NEUKÖLLN. Die Händler der Sonnenallee haben 28 Jahre lang das große Straßenfest "Singende, klingende Sonnenallee" veranstaltet. Am dritten Wochenende im September 2009 sollte es die nächste Feier geben. Doch das Bezirksamt Neukölln wird Großveranstaltungen dieser Art künftig nicht mehr genehmigen. So steht es in einem internen Beschluss vom Februar 2009. Das Verbot gilt auch für die traditionellen Straßenfeste auf der Hermannstraße und der Karl-Marx-Straße.Für Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) haben die drei Straßenfeste in den vergangenen Jahren erheblich an Niveau verloren. "Wir können an der bedauernswerten Entwicklung der ehemaligen attraktiven Feste auf den Hauptverkehrsstraßen kein öffentliches Interesse mehr feststellen", sagt Buschkowsky. Längst prägten ambulantes Gewerbe, Alkohol und aggressives Verhalten der Gäste den Charakter der Feste. "Davon geht keinerlei Werbewirkung für Neukölln mehr aus" sagt Buschkowsky. Zudem habe es "in großem Maße" Beschwerden von Anwohnern gegeben.Die Organisatoren und Veranstalter können die Einschätzung von Buschkowsky nicht verstehen, sie sind verärgert über den Bezirksbürgermeister. "Bisher haben wir gut zusammengearbeitet mit den Ämtern im Bezirk und mit der Polizei, es gab keine Beschwerden", sagt Werner Robben, 1. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Sonnenallee. Etwa 25 Gewerbetreibende gehören zum Bündnis. "Viele Ladenbesitzer haben während der Straßenfeste sehr gute Umsätze gemacht", sagt Robben. "Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen, der Vorwurf alkoholbedingter Exzesse ist ebenso unwahr wie unlogisch." Erst "über drei Ecken" habe er von dem Verbot erfahren, sagt Robben.Auch die Organisatoren des Festes auf der Hermannstraße widersprechen vehement der negativen Einschätzung aus dem Bezirksamt. Die Marktstände seien abwechslungsreich gewesen, es habe keinen Müll und keinen Lärm gegeben. "Auf der Bühne standen Künstler, die sonst nur gegen Eintrittsgeld in Berlin zu sehen sind", sagt Stephan Manasse, 1. Vorsitzender der Aktion Hermannstraße. An den Veranstaltungen im vergangenen Jahr hätten sich "über zwei Dutzend der dort ansässigen Geschäfte aktiv beteiligt", sagt Manasse.In den anderen Bezirken wird das Vorgehen nach Neuköllner Art abgelehnt. "Man kann Veranstaltungen dieser Art nicht einfach verbieten", sagt Matthias Köhne (SPD), Bezirksbürgermeister in Pankow. Dort gibt es viele Traditionsfeste wie das Pankefest und das Weißenseer Blumenfest. "Für die Ortsteile haben diese Feste eine erhebliche Bedeutung", sagt Köhne. Auch der Bezirk Mitte bekennt sich zu den Festen in der Müllerstraße in Wedding und in der Turmstraße in Moabit. "Davon profitiert die lokale Wirtschaft", sagt Ephraim Gothe (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung.Kritik kommt auch vom Handelsverband Berlin-Brandenburg. "Bei Qualitätsmängeln muss man reden, mit schlichten Verboten ist kein Problem gelöst", sagt Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen. Straßenfeste seien ein wichtiges Marketinginstrument für die Händler. "Darauf kann gerade ein Bezirk wie Neukölln nicht verzichten!"------------------------------Foto: Hat nichts gegen Feste mit Niveau: Neuköllns Bürgermeister Buschkowsky (mit Perücke und Brille) beim barocken Gartenfest in Schloss Britz 2006.