Im Mai ist sie 60 Jahre alt geworden. Ihre persönliche Altersvorsorge hat sie geregelt. Und ein bisschen Geld ist da noch übrig geblieben. Nun möchte Marga Süsselbeck der Partei, der sie seit 1975 angehört, unterstützen: Vor wenigen Wochen hat die Angestellte aus Hannover 80.000 Euro an die SPD überwiesen.

Marga Süsselbeck ist kein Einzelfall. In normalen Zeiten birgt die Veröffentlichung der Parteien-Großspenden über 50.000 Euro durch die Bundestagsverwaltung wenig Überraschungen: Auf der Liste dominieren Wirtschaftsverbände wie die Metallarbeitgeber und Großkonzerne wie Daimler und BMW, die vor allem Union und FDP, sowie in geringerem Umfang auch SPD und Grüne mit Zuwendungen beglücken. Privatleute tauchen allenfalls auf, wenn rechts- oder linksextremen Splitterparteien mal wieder die Hinterlassenschaft eines politischen Hitzkopfes zufällt. Doch in Wahlkampfzeiten ist das anders: In diesem Monat hat der Bundestag bereits drei private Großspenden für Union und SPD angezeigt.

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Richtig überraschend kommt die finanzielle Unterstützung durch Martin Herrenknecht für die CDU nicht. Schon im Wahljahr 2009 hatte der knorrige Unternehmer aus dem Schwarzwald 70.000 Euro an die Partei überwiesen. Anfang der vorigen Woche nun transferierte der 71-Jährige erneut 70.000 Euro an die CDU – „als Privatmann“, wie er betont.

Nicht nur im Ländle ist Herrenknecht nämlich kein Unbekannter. Dort wollte er 2005 als CDU-Kandidat für den Bundestag antreten und scheiterte knapp. Vor allem aber steuert der Diplom-Ingenieur aus dem badischen Schwanau ein globales Familienunternehmen mit 5.000 Beschäftigten und mehr als einer Milliarde Umsatz: Die Herrenknecht AG gilt als Weltmarktführer für Tunnelbohrer. Die riesigen Maschinen haben die 57 Kilometer langen Röhren unter dem Gotthard vorangetrieben und den Bosporus unterquert. In Berlin bereiten sie unter der Erde der Kanzler-Linie U5 den Weg. Große Chancen sieht der Mittelständler in China, wo er 2012 mit Kanzlerin Angela Merkel und dem damaligen Premier Wen Jiabao für ein Foto posierte.

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Daheim im Ländle gehört der alte Haudegen zu den glühenden Verfechtern von Stuttgart 21. Früher hat er auch die Grünen unterstützt. Damit ist es seit dem Konflikt um das Großprojekt vorbei. Weicheier, schimpfte er die Anhänger der Ökopartei und titulierte die Bahnhofsgegner als Schwachköpfe. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt, und Herrenknecht empfing den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nach dessen Worten kürzlich „sehr herzlich und unkompliziert“ zu einem Werksbesuch.

Mit den Geschäftsinteressen habe seine Spende nichts zu tun, betont der Unternehmer: „Ich bin seit 1982 Mitglied der CDU, fühle mich der Partei und ihrer Programmatik verbunden und bin für sie auch politisch aktiv“, sagt er der Berliner Zeitung. Und sein Motiv, gerade jetzt Geld zu geben? „Bekanntermaßen steht wieder eine Bundestagswahl vor der Tür.“

Der Wahlkampf kostet Geld, und da will auch Hans Georg Näder helfen. Der 51-jährige Niedersachse hat vor zwei Wochen aus der Privatschatulle 100.000 Euro an die CDU gespendet. Näder ist ein echter Tausendsassa: Den elterlichen Betrieb hat er zum Weltmarktführer für Behinderten-Prothesen ausgebaut, er hält den Weltrekord für die Überquerung des Ärmelkanals in einem Amphibienfahrzeug, besitzt die Maxi-Segelyacht Pink Gin und sammelt als Aufsichtsratschef der Nationalen-Anti-Doping-Agentur Geld aus der Wirtschaft.

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Auch Näder hat die CDU schon 2009 unterstützt – mit 45.000 Euro. Immerhin 17.500 Euro ließ er damals der SPD zukommen. Doch aus seinen Präferenzen macht er keinen Hehl. Deutschland brauche „verlässliche Führung, an der sich die Menschen orientieren können“, warb er 2010 für Christian Wulff als neuen Bundespräsidenten. Als die Sache nicht gut lief, machte Näder dessen Frau Bettina zur Firmenbotschafterin für die Paralympics in London. Nun will er als „bekennender Merkel-Fan“ der Kanzlerin helfen.

Daran hat Marga Süsselbeck kein Interesse. Ganz im Gegenteil: Schließlich ist sie seit gut 30 Jahren beim Hannoveraner SPD-Bezirk beschäftigt. Im Wahlkampf können sich die Genossen über ihre Spende aber nur bedingt freuen. Im Unterschied zu den beiden Unternehmer-Männern hat Süsselbeck ihre Zuwendung nämlich offen an einen sehr praktischen Zweck gebunden: Mit dem Geld soll das Kurt-Schumacher-Haus, in dem sie arbeitet, saniert werden.