Weil er das Auto eines Tierarztes verbeult hat, muss der PDS-Sprecher 2 323 Mark bezahlen: Zum zweiten Mal: Geldstrafe für Hanno Harnisch

Eines steht zweifelsfrei fest: PDS-Sprecher Hanno Harnisch zerbeulte im Dezember 1998 mit seinen 110 Kilogramm Körpergewicht die Motorhaube eines BMW. Doch fiel Harnisch auf das Blech oder sprang er?Diese Frage sollte am Dienstag vor dem Verkehrsgericht geklärt werden. Dort musste sich Harnisch schon einmal verantworten. Weil er im November 1993 den roten Trabi von Ballettchef Johann Kresnik geknackt hatte und damit im Rausch durch die Stadt gefahren war, wurde er wegen schweren Diebstahls und Verkehrsgefährdung zu 4 800 Mark Geldstrafe verurteilt.Fünf Jahre später, am 22. Dezember 1998, war Harnisch mitten auf einer Kreuzung in Niederschönhausen mit einem Veterinär aneinander geraten. Der Tierarzt sei mit seinem BMW zurückgerollt, sagte Harnisch. Er wollte einen deutlichen Stoß bemerkt und dann "Fahrerflucht" befürchtet haben. Deswegen habe er sich vor dem BMW aufgebaut, um ihn zu stoppen. "Aber der fuhr weiter. Ich stürzte geradewegs auf die Motorhaube." "Falsch", sagte dagegen der Tierarzt. "Er hat sich absichtlich mit seinem ganzen Körper auf meine Kühlerhaube geschmissen und mit den Fäusten nachgetrommelt." Entstandener Schaden: 2 323 Mark und 48 Pfennig, den der Tierarzt nun ersetzt bekommen wollte. Im ersten Anlauf wurde der Prozess ausgesetzt, weil ein Gutachter die Sache klären sollte.Der Unfallsachverständige Ulrich Wanderer prüfte daraufhin eigenhändig die Belastbarkeit einer BMW-Motorhaube. Am Auto eines Kollegen. "Ich habe so lange mit der Faust auf die Motorhaube geschlagen, bis sie eingedellt war, die Delle aber noch zurücksprang", sagte er aus. Sein Fazit: Um die Motorhaube eines BMW mit der Faust zu zerdrücken, bedarf es außerordentlich viel Kraft und Schwung, die der Angeklagte mit seinen Armen allein nicht hätte aufbringen können. Die Beule könne also nur vom Körper des Angeklagten stammen. Und daher nun wieder die Frage: Gefallen oder gesprungen? Letztendlich, sagt der Gutachter, sei beides technisch möglich. Sein Gutachten kostete 1 000 Mark. Im Fall Harnisch half es nicht entscheidend weiter. Es blieb bei Aussage gegen Aussage. So endete der Prozess am gestrigen Dienstag mit Verfahrenseinstellung. Den Schaden muss der PDS-Mann aber dennoch zahlen: 2 323 Mark und 48 Pfennig, zu überweisen bis Jahresende an den Tierarzt. "Zur Wiederherstellung des Rechtsfriedens", sagt die Richterin. Harnisch war nicht zufrieden: "Mir wäre ein Freispruch lieber gewesen."