Als einzige Berlinerin aus dem Ostteil tritt Angelika Barbe zu den Bundestagswahlen für die SPD an. Ihre Chancen auf einen Einzug Ins Parlament sind aber recht gering.Angelika Barbe hat es schwer. Es scheint aussichtslos, daß die Ost-Berlinerin nach den Wahlen am 16. Oktober wieder für die SPD in das Bonner Parlament einzieht.Die Mitbegründerin der Sozialdemokratischen Partei in der DDR wurde von ihren Genossen in der Berliner SPD nur auf Platz neun der Landesilste gesetzt. Die ersten sechs Listenplätze gelten als sicher für den Einzug in den Bundestag, deshalb braucht Angelika Barbe ein Direktmandat. Dies zu erringen, dürfte schwierig werden: Die 42jährige tritt im Wahikreis Hellersdorf/Marzahn gegen PDS-Vorzeigemann Gregor Gysl an, dem gute Chancen eingeräumt werden.Bohley als FürsprecherinUm die einstige DDR-Bürgerrechtlerin zu unterstützen, hat sich -- ähnlich wie bei Wolfgang Thlerse -- eine Wähierinitiative gebildet. Dieser gehören rund 60 Politiker verschiedener Parteien, Künstler oder Wissenschaftler an, darunter Brandenburgs Ausländerbeauftragte Almuth Berger, Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die Schriftsteller Siegmar Faust und Jürgen Fuchs, Liedermacherin Barbara Kellerbauer, Berlins Justizsenatorin Lore-Maria Peschel-Gutzeit sowie der Wissenschaftler Ernst-Ulrich von Weizsäcker.Angelika Barbe sel schon vor 1989 in der Bürgerbewegung aktiv gewesen, begründete Bärbel Bohley vom Neuen Forum Ihre Unterstützung für die Sozialdemokratin. Als eine Politikerin aus den neuen Ländern stehe sie auf "ziemlich aussichtslosem Posten". Sie müsse "gegen eine starke Struktur, starke Männer und jede Menge Blauäugigkelt und Blindheit antreten", so Bärbel Bohley.Die studierte Biologin Barbe, Mutter von drei Kindern, arbeitete seit 1986 im Pankower Friedenskreis, 1990 zog sie in die Volkskammer ein, am 3. Oktober desselben Jahres dann in den Bundestag. Sie ist heute Mitglled im SPD-Vorstand.Daß Ihre Berliner Genossen sie auf den unsicheren hinteren Platz verbannten, hat Angelika Barbe "richtig krank gemacht". Als Ost-Frau habe sie es in der Berliner SPD mit deren Flügelkämpfen zwischen rechts und links schwerer gehabt als Kandldatinnen in anderen Landesverbänden, glaubt sie.Im Zweifel die Wahrheit Angelika Barbes Dilemma sei, so Schriftsteller Jürgen Fuchs, "daß sie sich im Zweifelsfall für Wahrheit und Offenheit entscheidet, auch wenn es taktisch nicht angebracht ist". "Es ist möglich. Gysi zu schlagen", sagt die Ost-Berlinerin kämpferisch. Sie hofft auf starke Unterstützung durch Frauen, soziale und Jugend-Projekte vor Ort.Was macht Angelika Barbe, wenn ihr der Sprung in den Bundestag nicht gelingt? "Ich weiß es noch nicht", sagt sie. "Auf keinen Fall gebe ich auf." SPD-Landesliste für den Bundestag:1. Wolfgang Thierse 2. Siegrun K.lemmer 3. Thomas Krüger 4. Ingrid Holzhüter 5. Kurt Neumann 6. Wolfgang Behrendt 7. Renate Rennebach 8. Jörg Otto Spiller 9. Angelika Barbe 10. Andreas Wehr Angelika Barbe