Töchter sind nur Töchter, weil sie Mütter haben. Väter haben sie natürlich auch. Aber gerade die Beziehung der Töchter zu ihren Müttern ist oft anstrengend. Mögen sich junge Mädchen gern über junge Männer unterhalten. Frauen von zwanzig Jahren aufwärts reden miteinander sehr häufig über Mütter, oft im Ton der Klage. Freundinnen können ganze Anekdotensammlungen über die Mutter der jeweils anderen wiedergeben. Manche Töchter finden nie den Frieden mit ihrer Mutter, tragen ihr Vorwürfe und Verletzungen bis ins Grab hinterher.Vorbild und KonkurrentinNur eine Frau konnte ein Buch schreiben mit dem Titel "Die schrecklichsten Mütter der Welt". Die Autorin Sabine Ludwig ist naturgemäß selbst Tochter und weiß, dass er bei den potenziellen Käuferinnen Neugier und Mitgefühl auslöst. Die reichen das Buch an ihre zehn- bis zwölfjährigen Kinder weiter, denn für sie ist es gedacht. Sie werden dankbar sein, denn das Buch ist witzig und originell geschrieben und es zeigt, dass andere Mütter doch schlimmer sind als die eigene. Erwachsene hat die Beziehung zur Mutter schon oft zu Ratgeber-Büchern greifen lassen - es gibt etliche zu diesem Thema - und in psychiatrische Praxen getrieben. Manchen hilft schon das Gefühl, nicht allein zu sein.Mädchen fangen früh an, die Rolle der Mutter zu üben und zu betrachten. Sie vergleichen die eigene mit den Müttern anderer Kinder hinsichtlich Freundlichkeit, Großzügigkeit und Modebewusstsein: Sie reiben sich an ihr und ihren Wertvorstellungen, sehen sie sogar als Konkurrenz.Weise Mütter wissen, dass ihre klagenden Töchter nur Teil eines ewigen Kreislaufs sind. Wenn nämlich die Tochter selbst ein Kind bekommt, wird sie in die Rolle der Mutter hineingeboren. Sie durchlebt ein Gefühlswirrwarr aus Liebe und Angst, aus Verantwortung und der Suche nach Bestätigung.Mit einem Kind ändert sich das ganze Leben. Das Verhältnis zum Partner, der Platz in der Arbeitswelt, die Möglichkeiten, über seine Zeit zu verfügen. Nicht alle sehen dies so entspannt wie die britische Autorin Kirsty Gunn, die sich an ihrem 44. Geburtstag entschied, sich ein Jahr auf die Mutterrolle zu beschränken. "Alles, was ich weiß, ist, dass ich mit meinen Töchtern noch einmal geboren wurde, mich durch ihre Augen betrachten und erkennen durfte." Drei und sechs Jahre waren ihre Mädchen damals alt. Aus Notaten und Gedichten wurde ein Buch: "44 Augenblicke. Aufzeichnungen einer entschiedenen Mutter".Wer mit den durch die Mutterschaft verpassten Chancen hadert, läuft Gefahr, diese irgendwann das Kind spüren zu lassen. Da sollte man sich gelegentlich vor Augen halten, dass nicht jede Frau Mutter werden will und auch nicht jede es kann - und dass diesen eine Art von Liebe verwehrt bleibt, wie sie nur im Verhältnis zu einem Kind möglich sind. Ihnen bleibt natürlich auch etwas erspart. Sie erleben das, was sie mit der eigenen Mutter durchgemacht haben, nicht noch einmal neu. Denn nach der Lieblichkeit der frühen Jahre, nach der Zeit des fröhlichen Entdeckens kommt die Phase der Streitereien.Deren Höhepunkt liegt zweifelsohne in der Pubertät. Es gibt kaum ein Mutter-Tochter-Paar, das diese Zeit als harmonisch erlebt hat. Entweder schaffen es beide danach, das Verhältnis ins Lot zu bringen oder die Beziehung bleibt angestrengt. Die Psychotherapeutin Claudia Haarmann verlässt sich für ihr Mütter-Buch beim Thema Pubertät nicht nur auf eigene Erfahrungen, sondern befragt eine Kollegin, die darauf spezialisiert ist. Opposition sei für die Entwicklung der Tochter lebenswichtig, sagt die, "ganz egal, in welcher Haltung die Mutter ihr Leben lebt - vital, freudig, ängstlich, konkurrierend oder opferbereit". Das richtige Maß in der Auseinandersetzung zu finden, wird zum täglichen Praxistest. Denn einerseits sollte die Mutter zu ihren Werten stehen und der Tochter klarmachen, was sie für falsch hält. Trägt sie aber ihre Argumente mit Härte vor oder wirkt sie kalt in ihrer Sicht auf das Kind, kann das beider Verhältnis dauerhaft beschädigen.Gutes SelbstwertgefühlClaudia Haarmann rät dringend, die Beziehung zur Mutter zu klären, da sie das Fundament der eigenen Persönlichkeit sei. Haarmanns Buch stimmt schon mit dem Titel versöhnlich: "Mütter sind auch Menschen. Mütter und Töchter begegnen sich neu". Am überzeugendsten als Vorbild und Partnerin wirkt ihrer Ansicht nach eine Mutter, die mit sich im Reinen ist, die über ein gutes Selbstwertgefühl verfügt. Im Buch wird das an vielen Fallbeispielen deutlich. Man kann seine Mutter nicht erziehen, aber versuchen, sie zu verstehen und nachzuempfinden, was sie fühlt. Claudia Haarmann schreibt: "Wir müssen dann auch nicht mehr leugnen, dass wir ihr ähnlich sind. Wir sind es - so oder so." Auch wenn wir keine T-Shirts bügeln, auch wenn wir Gläser ohne Untersetzer auf den Tisch stellen und den Muttertag für überflüssig halten.------------------------------Foto (5): Berühmte Mütter und ihre Töchter in Friedenszeiten. Ihr Streit bleibt privat. Courtney Love mit Frances Bean Cobain, Demi Moore mit Rumer Willis, Madonna mit Lourdes, Meryl Streep mit Grace Gummer (von oben links im Uhrzeigersinn). Unten: Andie MacDowell mit Rainey und Sarah Margaret.