Erneuerbare Energien aus Sonnen- oder Windkraft sind aus dem heutigen Strommix nicht mehr wegzudenken. Auch wenn die Fördersummen etwa von Photovoltaikanlagen durch die Programme der Bundesregierung sinken, entdecken viele die Solartechnik als profitable Investition in die energetische Unabhängigkeit. Doch auch für alle, die kein eigenes Haus für Sonnenkollektoren oder ein Grundstück für eine Windkraftanlage besitzen, gibt es Möglichkeiten, am Ausbau der erneuerbaren Energien mitzuwirken. In Gemeinschaften betreiben sie so genannte Bürgerkraftwerke, mieten Dächer oder Grundstücke und werden selbst zu Energieproduzenten."Die gute Rendite aber auch der Einfluss auf den Ausbau der regenerativen Energien motiviert diese Gemeinschaften", sagt Jan Schwefel, der mit seiner Firma "Berliner Sonne" Betreiber von Bürgerkraftwerken berät. Finanziell lohnenswert sind Photovoltaikanlagen vor allem dank der günstigen Kredite für deren Bau durch die staatliche KfW-Bankengruppe sowie die auf 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung. Üblicherweise haben sich die Investitionen nach etwa zehn Jahren amortisiert, danach verdienen die Eigentümer mit dem Solarstrom Geld. Selbst nach konservativen Berechnungen sind bei einer zwanzigjährigen Nutzung zwischen fünf und sechs Prozent Rendite zu erwarten. "Wie rentabel eine Anlage ist, darüber entscheidet neben der Qualität der verbauten Solarmodule auch die genutzte Fläche", so Jan Schwefel. Denn es seien vor allem die Installation, die hohe Kosten verursache. Und die fielen relativ zur Größe der Anlage.Kommunale Freiflächen sinnvoll nutzenFür ihre Zwecke geeignete Dächer oder Freiflächen finden die Betreibergemeinschaften vor allem im Bestand der Kommunen, auf Schulen, Kitas oder Verwaltungsgebäuden. "Diese Dächer sind verfügbar. Zwar haben viele Kommunen nicht die finanziellen Mittel für den Bau eigener Anlagen aber ein Interesse am Ausbau der Ökostromproduktion vor Ort", so Schwefel.Und das hat einen handfesten, finanziellen Grund: "Jede Gemeinde gibt durchschnittlich etwa 500 Millionen Euro pro Jahr für den Zukauf von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran aus", so Hans-Josef Fell, Vizepräsident der Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien (Eurosolar). Durch regional erzeugten Strom ließen sich diese Kosten reduzieren und gleichzeitig Arbeitsplätze vor Ort schaffen. Die übersichtlichen Strukturen kleiner Bürgerkraftwerke erleichtern es den Kommunen, Einfluss auf die Energieversorgung zu nehmen. Das Hauptargument aber ist: Im Zentrum der Bürgerinteressen stehen der Umwelt- und Klimaschutz, und nicht wirtschaftliche Interessen.Ideelle Ziele verfolgen auch die Mitglieder des Vereins "Wandlitz erneuerbar". Auf ehrenamtlicher Basis bringen sie Bürger zusammen, die gemeinsam in Solarflächen investieren wollen. Erster Erfolg: Seit dem 8. Oktober 2010 liefert ihre Anlage sauberen Strom aus Klosterfelde. Die Photovoltaikanlage mit etwa 30 Kilowatt Peak Leistung kostete etwas mehr als 1000000 Euro. Vierundzwanzig Leute sind daran beteiligt. Pro Person mussten sie mindestens 250 Euro einlegen -mehr als 10000 Euro waren jedoch nicht erlaubt. "Diese Begrenzung nach oben ist uns besonders wichtig", sagt Wolf-Gunter Zätzsch, Vorsitzender des Vereins "Wandlitz erneuerbar". Denn Sinn eines Bürgerkraftwerks sei gerade, dass nicht letztlich ein einzelner Eigentümer, der ein besonders großes Anteilspaket hält, über die Geschicke der Anlage bestimmen