Nachdem sich einige Journalisten von der Wahl des Bundespräsidenten dazu hinreißen ließen, die FDP als "Zünglein an der Waage" zu bezeichnen, schockte der freidemokratische Bundestagsabgeordneten Koppelin drei Tage später die schreibenden Klugscheißer mit "Aufklärung". Von einem "Zünglein an der Waage" könne gar keine Rede sein, lehrte Koppelin schriftlich, habe es doch überhaupt keinen Einfluß, wohin es zeigt.Entscheidend, und jetzt sperren wir unsere Ohren auf, seien allein die Gewichte! Koppelins Schlußfolgerung: Die FDP ist ein Gewicht.Nun vergaß der liberale Aufklärer hier zwar das Ausrufezeichen, dennoch dürfte sein Kanzler einigermaßen erbost sein. Hatte Dr. Kohl doch ein für allemal festgelegt, "entscheidend ist, was hinten raus kommt~. und hinten raus kommt bekanntlich kein Gewicht.Gewiß, die Masse hat ein spezifisches Gewicht. Aber das entscheidet doch wohl eher, welche Geschwindigkeit sie im freien Fall entwickelt, oder?Und wenn die FDP nun weniger schnell in der Versenkung verschwindet, als SPD-Chef Scharping sich das wünscht: Darf dann die Rede nicht bestenfalls von einem Fliegengewicht sein?Apropos Scharping. In Bonn macht der Verdacht die Runde, um nach der Herzog-Wahl einen hübsch kindlichen Wutausbruch hinzulegen, sei die FDP-Bösartigkeit. das Kind in der SPD ums Spielzeug zu betrügen, nur willkommener Vorwand gewesen. Der tatsächliche Grund wird einem kleinen Buch zugeschrieben, Diekmannf ReiulStock: Roman Herzog -- der neue Bundespräsident im Gespräch.Gedruckt worden war es, noch bevor die Bundesversammlung überhaupt zusammentrat, geschrieben sogar schon im März. Daß die drei Autoren Herzog bereits damals als Bundespräsidenten ansprachen. hätte ein sensibles Gemüt noch verkraften können.Daß aber Herrn Scharping noch immer niemand als Bundeskanzler anredet, obwohl doch inzwischen kaum noch ein Unterschied erkennbar ist -- das ist nun wirklich zuviel.