Waldemar Poreike ist ein erfahrener Mann. In einem halben Jahrhundert hat er 400 Bauprojekte geplant, gesteuert und abgerechnet, Geschäftshäuser, Wohnhäuser, Schulen, Kulturbauten. Sein Leben im Berliner Bauwesen hat ihm den Rücken gebeugt, die Knie schwach gemacht, er hört nicht mehr sonderlich gut, er spricht mit leiser Stimme und vielen, langen Pausen - und doch besitzt Poreike, 77 Jahre alt, einen hellwachen Geist. Er sitzt in seinem graubraun karierten Jackett im Untersuchungsausschuss zur Tempodrom-Bauaffäre und sagt: "Ich hatte größte Bedenken, das Projekt starten zu lassen." Leider habe niemand auf ihn gehört.Das ist allerdings zu bedauern. Geht es doch bei dem Kreuzberger Kulturbau am Anhalter Bahnhof um eine Baukosten-Explosion von zunächst geplanten 16 Millionen Euro auf letztlich recht genau das Doppelte. Waldemar Poreike war Ende 1997 zu dem Projekt der Tempodrom-Gründerin Irene Moessinger gestoßen, und zwar auf Bitten des Baulöwen und Künstlerförderers Roland Specker. Gegen beide ermittelt seit geraumer Zeit die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Verdachts auf Beihilfe zur Untreue. Beide sollen, ebenso wie der zurückgetretene Bausenator Peter Strieder (SPD), leichtfertig bis missbräuchlich mit Geld auch aus öffentlichen Quellen umgegangen sein. Hätten sie rechtzeitig auf Poreike gehört, dann wäre das offenbar nicht passiert: Immer wieder habe er den Tempodrom-Verantwortlichen um Moessinger und Specker gesagt, dass die Finanzierung nicht stehe, sagt Poreike. Keine Kostensicherheit, unklare Planungen, zu wenig abgeschlossene Verträge. Anders gesagt: Schon Anfang 2000, Monate vorm Baubeginn im Mai, war klar, das Projekt ist höchst riskant. Zwar habe man ihm stets geantwortet, die Finanzierungsfragen seien "auf dem Weg der Erledigung", sagt Poreike. Doch überzeugen konnte ihn das nicht. Er schmiss Anfang 2000 das Handtuch, weil er die Verantwortung nicht übernehmen mochte.Specker, der vor dem Untersuchungsausschuss von den Warnungen kein Wort erwähnte, hatte nach Poreikes Ausstieg seine Firma Specker Bauten AG für die Projektsteuerung bis zur Fertigstellung im Dezember 2001 engagiert. Eine Million Mark sei dafür gezahlt worden, sagte die Poreike-Nachfolgerin Hannelore Ellersiek am Freitag. "Ein durchaus marktüblicher Preis."