uhr pfiff Schiedsrichter H.P. Devitte, ein Schweizer, das Spiel an.Eine 100 Meter lange Holztribüne für 200 Honoratioren hatte der FC Basel errichten lassen. 4 000 Zuschauer, die einen Eintritt von einem oder zwei Franken bezahlt hatten, säumten stehend die Spielfeldränder. Hohe Zäune mit großen Reklametafeln verhinderten die Blicke neugieriger Kiebitze von außen. Delegationsleiter war der Hamburger DFB-Funktionär Horst Kubaseck, für die Taktik war Kapitän Artur Hiller zuständig. Es wurde offensiv mit fünf Stürmern gespielt. Schwarze Hosen, schwarze Stutzen, schwarz-weiße Jerseys mit einem Bundesadler auf einem Wappen auf der Vorderseite und knöchelhohe Stiefel trugen die Spieler. Der Frankfurter Becker schoss das 1:0, das erste von bis dato 1782 Länderspieltoren.Fritz Förderer aus Karlsruhe und erneut Becker trafen danach noch für den DFB. "Um 5 Uhr hatte der Kampf sein Ende erreicht und der Sieg der Schweizer wurde mit Jubel aufgenommen", schrieb die National Zeitung in Basel über das 5:3. Es war der erste Erfolg der Schweiz im dritten Länderspiel. Auch die Deutschen waren zufrieden. Beim Bankett am Abend wurde kräftig gefeiert. Nur Becker hatte Pech. Der Schweizer Torwart Ivan Dreyfus demonstrierte eine Parade und schleuderte Senf und Sauce auf Beckers für zwölf Mark geliehenen Smoking. 40 Mark kostete die Reinigung. Sein einziges Länderspiel wurde für den Hessen zu einem teuren Vergnügen.------------------------------"Das Bankett war in allen Teilen ausgezeichnet." Horst Kubaseck------------------------------Foto: Elegant vom Scheitel bis zur Sohle: der Schweizer Keeper Ivan Dreyfus in Erwartung eines deutschen Angriffs.