Flüssigkristallanzeigen ("LCDs") gehören längst zum Alltag. 1993 lag der Umsatz weltweit bei zehn Milliarden Mark, Tendenz stark steigend. Einer der Männer, die die Idee dazu hatten, ist heute Professor für Theoretische Physik an der Freien Universität Berlin. Reich ist er durch seine Erfindung nicht geworden. Ursprünglich wollte Wolfgang Helfrich (Jahrgang 1932) ein geisteswissenschaftliches Fach studieren, wollte philosophieren. Doch da waren die kleinen Dinge, denen er auf den Grund gehen mußte. Etwa, warum zwei Steine zusammengebunden nicht schneller fallen als einzeln. Also studierte er an der Universität Göttingen Physik, obwohl er in der Schule keinen Gefallen an diesem Fach finden konnte. An der Universität wurde es dann um so interessanter, so daß Helfrich blieb und habilitierte. Schon damals waren es organische Kristalle, mit denen er sich beschäftigte. Dies tat er auch anschließend bei der Firma Hoffmann La Roche in Basel. Hier fand er 1970 das theoretische Konzept für das Flüssigkristall-Display. Sein Kollege Martin Schadt baute das erste Muster der Anzeige, die längst unter dem Kürzel LCD (Liquid Crystal Display) weltbekannt ist. Trotz Patentanmeldung sind die beiden Forscher dadurch nicht reich geworden. Denn erstens hätte das Patent der Firma gehört, für die beide arbeiteten, und zweitens ist das Patent vom Münchner Patentamt nicht erteilt worden. Es wurde ja nichts erfunden, sondern etwas aufgebaut auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, hieß es seinerzeit in der Ablehnung der Patentanmeldung. Dem nicht genug: Hoffmann La Roche verlor die Flüssigkristallanzeige aus den Augen, es kamen magere Jahre, Wolfgang Helfrich wurde entlassen. An seinem letzten Arbeitstag, dem 30. April 1973, ereilte ihn der Ruf nach Berlin. Er nahm mit Freuden an, auch wenn ihn die Stadt nervte. Erst Jahre später, nach der Wende, freundete er sich mit ihr an, beschloß zu bleiben und nicht, wie fest vorgenommen, Berlin nach der Pensionierung zu verlassen. Nach der spektakulären Entdeckung arbeitete er zwar auch weiterhin an den Flüssigkristallen, widmete sich aber dann auch wieder Problemen der theoretischen Biophysik.Daß Prof. Helfrich für den ersten richtigen Urlaub seines Lebens erst in diesem Winter Zeit hatte, war allerdings keine Frage mangelnder finanzieller Liquidität. Schuld daran soll die wissenschaftliche Arbeit sein, von der er sich nie trennen konnte. +++