Wachleute schützen den Hermannplatz-Wochenmarkt: Ringrichter zwischen Radieschen und Rucola

Manchmal soll reden ja noch helfen. Der Mann in weißem T-Shirt und schwarzer Hose stellt sich zwischen die streitenden Männer, die sich anbrüllen und aufeinander losgehen wollen, jeder eine Bierflasche in der Hand. Der Security-Mann breitet die Arme aus wie ein Ringrichter beim Boxen, er redet eindringlich auf die Streithähne ein, will sie beruhigen, tatsächlich lassen die betrunkenen Männer voneinander ab. Der aggressive Ausbruch ist beendet, vorerst.Alkoholiker und Junkies gehören zum Alltag auf dem Wochenmarkt am Hermannplatz, doch dass Security-Leute einschreiten, wenn sich Betrunkene oder Junkies anschreien und prügeln, ist neu. Rainer Perske hat den Sicherheitsdienst angefordert. Es ist das erste Mal in Berlin, dass Security-Leute einen Wochenmarkt bewachen. Perske sagt, das war seine letzte Chance. "Ohne Sicherheitsleute wäre der Markt nicht zu halten gewesen." Der Unternehmer betreibt zehn Märkte in Berlin, in Weißensee, Mitte und am Maybachufer zwischen Kreuzberg und Neukölln. Doch so schrecklich wie auf dem Hermannplatz sei die Situation noch nirgendwo gewesen. Die Drogen- und Alkoholabhängigen auf dem Platz hätten Kunden und Händler angepöbelt und belästigt, es sei auch geklaut worden. "Das war alles sehr beängstigend", sagt Rosemarie Grottner, die auf dem Markt einen Stand mit Bonbons hat. Immer weniger Kunden kamen auf den Markt mit seinen Ständen für Gemüse, Socken, Falafel und Latschen. Die Umsätze der 40 Händler sanken. Wer will schon zwischen Säufern schlendern.Im Juli entschied Perske, den Sicherheitsdienst AMZ zu engagieren. Und so gehen nun jeden Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag sechs Wachschutzleute in Zweiergruppen über den Markt. Es sind keine Schlägertypen, manche sind dick und klein, einige sprechen türkisch. Sie tragen keine Schusswaffen, kein Pfefferspray und keinen Schlagstock, am Gürtel hängen Handschuhe und Sprechfunkgeräte. 8 000 Euro im Monat zahlt Perske für diesen Service.Dabei können die Sicherheitsleute gar nicht so viel machen. Der Platz ist öffentlich, jeder darf ihn betreten, ob nüchtern oder betrunken, Platzverweise dürfen nur das Ordnungsamt und die Polizei erteilen. Das passiere aber nur im Notfall, sagt Michael Hölzle, Haupteinsatzleiter bei AMZ. "Mit Gewalt können wir hier nichts erreichen. Wir können nur reden, schlichten und die Trinker und Drogenabhängigen eindringlich bitten, nicht rumzugrölen", sagt er. Anfangs riefen die Wachschützer mehrmals am Tag die Polizei, jetzt gibt es Markttage, an denen der Wachschutz auch ohne sie zurecht kommt.Offenbar fühlen sich die Trinker und Junkies von der permanenten Kontrolle gestört. Sie haben sich an den Rand des Hermannplatzes zurückgezogen, außerhalb der Marktfläche. Von dort kann sie auch der Wachschutz nicht verdrängen, behält sie aber unter Kontrolle.Es sei besser geworden, seit der Wachschutz den Markt kontrolliert, sagen Händler und Kunden. "Man kann sich wieder auf die Bänke setzen, ohne angepöbelt zu werden", sagt Kundin Irmgard Rittner. Sie wohnt seit 75 Jahren in Neukölln und kommt an jedem Markttag auf den Hermannplatz. "Es ist sicherer geworden", sagt auch Marktbetreiber Perske. "Jetzt können wir nur noch hoffen, dass die Kunden wiederkommen."------------------------------"Ohne Sicherheitsleute wäre der Markt nicht zu halten gewesen." Rainer Perske, MarktbetreiberFoto: Schwarze Hose, weißes Shirt und am Gürtel Handschuhe: Die Wachschützer auf dem Wochenmarkt am Hermannplatz sollen bei Konflikten schlichten.