Mit Nutella fing die Erfolgsgeschichte bei Ferrero bekanntlich an. Der Konditor Pietro Ferrero hatte in der Nachkriegszeit die Idee, eine Nuss-Nugat-Creme zu entwerfen. Inzwischen ist in Italien aus dem kleinen Laden ein großes Unternehmen geworden, das viele Jahrzehnte mit neuen süßen Ideen überraschte. In den vergangenen Jahren war auch Pietro, der Enkel des Firmengründers, maßgeblich an der Erfolgsgeschichte beteiligt. Der 47-Jährige starb bei einem Radausflug am Montagabend in Südafrika. Italiens Außenminister Franco Fattini sprach von einem außerordentlich talentierten Unternehmer. Seine Begabung bewies er auf einem hart umkämpften Markt, denn auch die Konkurrenz ist immer auf der Suche nach dem ultimativen Riegel.Deshalb hatte Pietro Ferrero vor fünf Jahren am Firmsitz in Alba (Piemont) ein Forschungszentrum bauen lassen. Dort entwickeln Biologen, Chemiker, Nahrungsmitteltechniker und Marketing-Spezialisten neue Produktformen, Geschmacksrichtungen und Verkaufsstrategien. Früher hatte das allein sein Vater Michele getan, der hatte Produkte wie Yogurette, Überraschungsei, Milchschnitte und Mon-Chéri-Pralinen auf den Markt gebracht, aber der Mann ist nicht mehr der Jüngste. Und die Konkurrenz schläft nicht.Wie schwierig es tatsächlich ist, sich auf dem Markt zu behaupten, zeigte sich zuletzt im Januar bei der Kölner Süßwarenmesse. Dort traten die Hersteller vor allem im Bereich der Tafelschokoladen mit ungewöhnlichen Geschmacksvarianten auf. Schokolade mit Heu war eine vieldiskutierte Innovation. Genauer gesagt, Schoki mit karamelisierten Heu-Kräutern. Doch echte Innovationen sind selten geworden. Thorsten Erbrath, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, drückt es so aus: "Wo so viel Vielfalt da ist, wird es schwierig, etwas völlig Neues zu erfinden."Vor zwei Jahren kündigte der Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut mit Vulcano eine Revolution an: Die kalorienarme und hitzebeständige Schokolade sollte nicht mehr in der Hand schmelzen, sondern erst im Mund: Allerdings durch Speichel, nicht durch Wärme. Gehört hat man davon jedoch nichts mehr.Eine der letzten echten Innovationen hierzulande war der Pick Up! von Leibniz: Mit seiner Keks-Schokolade-Kombi drang der Hersteller vor 20 Jahren in den Riegel-Markt ein, der bis dato von Mars-Produkten beherrscht wurde. Umgekehrt versuchte sich Mars mit Amicelli erstmals auf dem Pralinenmarkt. Die mit Haselnuss-Creme gefüllten Waffelröllchen erinnern allerdings an eine Mischung aus Giotto und Rocher von Ferrero.Außerdem ist es offenbar nicht mehr so einfach, den Appetit der Verbraucher auf Süßes anzuregen: Die Süßwarenbranche setzte im vergangenen Jahr in Deutschland mit neun Milliarden Euro ein Prozent weniger um als im Vorjahr. Das ist nicht nur in Deutschland so: Der Markt in Westeuropa und den USA ist gesättigt - die Hersteller konzentrieren sich zunehmend auf den Export.Beim italienischen Familienunternehmen sind die Klassiker in die Jahre gekommen. Hanuta feierte schon 2009 den 50., und Rocher den 25. Geburtstag. Vergangenes Jahr wurden Raffaello 20 und Yogurette 40 Jahre alt. Zu den jüngsten erfolgreichen Produkten im Ferrero-Sortiment zählen die in zarte Pastellfolie gehüllten "Garden"-Sommerpralinen und die Rondnoir-Pralinen, eine dunkle Schokoladenvariante des Klassikers Rocher. Immerhin, sagt Thorsten Erbrath, sei es Ferrero mit Rondnoir gelungen, Pralinen mit dunkler Schokolade im Massenmarkt zu etablieren. Trotzdem handelt es sich bei den Pralinen um Variationen von Dagewesenem. Markenexperte Karsten Kilian sieht die Strategie des Branchenriesen deshalb kritisch: Ferrero sei zwar sehr gut in der Bestandspflege und im Verteidigen von Marktanteilen. "Aber der nächste Blockbuster ist nicht in Sicht."------------------------------Foto: Mit dem Produkt Rondnoir gelang es Ferrero, dem Verbraucher auch Zartbitter-Schokolade anzubieten.Foto: Hersteller wie die Mars AG bieten ihre Produkte inzwischen auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Bounty gibt es mit Vollmilch- und Zartbitter-Geschmack.Foto: Plastikspielzeug in Schokolade - eine Erfindung, für die Eltern und Sammler viel Geld ausgeben.