Vorteil Mann? Karsten Braasch und die Williams-Schwestern stellen sich mit dem Tennisschläger dem Geschlechterkampf: Ein Spielchen ums Prinzip

MELBOURNE, 27. Januar. Es gab kein Preisgeld und keine Linienrichter, die Bälle hoben die Akteure selbst auf, und vieles hinten auf Platz zwölf erinnerte an ein Spielchen daheim im Klub. Doch es waren auch Kamerateams und ein Dutzend Fotografen da. Schließlich ging es am Rande der Australian Open in Melbourne um die gern und oft diskutierte Frage: Haben die besten Tennisspielerinnen eine Chance gegen männliche Profis mit mittelmäßiger Spielstärke? Sagen wir mal so: Für Außenstehende ging es um diese Frage. Für Karsten Braasch, der sich in seiner bekannt jovialen Art den frechen Williams-Schwestern spontan als Testpartner angeboten hatte, war die Frage vor dem ersten Ballwechsel beantwortet. Er wußte: "Das kann man nicht verlieren, wenn man noch so spielt wie ich." Zur Erinnerung: Braasch stand zu seiner besten Zeit vor dreieinhalb Jahren auf Platz 38 der Weltrangliste, im Augenblick ist er die Nummer 203. Da mögen sie noch so sehr draufhauen, die jungen Wilden wie Venus und Serena Williams ­ damit ist kein Mann zu erschrecken, zumindest nicht auf dem Tennisplatz.Zuerst versuchte die 16 Jahre alte Serena ihr Glück; sie rannte hin und her, bis sie pumpte wie ein Maikäfer, und im Schweiße ihres Angesichts gelang ihr tatsächlich ein Spielgewinn. 200 Zaungäste klatschten, Serena ließ wieder dieses herrliche, dunkle Lachen hören, und Braasch war es recht. 6:1, Händedruck und ein Lächeln für die Fotografen. Dann wollte auch Venus ihr Glück versuchen, und sie gewann ein Spiel mehr als die jüngere Schwester, obwohl sie mittags schon drei Sätze bei der Niederlage im Viertelfinale gegen Lindsay Davenport gespielt hatte. Braasch spielte weiter mit maximal 70 Prozent seines normalen Aufwandes, und ­ fast überflüssig zu sagen ­ wieder gewann er, diesmal 6:2. Auch Fräulein Venus war bedient, doch im Gegensatz zur Schwester meinte sie hinterher, so was würde sie gern noch mal versuchen. Karsten Braasch schnappte sich ein Handtuch und sagte: "Die Runde Golf heute morgen war anstrengender."Er fand, den Spaß sei die Sache wert gewesen, und im übrigen würde auch die Nummer 500 der Tennis-Weltrangliste nicht gegen eine Frau verlieren. Bleibt dann nur noch die Frage, warum der Testpilot vor dem Spiel von vielen seiner Kollegen den Auftrag mitbekommen hatte, den Schwestern eine ordentliche Packung zu verpassen? Vielleicht, weil freche Frauen, egal welchen Alters, manchen Männern ziemlich unheimlich sind.