Warum Graf von Bassewitz in Mecklenburg-Vorpommern eine gentechnisch freie Zone initiiert hat: Der Gutsherr vom Biopark

DALWITZ, 16. Januar. Wer sich um 1 000 Rinder und 1 200 Schweine kümmert, muss noch lange nicht mit den Hühnern aufstehen. "Wir haben im Moment nicht so viel zu tun", sagt Graf Heinrich von Bassewitz. Um halb acht klingelt der Wecker des promovierten Landwirtes im Winter. Mit seinen makellos schwarzen Halbschuhen kann der Gutsherr an diesem Morgen noch nicht weit über den zerfurchten Grund auf dem Hof gelaufen sein. "Zum Trecker fahren habe ich drei Mitarbeiter", sagt von Bassewitz. Seinen Kaffee kocht der Unternehmer aber immer noch selbst.Umsatz: 1,5 Millionen EuroMit dem Gut Dalwitz macht der 49-Jährige einen jährlichen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Anfang Januar beschert ihm der Besitz vor allem viel Verwaltungsarbeit: Anträge ausfüllen, Umfragen beantworten und immer wieder Besucher empfangen. "Er sagt, er ist ein Verwandter von Ihnen", kündigt seine Sekretärin einen unerwarteten Gast an. Von Bassewitz kann mit dem Namen des Mannes nichts anfangen. Seinen eigenen kennen dafür umso mehr Leute. Der Göttinger betreibt seit 1991 einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern. Der Vorzeigebauer - sagen manche in der Branche, wenn sie wieder mal in der Fachpresse von ihm lesen. Ein bisschen Neid ist wohl auch dabei. 1999 hat von Bassewitz den Agrar-Kulturpreis bekommen, im Jahr 2001 ist ihm für seine Leistungen die Thünen-Medaille verliehen worden, die nach dem Agrarökonom Johann Heinrich von Thünen benannt ist.Von Bassewitz Hof gehört zum Biopark, dem größten ostdeutschen Anbauverband. Etwa 750 Bauern haben sich unter diesem Namen zusammengeschlossen. Zwei Drittel davon bewirtschaften Land in Mecklenburg-Vorpommern. Als Mitglieder des Bioparks einen sie vor allem zwei Grundsätze: Die Landwirte düngen nicht mit kommerziellen organischen Mitteln, sondern nutzen nur den Mist ihrer eigenen Tiere. "Sie könnten ja auch Guano, Pinguinscheiße, dazukaufen", sagt von Bassewitz. "Aber das widerspricht der Idee des Kreislaufes auf dem Hof." Außerdem setzt die Mitgliedschaft im Biopark voraus, dass die Landwirte ihren gesamten Hof ökologisch betreiben und nicht etwa nur Teile der Produktion. Erst dann sehen die Ökobauern die besondere Güte ihrer Erzeugnisse als gewährleistet an. In manchen Fällen ist ihre Qualität so hoch, dass sich die Landwirte gar nicht mehr von ihrem Tier trennen mögen. Wie bei Mia. Die 15-jährige Kuh steht unter Schlachtschutz, "weil sie eine besondere Persönlichkeit hat", sagt von Bassewitz, normalerweise begeisterter Fleischesser. "Wir haben sie mit der Flasche aufgezogen. Auf die können Sie sich drauflegen so zahm ist sie." Einmal täglich fahren von Bassewitz und seine Mitarbeiter mit einem Geländewagen über die morastigen Weiden, manchmal bleiben sie im Schlamm stecken. Die Rinder lassen sich von einem Auto in ihrer Mitte nicht mehr schrecken. Von Bassewitz kann problemlos nachsehen, ob sich eines der Tiere vielleicht mit dem Kopf in einer Astgabel verfangen hat, oder ob eine Kuh kalben wird und Hilfe braucht.Ein Teil des Gutes ist Reiterhof. Von Bassewitz hält 100 Pferde, darunter 30 Criollo. Die südamerikanische Rasse hat er aus Uruguay mitgebracht, wo er als Entwicklungshelfer in der Landwirtschaft Erfahrungen gesammelt hat. Seine Ehefrau Lucy vermietet drei Ferienwohnungen und fünf Doppelzimmer an Gäste. Drei Viertel ihres Gutshauses nutzen Touristen zum Übernachten, um Ferien auf dem Bauernhof zu machen. Dalwitz, ein Ortsteil von Walkendorf hat gerade mal 150 Einwohner. Mit den meisten ist von Bassewitz per Du. Ihre Häuschen sehen aus, als ob sie willkürlich auf ein Stück einsamen Landstrich gesetzt wurden.Seit 1349 in DalwitzDie von Bassewitz sind seit 1349 Gutsherren in Dalwitz - mit einer Unterbrechung als Folge des Zweiten Weltkrieges. Nach der Wende haben sie das Gelände wieder gekauft. Den Nachbarbetrieb bewirtschaftet von Bassewitz gleich mit. Die Eigentümer haben keinerlei Erfahrung als Landwirte, deshalb mästet von Bassewitz ihre 1 200 Schweine. Mit Gänsezucht hat er auch mal sein Glück versucht. Ein unrentables Geschäft, sagt er. Wenn die Tiere sechs Monate weiden, sei ihr Preis bereits viel zu hoch, als dass sich dafür noch ein Käufer den Ökovogel in die Bratenröhre schieben würde.Das Etikett Bio zieht auf dem Lebensmittelmarkt nicht mehr so gut. "Die Preise fallen", sagt von Bassewitz, "aber das ist ein Trend, der auch für die konventionellen Landwirte gilt." Und der Kampf um die Kundengunst verschärft sich weiter, wenn erst gentechnisch veränderte Produkte in den Regalen stehen. Von Bassewitz ist ein entschiedener Gegner solcher Lebensmittel. "Die Verfahren sind viel zu wenig erprobt und nicht notwendig", sagt er. Vor sechs Wochen haben der Gutsherr und 14 Kollegen deshalb ihre Höfe zu einer so genannten gentechnik-freien Zone erklärt. Damit verpflichten sie sich freiwillig, auf 10 000 Hektar zusammenhängenden Landes kein gentechnisch verändertes Saatgut zu verwenden.An diesem Wochenende engagiert sich von Bassewitz auf der Grünen Woche in Berlin gegen so genanntes Gen-Food. Mit Bundesverbraucherministerin Renate Kühnast will er "kurz in die Bütt steigen", wie er es nennt. Zum Reden halten bleibt nur wenig Zeit. Auf seinem Gut baut von Bassewitz derzeit den ehemaligen Schafstall um. Für die nächste Neuanschaffung - 15 000 Hühner.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER 100 Pferde, 1 000 Rinder und bald 15 000 Hühner - Heinrich von Bassewitz auf seinem Hof in Dalwitz.