Nach den kältebedingten Störungen und Zugausfällen bei der S-Bahn wird die Kritik aus der Politik schärfer. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Christian Gaebler, forderte Konsequenzen des Senats. Sollte die S-Bahn auch weiterhin den Verkehrsvertrag mit dem Land Berlin nicht erfüllen, müsse man darüber nachdenken, den Vertrag zu kündigen und einen neuen Betreiber für die S-Bahn zu suchen.Der Vertrag wurde 2003 unterzeichnet und hat eine Laufzeit von 15 Jahren. "Wir haben es nicht mit höherer Gewalt, sondern mit einer normalen Kältesituation im Winter zu tun", sagte Gaebler. Der radikale Sparkurs der Bahn habe jedoch alle Reserven für eine solche Situation heruntergefahren.Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zieht eine Vertragskündigung derzeit nicht in Betracht. "Das ist für uns keine Option", sagte Sprecher Marko Rosteck. Die Verwaltung bleibt aber bei ihrer Ankündigung, dass die S-Bahn für nicht gefahrene Kilometer einen Teil der Landeszuschüsse zurückzahlen muss.Auch gestern kam es bei der S-Bahn wieder zu Störungen und Verspätungen, wenn auch weniger gravierend als in den Tagen zuvor. Die Linie S 85 von Grünau nach Waidmannslust fuhr wie schon am Mittwoch überhaupt nicht. Sie soll auch heute nicht verkehren. Das diene zur Stabilisierung der anderen Linien, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Einige sonst übliche zusätzliche Züge im Berufsverkehr fielen aus. Die Busse, U-Bahnen und Straßenbahnen der BVG fuhren dagegen meist planmäßig."In unseren Werkstätten wird rund um die Uhr gearbeitet", sagte Priegnitz. "Die Lage hat sich gestern bereits erheblich entspannt und wir rechnen für heute mit einer weiteren Verbesserung." Kältebedingt sind aber auch gestern an Fahrzeugen technische Störungen aufgetreten. Außerdem sorgten gestörte Weichen und Signalanlagen für Verspätungen. Die Fahrgäste sollten auch heute noch etwas mehr Fahrzeit einplanen.Der Kritik, mangelnde Instandhaltung und Wartung seien Schuld an den Problemen, widersprach Jürgen Siegmann, Professor des Fachgebiets Schienenfahrwege und Bahnbetrieb der Technischen Universität Berlin. Er habe Verständnis für die derzeit auftretenden Probleme, die angesichts der Kälte im normalen Bereich lägen. "Auch bei Autos frieren im Winter Scheiben und Türen ein", sagte Siegmann. Und Weichenheizungen, die das Zufrieren der Weichen verhindern sollen, könnten bei drastischen Temperaturstürzen auf bis zu minus 20 Grad nicht mehr viel ausrichten.In anderen deutschen Großstädten, die auch mit der Kälte zu kämpfen haben, kam es allerdings nicht zu solchen Problemen wie in Berlin. Bei der Münchner S-Bahn gab es keine Zugausfälle. Und auch in Hamburg kam es kaum zu Störungen. "Die S-Bahn ist gestern im Berufsverkehr fast planmäßig gefahren. Einige Züge hatten geringfügige Verspätungen von maximal zehn Minuten", so ein Bahnsprecher.------------------------------Eingefroren2006: Im Januar dieses Jahres hatte es zuletzt massive, kältebedingte Störfälle bei der S-Bahn gegeben. Es kam zu Verspätungen von durchschnittlich zehn Minuten. Eingefrorene Weichen und Schienenbrüche führten zu Problemen. Auch zum Ende des Jahres gab es noch einmal Behinderungen. Im November ließ das arktische Sturmtief "Britta" die S-Bahnen schlittern. Im gesamten Netz kam es zu Störungen.2003: Ein Stromschienenschaden und Signaldefekte führten wieder im Januar zu Störungen im S-Bahn-Verkehr. Die Fahrzeiten der Züge verdoppelten sich teilweise. Es kam zu zahlreichen Verspätungen und Zugausfällen.1997: Ebenfalls im Januar kam es zu Schienenbruch und Stromausfall. Grund dafür war auch die Kälte.