Wenn heute der Unterricht wieder beginnt, werden wohl mindestens an einer Berliner Schule die Jungen und Mädchen gleich wieder nach Hause geschickt: Im Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Prenzlauer Berg. Dort sind die Klassenzimmer viel zu kalt. In manchen Räumen wird trotz Heizung nicht mal eine Temperatur von 18 Grad Celsius erreicht. Aus den elf anderen Bezirken gab es zwar am Wochenende keine Hinweise auf Schwierigkeiten mit der Wärmeversorgung der Schulen. "Doch bei der Witterung, die zwischen Tauwetter und Frost schwankt, kann man Störungen nicht ausschließen", sagt Reinickendorfs Schulstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). "Dann muss man schnell reagieren. Kinder dürfen jedenfalls in Klassenräumen nicht frieren." Die vorgeschriebene Mindesttemperatur beträgt 20 Grad.Gert Blach, der Schulleiter des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums hat schon nach den Weihnachtsferien seine Schüler nach Hause geschickt, weil die Unterrichtsräume nur sieben bis 13 Grad warm waren. Nach vielen Fax-Sendungen ans Schulamt kam zwar eine Firma und machte sich an dem veralteten Heizungssystem zu schaffen. Danach wurde in den meisten Räumen 18 Grad Celsius gemessen. "Doch kurz vor den Winterferien gab es immer noch Räume, die kälter waren", so Blach.Probleme mit der Heizung gebe es schon seit Jahren, sagt er. Allerdings hatten die vergangenen Winter nur wenige sehr kalte Tage. Dazu kommt, dass die Fenster an der Nordseite des Gebäudes, an der fast alle Klassenzimmer liegen, undicht sind. "Die werden nicht in Stand gesetzt mit der Begründung, das sei nicht mit dem Denkmalschutz vereinbar", sagt Blach. "Es zieht wie Hechtsuppe."Eltern beschweren sichSeiner pädagogischen Koordinatorin hat Blach einen Heizlüfter gekauft. "Aber das geht nicht in jedem Raum, sonst bricht die Stromversorgung zusammen", sagt er. Blach hat dem Schulamt gedroht, er werde die Schüler, in deren Räumen es zu kalt ist, in das nächste warme öffentliche Gebäude schicken. Und dieses Gebäude ist das Schulamt. Ihm wurde dafür mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht - er dürfe seine Schüler nicht als Druckmittel einsetzen. Auch Eltern haben sich mittlerweile mit Beschwerden über die kalten Räume ans Schulamt gewandt.Rose-Marie Seggelke, die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sagt, dass der Schulleiter korrekt handele, wenn er wegen kalter Klassenzimmer die Schüler nach Hause schickt: "Kälter als 20 Grad Celsius darf es nicht sein, weil sich die Kinder im Unterricht ja nicht viel bewegen." Der Fall aus Prenzlauer Berg, so die Gewerkschaftschefin zeige ein Problem, das typisch sei. Etliche Bezirke steckten seit Jahren zu wenig Geld in die Instandhaltung von Schulen. "Und das Geld aus dem Konjunkturpaket II fließt vor allem in Neubauten", so Seggelke. Schulleiter Blach gibt dem Bezirksamt die Schuld: "Das macht seine Arbeit nicht." Zumindest bei der Kommunikation zwischen Amt und Schule hakt es. Denn Pankows Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) behauptet: "Es gibt keine Beanstandungen am Kollwitz-Gymnasium."Weil man Heizungsprobleme nicht ausschließen kann, baut Neuköllns Schulstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) schon mal vor: "Bei uns wissen die Schulleiter, dass sie mich bei Problemen auf Sachbearbeiter-Ebene sofort anrufen können." Bei Havarien werde schnell gehandelt, so auch als in der Rixdorfer Grundschule ein Ventil platzte und der Keller unter Wasser stand. Grundsätzliche Schwierigkeiten mit der Wärmeversorgung der 70 Neuköllner Schulen gebe es nicht. "Wir pflegen die Systeme im Sommer, dann gibt es nur kleinere Schäden im Winter." Die Instandhaltung sei vom Sparprogramm ausgenommen. In Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf hat man systematisch in die Erneuerung der Heizsysteme investiert. "Wir haben außerdem eine Gebäudeleittechnik, wo ein Mitarbeiter am PC etwa 75 Prozent aller Heizungsanlagen an öffentlichen Gebäuden überwacht", sagt Franz-Wilhelm Garske, Leiter des Facility Managements von Tempelhof-Schöneberg.------------------------------Auf der Toilette genügen 15 GradIm Rundschreiben über den Betrieb von Heizungs-, Warmwasser- und raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) in Gebäuden und Einrichtungen der Berliner Verwaltung ist die Höhe der Raumtemperaturen geregelt. Veröffentlicht im Dienstblatt des Senats von Berlin vom 28.8.2002.Raumtemperaturen in den Gebäuden sind wie folgt vorgeschrieben:Büroräume, Lehrerzimmer: 20 Grad Celsius;Klassenräume, Kindertagesstätten: 20 Grad Celsius;Liegekrippen, Seniorenheime, Duschräume: 22 Grad Celsius;Turnhallen: 18 Grad CelsiusFlure, Toiletten: 15 Grad Celsius.