Berlin - Georg Pazderski, 65, ist ein umgänglicher Mann mit Sinn für System. Das Wahlprogramm der AfD samt Argumenten für seine Thesen hat der Ex-Militär übersichtlich in Spalten auf DIN-A4-Zetteln notiert – die er in der Hosentasche mit sich herumträgt. Er kann sie inzwischen auswendig.

Herr Pazderski, kürzlich wurde in Johannisthal ein AfD-Wahlkampfdepot in Brand gesetzt. Sind Sie selbst schon angegriffen worden?

Nein, und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Probleme mit Gewalt gegen unsere Wahlkämpfer haben wir aber immer wieder in linksorientierten Kiezen, in Friedrichshain-Kreuzberg etwa oder in Neukölln. Wir rufen dann die Polizei.

Gewalt ist zu ächten. Aber die AfD schärft die Tonlage selbst kräftig an, was zu hasserfüllten Auseinandersetzungen führt.

Nein, wir schüren keinen Hass, sondern wir sprechen Probleme an und schlagen Lösungen vor. Und über manche Reaktionen darauf muss ich mich schon wundern: Auf dem Christopher-Street-Day hat die AfD ein Plakat mit einem homosexuellen Pärchen gezeigt, daneben steht der Satz, wir möchten so weiterleben wie bisher und haben damit Probleme, wenn bestimmte Leute unsere Homosexualität angreifen. Und was ist dann passiert? Unser Wagen wurde angegriffen, es wurden die Reifen zerstochen, die Plakate heruntergerissen. Da frage ich mich: Wie tolerant sind diejenigen, die von anderen immer Toleranz fordern? Ich würde mir wünschen, dass andere genauso tolerant sind wie wir.

Der Satz auf dem Plakat lautet: „Mein Partner und ich legen keinen Wert auf die Bekanntschaft mit muslimischen Einwanderern, für die unsere Liebe eine Todsünde ist.“ Sie spielen Gruppen gegeneinander aus.

Nein, das tun wir nicht. Wir stellen fest, was Tatsache ist: In manchen muslimischen Ländern steht auf Homosexualität die Todesstrafe. Gerade aus solchen Ländern kommen viele Menschen zu uns, die Homosexualität ablehnen. Auch Übergriffe gab es schon. Wir sprechen diese Probleme an und machen darauf aufmerksam, dass bei uns in Deutschland das Grundgesetz gilt.

Das Plakat sagt, mit Muslimen wollten wir nichts zu tun haben. Was ist daran tolerant?

Das Problem ist doch, dass wir Bevölkerungsgruppen ins Land holen, die mit unserer toleranten Gesellschaft nicht klar kommen. Es gibt 57 muslimische Staaten – nennen Sie mir einen, in dem die Bevölkerung tolerant ist oder in dem wirkliche Demokratie herrscht. Das gibt es nicht. Und es hängt offensichtlich mit dem Islam zusammen.

Sie unterstellen Menschen von vornherein, sie passten nicht in unsere Gesellschaft – Menschen, die bei uns Schutz suchen.

Die meisten Menschen kommen aus wirtschaftlichen Gründen hierher. Viele natürlich auch, weil sie bedroht sind in ihrer Heimat, etwa die Flüchtlinge aus Syrien.

2015 kamen 70 Prozent der Flüchtlinge aus den Kriegs- und Krisenländern Syrien, Afghanistan und Irak.

Aber es kommen auch viele Hunderttausende Wirtschaftsmigranten und bei vielen vermeintlichen Flüchtlingen ist die Herkunft nicht geklärt. Sie kommen, weil sie hier ein besseres Leben haben können, allein schon durch die Zahlungen, die sie hier vom Staat erhalten.

Ist es verwerflich, ein besseres Leben zu wollen?

Nein, Sie und ich würden sicher genauso handeln in solch einer Lage. Aber es ist weder gut für uns noch für die Heimatländer der Migranten, weil sie dort dringend gebraucht werden. Wir schaffen hier falsche Anreize, locken Menschen auf lebensgefährliche, oft tödliche Wege. Wir sollten diese Länder stattdessen unterstützen, damit sie vorankommen.

+++ Lesen Sie auf der nächsten Seite die Oppositionspläne des AfD-Kandidaten für die Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin+++