könne.Alternativen zum SolarstromAuch Beispiele für Windkraftanlagen in Bürgerhand gibt es einige, lange Zeit waren sie der Motor für die rasante technologische Entwicklung. Doch immer häufiger regt sich Widerstand gegen die hochaufragenden Mühlen -und zwar ebenfalls von Bürgern. An vielen Standorten beklagten sich die Anwohner zunehmend über die Laustärke der Rotorblätter und die ästhetische Beeinträchtigung der Landschaft. Zudem ist der Bau von Windkrafträdern teuer: "Das geht in die Million, da müssen sich schon viele private Investoren finden", sagt Jan Schwefel von "Berliner Sonne". Zudem sei der Aufwand, etwa durch die notwendigen Baugenehmigungen, ungleich größer als bei Solaranlagen. Ähnlich kompliziert sei es, etwa Wasserkraftwerke oder Biogasanlagen als Bürgergemeinschaft zu betreiben.Unabhängig von der Art des Bürgerkraftwerks rät Jan Schwefel Interessenten für eine Gemeinschaftsanlage, das angestrebte Gemeinschaftsmodell genau zu prüfen. Zum einen böten auch gewinnorientierte Aktiengesellschaften Anteile unter dem ungeschützten Label Bürgerkraftwerke an. Zum anderen habe man die Wahl, ob man sich durch ein Darlehen an einem Kraftwerk beteilige oder Mitgründer einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) werde. Letzteres hat zur Folge, dass man als selbstständiger Gewerbetreibender einen höheren Aufwand bei der jährlichen Steuererklärung habe. Darüber hinaus hafte man für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft mit seinem Privatvermögen. Dieses Risiko könne aber durch Versicherungen gemindert werden. Der Vorteil der GbR sei ein ungleich größeres Mitspracherecht als Mitbetreiber der Anlage. Um auch juristisch auf der sicheren Seite zu sein, können potentielle Kraftwerkbetreiber Vertragsvorlagen nutzen. Diese sind zum Beispiel in dem Handlungsfaden "Bürger machen Energie" des sächsischen Vereins "Daks" zu finden.Wer eine neue Photovoltaikanlage plant sollte zudem die veränderte Einspeisevergütung beachten: Gemäß der aktuellen Novelle sinken die garantierten Zahlungen für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom, wohingegen der selbst verbrauchte Strom aus eigener Herstellung besser vergütet wird. Hier stehen die Betreibergemeinschaften vor einem Problem. "Der Eigenverbrauch gilt nur vom eigenen Dach. Andere durch die Anlage gespeiste Nachbarhäuser zählen nicht dazu", sagt Jan Schwefel. Damit ändere sich das Investitionsmodell, neue Anlagen müssen weitaus knapper kalkuliert werden. Oder aber, sie planen schon Alternativen bei der Nutzung des eigens erzeugten Stroms. "Noch ist der aus dem Netz billiger, aber das wird sich in absehbarer Zeit ändern", hofft Wolf-Gunter Zätzsch von "Wandlitz erneuerbar".Vom Energiesparen doppelt profitierenBis dahin gehen die Wandlitzer noch ein anderes Projekt der Bürgerbeteiligung an: Der Verein arbeitet an einer Teststrecke mit energieeffizienter LED-Straßenbeleuchtung, ebenfalls finanziert durch eine Bürgergemeinschaft. Auch hier profitieren Kommune und Bürger gleichermaßen: Sie teilen sich die Einsparungen bei den Stromkosten. Damit werden für die Kommune Gelder frei, die sie zum Beispiel für Schulen und Kitas nutzen können. Und die Investorengemeinschaft kann mit einer guten Rendite rechnen.------------------------------Foto: Windmacherei oder gesellschaftlicher Aufbruch? Zahlreiche Bürgerinitiativen proben derzeit den Aufstand und gründen eigene Kraftwerke, die ausschließlich mit regenerativen Energien betrieben werden.