Wenn es in Berlin heftig regnet, hat das für die Gewässer katastrophale Auswirkungen: An etwa 70 Stellen in der City läuft bei heftigem Niederschlag die Kanalisation über, und ein Gemisch aus Regen und Abwasser ergießt sich in Spree und Landwehrkanal. 30 bis 40 Mal geschieht das pro Jahr. Sieben Milliarden Liter Abwasser fließen auf diese Weise in Flüsse und Kanäle - Spülwasser ebenso wie das, was eine Toilettenspülung abtransportiert. Die Folgen sind schon kurz nach dem Regen zu sehen: In den Gewässern treiben tote Fische.Welche anderen Auswirkungen diese "Mischwasserentlastungen" haben, lassen die Berliner Wasserbetriebe (BWB) nun erstmals umfassend untersuchen: An einem unterirdisch gelegenen Abwasserkanal in Charlottenburg wird seit Jahresbeginn minütlich gemessen, wie hoch der Wasserstand ist und wie viel Wasser wie schnell hindurchfließt; in einem Container an der Charlottenburger Stallstraße wiederum messen sechs Sensoren 14 weitere Parameter des Wassers, darunter Sauerstoff- und Ammoniakgehalt. "Innerhalb von zwei Jahren erhalten wir auf diese Weise vier Millionen Messwerte", sagt Kai Schroeder vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin, das die Berliner Aktivitäten auf dem Gebiet der Wasserforschung miteinander vernetzt.Das Mess-Projekt, das bis April 2012 dauert und 1,36 Millionen Euro kostet, ist ganz im Sinne der Senatsverwaltung für Umweltschutz. Die Qualität der Berliner Gewässer sei von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Schifffahrt, Wärmeeinleitungen durch Kraftwerke und den Veränderungen von Uferstrukturen, sagt Matthias Rehfeld-Klein von der Behörde. Einige Veränderungen wie der Sauerstoffgehalt seien schon nach Stunden messbar, andere, wie zum Beispiel der Nährstoffreichtum des Wassers, ändern sich bisweilen erst nach mehreren Jahren.Da die größte Belastung für die Gewässer aber durch Überläufe aus der Kanalisation verursacht wird, haben das Land Berlin und die Wasserbetriebe gemeinsam ein Sanierungsprogramm der Mischwasserüberläufe gestartet - für insgesamt 90 Millionen Euro. Ziel sei es, dass nur noch zehn bis zwölf Mal jährlich Abwasser in die Flüsse geleitet wird, sagt Regina Gnirß von den Wasserbetrieben. "Bevor wir aber entsprechende Maßnahmen ergreifen, wollen wir den Bedarf ganz genau analysieren." Völlig auf das Einleiten von Regen- und Abwasser verzichten könne das Unternehmen aber nicht, betont BWB-Sprecher Stephan Natz. "Unsere Klärwerke müssen konstant ausgelastet sein." Aus diesem Grund habe die Kanalisation nur ein bestimmtes Fassungsvermögen - und laufe bei starkem Regen ab und zu über.Sauberes Flusswasser spielt auch beim Projekt Spree 2011 eine Rolle, an dem die Wasserbetriebe ebenfalls beteiligt sind. Der Ingenieur Ralf Steeg hatte vor einigen Jahren die Idee, das überschüssige Abwasser statt in die Spree in großen Tanks zwischenzuspeichern und erst nach dem Niederschlag in die Kanalisation zurück zu pumpen. Auf diese Weise könnte der Spree die Belastung erspart werden, und das Flusswasser hätte Badequalität.Bis es so weit ist, dauert es aber noch einige Jahre. Bei den Wasserbetrieben hofft man nun auf möglichst viel starken Regen - um verlässliche Messdaten zu erhalten.------------------------------Foto: Wenn es in Berlin stark regnet, läuft die Kanalisation über.