Wenn ein Moderator bei der Auswahl einer Sendung daneben gegriffen hat, dann hört man anschließend üblicherweise alle möglichen Ausflüchte, bloß eben meist nicht ein ehrliches Bekenntnis zu diesem Fehler. Bei Holger Speckhahn ist das anders. Am Rande der Party zum Abschluss der Inselvariante von Big Brother, die bei Sat.1 "Inselduell" hieß, machte Speckhahn aus seinem Herzen keine Mördergrube. Für ihn ist dieses Kapitel erledigt, die Fortsetzung will er auf keinen Fall moderieren: "Ich habe festgestellt, dass ich nicht der Typ für so ein Reality-Format bin. Ich bin wohl eher ein Showmensch", sagt der Mensch, der für den Sender die Quizshow "Jeder gegen jeden" moderiert. Dumm bloß, dass gegenwärtig die große Realitywelle rollt. "Aber das geht vorbei. Dann muss ich eben ein Jahr warten. Dann kommen vielleicht wieder Familienshows in Mode." An den acht Wochen auf der Insel nervte ihn so manches. Freundin Alexandra fehlte ihm sehr. Und der Speiseplan war eintönig: Reis mit Hühnchen, Reis mit Fisch, dann wieder Reis mit Hühnchen. "Inzwischen kriege ich Reis nicht mehr in meinen Mund rein." Zu einer kulinarischen Spezialität, die die Kandidaten zum Entsetzen mancher Tierschützer vor laufender Kamera zubereiteten, mag Speckhahn sich nicht äußern: "Zu diesem Waran gibt es von mir keinen Kommentar!" Und eines nervt besonders: "Alle denken, ich war acht Wochen auf der Insel und wenn ich in der Sendung nur vier Minuten zu sehen war, dann habe ich bestimmt einen schönen Urlaub verlebt. Dabei war das die härteste Arbeit, in die ich mich jemals gestürzt habe."Von Speckhahn bekommt man übrigens auch nicht das branchenübliche Gerede von wahnsinnig Erfolg versprechenden Projekten, die gerade in Planung sind, zu hören. Er sagt deutlich: "Wie es weitergeht, weiß ich nicht. Da müssen Sie vielleicht Fred Kogel fragen."----Am 23. September soll die Premiere über die Bühne gehen. Am Dienstag ließ sich Intendant und Regisseur Elmar Ottenthal zum ersten Mal bei einer Probe zu "FMA - Falco meets Amadeus" auf der Bühne im Theater des Westens in die Karten schauen. Abgesehen davon, dass die Probe seltsam geprobt wirkte, gab es Appetit anregende Häppchen zu sehen und zu hören. Autor Burkhard Driest ist mit dem Fortschritt schon ganz zufrieden. Und hat sich von seinem Musical auch noch nicht komplett verabschiedet, obwohl er längst an anderen Stücken arbeitet: "Auf dem Weg zur Probe sind mir zwei Verbesserungen eingefallen, die wir jetzt umsetzen." Seine Hochstimmung hatte aber auch mit schnödem Mammon zu tun: "Meine Computeraktien sind heute acht Prozent ins Plus gerutscht, nachdem sie ziemlich im Minus gesteckt hatten." Das könnte er übrigens auch unter Recherche verbuchen, denn zurzeit schreibt Driest gerade an einem Drehbuch über die Börse.Falco-Darsteller Axel Herrig und Amadeus Joachim Schweizzer, auch das war bei der kurzen Probe schon zu sehen, können gut miteinander. Die Tücke liegt zurzeit noch im Objekt: Da steigt ein Minimikrofon nach dem anderen laut krachend aus, da verdirbt ein schlaffes Schnapp-Rollo einen Auftritt von Amadeus.BERLINER ZEITUNG/CHRISTIAN SCHULZ (2) Will nie wieder "Reality"-Sendungen moderieren: Holger Speckhahn.