BERLIN. "Mir geht's nicht so gut", sagt Walter Momper an diesem Freitag in Berlin. Und wenn man ihn fragt, wie er geschlafen hat, dann sagt er: "Auch nicht so gut." Walter Momper, der Mann mit dem roten Schal, der Sozialdemokrat, der einst weltberühmt wurde, weil er Berlins Regierender Bürgermeister war in jenen Tagen, als die Mauer fiel, jener Mann, der immer wieder zu sehen ist in den Fernsehbildern vom 9. November 1989 - dieser Walter Momper hat jetzt eine andere bleibende Erinnerung an ihn produziert. Eine peinliche.Seine Parteifreunde haben die Fernseh-Wiederholungen, all die Nachrichtensendungen vom Donnerstagabend gesehen, doch hinschauen mochten die Abgeordneten der SPD nur sehr ungerne. Und das lag nicht nur daran, dass Klaus Wowereit im ersten Wahlgang als Regierender Bürgermeister durchfiel, es lag auch an diesem seltsamen Auftritt des Parlamentspräsidenten Momper. "Das war kein Ruhmesblatt", sagen die Genossen. "Herr Momper hat eine schwierige Situation noch schwieriger gemacht", sagen die Sozialisten von der PDS, dem Koalitionspartner."Schlicht unfähig"Momper hatte den ersten Wahlgang für erfolgreich erklärt und Wowereit schon gefragt, ob er die Wahl annehme. Und das, obwohl eine Stimme zur Mehrheit fehlte. "Den Fehler kann ich leider nicht mehr ungeschehen machen", sagt Momper nun, recht zerknirscht.Muss der Parlamentspräsident nach diesem peinlichen Auftritt zurücktreten? Ja, sagt die Opposition. Am Freitag forderten CDU, FDP und Grünen für nächste Woche eine Sondersitzung des Ältestenrates, damit Momper sein Tun erklären könne. Man wolle wissen, ob Momper "schlicht unfähig ist, ein Wahlergebnis nach Recht und Gesetz festzustellen oder ob sein Agieren gar ein vorsätzlicher Manipulationsversuch war", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der drei Parteien. Eins sei jetzt schon klar, erklärt die Opposition: Momper habe "dem Ansehen Berlins schweren Schaden zugefügt". Sie forderte den Präsidenten auf, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Auf einen Abwahlantrag wollen die drei Parteien aber verzichten, denn dafür braucht man eine Zwei-Drittel-Mehrheit.Momper eine vorsätzliche Manipulation zu unterstellen, geht wohl zu weit. Aber der jetzt 61-Jährige hat sein Amt als Präsident bereits in den letzten Jahren oft unkonventionell, auf schnoddrige Art ausgeführt und damit immer wieder die Opposition gegen sich aufgebracht. Auch entstand einige Male der Eindruck, dass Momper die Redner der Opposition eher unterbrach, dass er sich gegenüber den Abgeordneten der rot-roten Koalition großzügiger zeigte. "Mangelnde Sensibilität", lautete der Vorwurf.Mit Krisen kennt Momper sich aus. Der SPD-Politiker hat schon viele schlimme Tage in seinem politischen Leben erlebt, der Donnerstag dürfte aber sein schlimmster gewesen sein. Er steht nun immer wieder als Versager da, denn die Szene kann ja beliebig oft im Fernsehen, in TV-Rückblicken des Jahres wiederholt werden.Seit Jahrzehnten im GeschäftKaum einer kann verstehen, wie Momper dieser Fehler unterlaufen konnte. Schließlich ist er seit Jahren im Berliner Politikgeschäft, seit 1975 Mitglied im Abgeordnetenhaus - mit einer Unterbrechung von vier Jahren. Nach seiner kurzen Zeit als Regierender Bürgermeister trat er zehn Jahre später, 1999, noch einmal als Spitzenkandidat der Berliner SPD an. Er scheiterte allerdings bei der Abgeordnetenhauswahl wieder an Eberhard Diepgen, war aber anschließend Vizepräsident und seit November 2001 dann Präsident des Abgeordnetenhauses. Fünf Jahre sollten reichen, um zu wissen, was eine Mehrheit ist.Zu den Rücktrittsforderungen wollte sich Momper an diesem Freitag nicht äußern. Dies werde er am Dienstag gegenüber dem Ältestenrat tun. Dort werde er auch alle Fragen beantworten. "Ich habe einen Fehler gemacht und mich entschuldigt, das werde ich im Ältestenrat auch nochmal tun", kündigte Momper an. In der SPD kam Mompers Entschuldigung an."Er hat sich einsichtig gezeigt, wir kennen doch seine schnoddrige Art, wie er in anderen Situation reagiert", sagte SPD-Fraktionsvize Fritz Felgentreu. Er ist sich sicher, dass die SPD Momper nicht zum Rücktritt zwingen wird. Auch nicht, wenn immerhin fast die Hälfte des Parlaments, die 73 Abgeordneten von CDU, FDP und Grünen, kein Vertrauen mehr zu ihm haben.------------------------------Foto: Walter Momper verkündete die Wiederwahl Klaus Wowereits, obwohl dieser noch keine Mehrheit hatte.