Das Immobilien-Imperium von Filmproduzent Artur (Atze) Brauner wackelt. Nach der Zwangsversteigerung eines seiner Wohnhäuser 2004 und nach bekannt gewordenen Pfändungen durch das Finanzamt in diesem Jahr drohen dem 87-Jährigen in einem weiteren Streit Einnahmenverluste in zweistelliger Millionenhöhe. Es geht dabei um vertraglich vereinbarte Mietzahlungen in Höhe von 25 Millionen Euro, die die Cinemaxx-Kette für Brauners Colosseum-Kino an der Schönhauser Allee in den nächsten 14 Jahren zahlen sollte. Wegen baulicher Mängel hat Cinemaxx den Vertrag nun zum 31. Dezember gekündigt. Das wollte Brauner nicht akzeptieren, verlor jedoch einen Rechtsstreit darüber vor dem Landgericht. Das Urteil sei "existenz zerstörend", erklärte Brauner gestern der Berliner Zeitung. Die Entscheidung könne "den Inhaber in die Insolvenz treiben", schrieb Brauner. Immer wieder war in der Vergangenheit über finanzielle Schwierigkeiten Brauners berichtet worden, der als vielfacher Millionär gilt. Brauner soll mehrere Häuser am Kurfürstendamm sowie eine Vielzahl weiterer Immobilien in Berlin besitzen.Das Kino Colosseum mit seinen zehn Sälen und 2 814 Plätzen hatte Brauner zur Eröffnung als "die Krönung" seines "Lebenswerks" bezeichnet. Aus der 1894 errichteten 27 Meter langen Wagenhalle mit Schmiede und Ställen, die in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts zum ersten Lichtspielpalast Prenzlauer Bergs wurde, war ein modernes Kino geworden. Etwa 30 Millionen Euro hatte Brauner in den denkmalgerechten Umbau und die Erweiterung des Kinos investiert. Doch die Cinemaxx AG, die die Räume mietete, bemerkte bald den Pfusch am Bau. Es regnete durch die Decke, Schimmel bildete sich. "Einige Sachen sind in dem Objekt nicht hundertprozentig dicht verlegt worden", gibt Brauner heute zu. Verantwortlich dafür sei die inzwischen Pleite gegangene Firma Holzmann, die den Pfusch durch Subunternehmer nicht bemerkt habe. Die Kündigung des auf 20 Jahre angelegten Mietvertrages will Brauner nicht akzeptieren. "Selbstverständlich werden die Mängel entsprechend behoben", kündigt er an. Am 23. September bestätigte das Landgericht jedoch die außerordentliche Kündigung. Mängel am Bau seien "nur zögerlich und unvollständig" beseitigt worden, heißt es in dem Urteil. Brauner will den Richterspruch nicht akzeptieren und kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Die vorfristige Kündigung nach sechs Jahren könnte der Cinemaxx AG durchaus gelegen kommen. "Auf dem Kinomarkt sind die Besucherzahlen um etwa 20 Prozent zurückgegangen", sagt Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt. Die Eröffnung des Multiplex-Kinos in der nur wenige hundert Meter entfernten Kulturbrauerei 2001 schaffte unerwartete Konkurrenz. In dem zweiten Kino sieht auch Brauner das Grundübel. Dadurch sei aus dem profitablen Colosseum "ein krankes Objekt" gemacht worden.------------------------------300 Filme produziertGeboren wurde Artur Brauner am 1. August 1918 als Sohn eines jüdischen Holzgroßhändlers in Lódz (Polen). Im Zweiten Weltkrieg wurden 49 seiner Verwandten von den Nazis in Konzentrationslagern ermordet.Nach dem Krieg entwickelte sich Brauners CCC-Film GmbH mit Sitz an der Havel in Spandau zur bedeutendsten deutschen Filmfirma der Nachkriegszeit.Ende der 50er-Jahre liefen 18 Filme von Brauner im Kino. Später kamen Karl-May- und Edgar-Wallace-Produktionen hinzu. Von den mehr als 300 Filmen spielen viele in der Nazizeit, etwa "Hitlerjunge Salomon" und "Babij Jar".------------------------------Foto: Bald ganz im Dunkeln: Das Colosseum Cinemaxx in Prenzlauer Berg schließt.------------------------------Foto: Artur Brauner (87), Filmproduzent und Immobilienbesitzer