Ohne Sieger, aber dafür mit vier Zweitplazierten ist der Wettbewerb zur Neugestaltung des 200 000 QUadratmeter großen Stadtquartlers Lehrter Dahnhof in Tiergarten beendet worden. In einer zweiten Runde sollen Jetzt die Zweitplazierten ihre Arbeiten innerhalb der nächsten fünf Wochen überarbeiten.Das Preisgericht unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Albert Speer setzte die Architekten Max Dudler (Berlin), Holger Nettbaum (Berlin), Oswald Mathias Ungers (Köln) und Christoph Ingenhoven (Düsseldorf) auf Platz zwei. Insgesamt waren 14 Arbeiten bei dem von der Deutschen Bahn ausgelobten städtebaulichen Wettbewerb eingereicht worden.Die Entwürfe, die jetzt überarbeitet werden sollen, sehen den Bau von Hochhäusern vor -- teils bis zu 160 Metern. Dudler will vier Hochhäuser mit 23 Geschossen errichten, Einen Turm setzt er über die Zufahrt zum Autotunnel durch den Tiergarten. Ungers Entwurf enthält ein 24geschossiges Hochhaus nordöstlich des künftigen Zentralbahnhofs. Nettbaum will zwei Hochhausscheiben mit 126 und 157 Metern zwischen Bahnhof und Humboldthafen plazieren. "Marina Tower" heißt der Wolkenkratzer von lngenhoven, der auf der Nordostseite des Bahnhofs 160 Meter hoch in den Himmel über Berlin ragen soll.Daß das Preisgericht keinen Sieger küren konnte, kommt einer herben Enttäuschung gleich. Eigentlich hatte die Deutsche Bahn den Weitbewerbsgewinner am heutigen Freitag der Öffentlichkeit vorstellen wollen. Jetzt wird es noch Wochen dauern, bis ein Sieger feststeht. Das Wettbewerbsgebiet, um das es dabei geht, gehört zu den bedeutendsten Flächen in der City: Es ist immerhin etwa doppelt so groß wie die Grundstücke von Daimler-Benz und Sony am Potsdamer Platz.Tiergartens Baustadtrat Horst Porath (SPD) hielt sich gestern mit Kritik nicht zurück: "Die Art und Weise wie dieser Wettbewerb durchgezogen wurde, konnte nur zu zweitklassigen Ergebnissen führen." Dies sei jedoch nicht den Architekten anzulasten. Verantwortlich seien die Deutsche Bahn, der Projektentwickler Tishman Speyer und das Land Berlin. So seien unter anderem die Wettbewerbsvorgaben über Tunnel und Gleisführungen stetig verändert worden.Porath fordert neben der Überarbeitung der Wettbewerbsentwürfe einen Schutz für die Anwohner. Durch eine Milieuschutzverordnung will er verhindern, daß die Bewohner verdrängt werden. Außerdem wirbt der Stadtrat dafür, daß die Deutsche Bahn Ersatzflachen für Grünpflanzungen im Bezirk zur Verfügung stellt. Der Güterbahnhof Moabit solle zu einem Park werden, so Porath. Außerdem müßte der Bauherr Kitas, Schulen und Spielplätze selbst bauen. Bald ein neuer. brodelnder Stadtteil? Der Wettbewerb zur Neugestaltung des Quartiers um den Lehrter Bahnhof geht in die zweite Runde. -- Max Dudler plant vier 23geschossige Hochhäuser. Charakteristisch sind die Häuserblöcke im Süden und der Park am Humboldthafen (rechts).Holger Nettbaum sieht die Errichtung von zwei Hochhäusern vor. Interessant: Halbkreisförmige Arkaden am nOrdlichen Hafenrand.Oswald M. Ungers setzt an die Nordostecke des Bahnhofs ein 24stöckiges Scheibenhohhaus. Besonders markant wirken die Hauserblacke.Christoph Ingenhoven will mit seinem 160 Meter hohen ~,Marina Tower" am höchsten hinaus. Neu: eine Schlifsanlagestelle im Hafen.