Die Pläne sahen so schön aus: Ein großer Park sollte am nördlichen Rand des Parlaments- und Regierungsviertels entstehen, um in der Nähe von Kanzleramt und Bundestagsbauten einen Ort der Ruhe zu schaffen. Doch daraus wird nun nichts. Der Spreebogenpark wird bis auf weiteres von der provisorisch angelegten Straße zur Umfahrung der Schweizer Botschaft durchschnitten und kann damit nicht vollendet werden. Das verlautete gestern aus Kreisen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.Der Grund: Bundestag und Bundeskanzleramt lehnen die in den 1990er-Jahren mit dem Senat verabredete Verkehrsplanung ab. Gespräche zwischen dem Land Berlin und dem Bund über einen Kompromiss sind gescheitert. Deswegen bleibt es bis auf weiteres bei der provisorischen Verkehrsführung durch das Parlaments- und Regierungsviertel, die während der Bauarbeiten für den Tiergartentunnel verwirklicht wurde. Danach rollt der Verkehr in Nord-Süd-Richtung von der Moltkebrücke über die Umfahrung an der Schweizer Botschaft und das geplante Bundesforum. Das Bundesforum, das eigentlich zu einem Platz für die Bürger gestaltet werden sollte, wird von der Straße ebenfalls zerschnitten. In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung äußerte man sich gestern "enttäuscht" über die Haltung des Bundes, die zu dem Scheitern der Gespräche geführt habe. Der Bund war danach weder bereit, die in den 1990er-Jahren mit dem Senat verabredete Verkehrsführung durch das Regierungsviertel zu akzeptieren noch einem Kompromissvorschlag zuzustimmen. Die in den 1990er-Jahren abgestimmte Planung sah vor, dass der Verkehr direkt vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestags und vor dem Kanzleramt vorbeigeführt wird. Davon wollten aber weder Kanzleramt noch Bundestag jetzt etwas wissen - "aus Sicherheitsgründen", wie es heißt. Dabei fahren seit der Eröffnung des Autotunnels durch den Tiergarten kaum noch Fahrzeuge durch das Regierungsviertel. Gerade mal drei Autos pro Minute in jeder Richtung zählten die Verkehrsplaner in Spitzenzeiten. Nach dem vom Senat angebotenen Kompromiss sollte das Paul-Löbe-Haus vom Durchgangsverkehr verschont bleiben, die Fahrzeuge sollten weiter über die Fläche für das Bundesforum rollen. Vor dem Kanzleramt hätten nur noch Anlieger, Taxis, Busse und Radfahrer fahren dürfen. Der Park wäre vollendet worden. Doch auch dieser Vorschlag scheiterte - dem Vernehmen nach am Nein des Kanzleramtes. Deswegen bleibt jetzt erst mal alles wie es ist.Streit ums Lüders-HausÄrger gibt es zwischen dem Land Berlin und dem Bund aber auch noch an einer anderen Stelle des Parlamentsviertels. So lehnt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Pläne zur Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Bundestags ab. Streitpunkt ist ein kleiner Turm, der 40 Meter hoch in den Himmel ragen soll. Der Turm würde damit das Leitungsgebäude des Kanzleramtes überragen, das nur 36 Meter hoch ist. Zudem würde das Bauwerk dem 53 Meter hohen Reichstagsgebäude bedenklich nahe kommen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will in jedem Fall verhindern, dass der Turm den Blick auf den Reichstag verstellt. Die Planer der Behörde zeigen sich aber auch hier kompromissbereit. Einen 36 Meter hohen Turm will die Behörde erlauben. Vorausgesetzt, der Turm wird von der Luisenstraße abgerückt im mittleren Teil des Lüders-Hauses errichtet. Architekt Stephan Braunfels soll den Entwurf so überarbeiten.------------------------------Grafik: Zerstörter Park: Die Umfahrung der Schweizer Botschaft soll bleiben.------------------------------Grafik: Umstritten: Der Senat lehnt den 40-Meter-Turm auf dem Lüders-Haus ab.