Er war einer der Großen im Schlagergeschäft, nur vergleichbar mit Freddy Quinn, Frank Schöbel oder Udo Jürgens. Roy Black starb vor fünf Jahren im Oktober. Doch der Sänger mit dem Kinngrübchen findet auch im Grab keine Ruhe. Immer wieder im Herbst spekuliert die Yellow-Press über die Hintergründe seines einsamen Todes in einer Fischerhütte in Oberbayern. Warum starb Gerd Höllerich alias Roy Black schon im Alter von 48 Jahren? War's der Alkohol, das gebrochene Herz oder sogar Mord? Und dann sind da noch seine erste Frau Silke und der Sohn Torsten, die Denkmalschändung und "Rufausbeute" wittern und gegen jene klagen, die sich den Schattenseiten des Sunny-Roy widmen.Sie stört insbesondere ein RTL-Fernsehfilm, der im Frühjahr 1997 bei dem Kölner Sender ausgestrahlt werden soll und der im Pay-TV Premiere bereits verschlüsselt gezeigt wurde. Dort wird "Du bist nicht allein - Die Roy-Black-Story" (Hauptrolle: Christoph Waltz) bis Ende November noch etwa zehnmal wiederholt. Witwe und Sohn bemängeln, daß Roy Black in dem Film als "willenloser, tumber Tor" und alkoholabhängig dargestellt werde. Sie kündigten am Montag an, vor Gericht dagegen klagen zu wollen, daß "der Intellekt, der charakteristische Charme und das Charisma Roy Blacks an keiner Stelle spür- und greifbar werden". Sohn Torsten beharrt zudem darauf, daß er "alleiniger Inhaber aller Rechte am Namen und an der Person Roy Blacks" sei. Kein Wunder. Da ist ja auch einiges zu holen, denn kein verstorbener deutscher Schlagerstar wird so hysterisch verehrt und aggressiv vermarktet wie der "Edelschnulzensänger" ("Stern"). Tatsächlich komme der RTL-Film etwas "seelenlos und flach" daher, bestätigt der Berliner "Plattenaufleger" Doris Disse. Der DJ veranstaltet im "Club 69" Sixties-Diskos und hat den Film gesehen: "Schnell heruntergedreht und wenig psychologisch ausgearbeitet." Allerdings findet Disse den Sänger durchaus realistisch dargestellt. "Vielleicht wehren sich die Witwe und der Sohn bloß deshalb, weil Black wirklich so brav, uninspiriert und ohne Eigeninitiative war wie in dem Film." Schon immer hat es in der Presse Spekulationen gegeben, ob Roy Black, der schöne, sensible Mann mit Schmelz im Blick, in Wahrheit ein verhinderter Intellektueller war. Er habe viel lieber modernen Rock'n' Roll und anspruchsvollere Songs singen wollen, nur seine Manager hätten dies verhindert. Daran sei Black zugrunde gegangen.Auch der RTL-Film befördert diese Legende. Doch was ist dran? "Roy Black war in den sechziger Jahren für die Plattenindustrie eine Art Gegengift zur Beatmusik. Sie wollte bestimmte Käuferschichten hindern, auf englische Gruppen umzusteigen", sagt der Berliner Schlagerexperte Elmar Kraushaar. Zweifellos sei Black vom Charisma her eine "Ausnahmeerscheinung" gewesen, nicht unbedingt aber beim Intellekt. "Im Schlagergeschäft ist man mit Abitur schon die große Nummer, ähnlich wie beim Fußball."Warum verfiel Roy Black dem Suff und ruinierte damit vollends sein krankes Herz? Wohl weniger, weil er ständig triefende Liebeslieder singen mußte. Für Rock hatte er sowieso eine zu schmusige Stimme und für Chansons zuviel deutschen Akzent. Der Grund war eher sein tiefer Fall nach steilem Aufstieg: vom Millionenseller, der in den sechziger Jahren die Jugendzeitschriften, Illustrierten und Kinoleinwände beherrschte, wurde er zum abgeschriebenen, angejahrten Schlagerfuzzi. Erst in den achtziger Jahren ging es für Black wieder aufwärts mit der RTL-Seifenoper "Ein Schloß am Wörthersee". Doch sein Comeback konnte er nicht lange auskosten. Roy Black, so Kraushaar, sei "ein herausragendes Beispiel" dafür, wie im deutschen Schlagerbusiness Stars gemacht werden: "Das System gibt den Sängern zu wenig Raum zum Ausprobieren. Erst werden sie ausgepreßt, bis es nicht mehr geht, und dann weggeworfen. 20 Jahre später kommt dann die Nostalgiewelle, bei der sie trotz Falten und Bauch als Teenager auftreten müssen."Bereits am 9. Oktober, dem Todestag des Sängers, strahlte der Pay-TV-Sender Premiere einen ganzen Black-Abend aus. Neben dem besagten RTL-Film wurden auch zwei Dokumentationen versendet. Gegen eine davon ("Tod eines Stars") war Torsten Höllerich mit einer Einstweiligen Verfügung vorgegangen. Er hatte verhindern wollen, daß die Todesumstände seines Vaters als "ungeklärt" bezeichnet werden. Der Sender brachte den Film jedoch nach eigenen Angaben unverändert. Was das Vorgehen von Witwe und Sohn gegen den RTL-Fernsehfilm angeht, sind bisher weder bei der Rechtsabteilung von Premiere noch bei RTL juristisch relevante Schriftstücke eingegangen. Das bestätigten die Sprecher der Sender. Der Hamburger Anwalt von Torsten Höllerich, Jens Schippmann, sagte am Mittwoch, daß "der Film noch ausgewertet und eine Klage geprüft wird". Der Kampf um den wahren Roy geht weiter. +++