Der Botschafter der Ukraine In Deutschland, Andrij Melnyk, sagte bei einer Pressekonferenz in der ukrainischen Botschaft in Berlin am Donnerstag, dass Russland die Ukraine von allen Seiten angegriffen habe. Die russische Invasion sei ein „Blitzkrieg“, der auf die Einnahme des gesamten ukrainischen Staatsgebietes abziele. Melnyk sagte weiter, der russische Präsident Wladimir Putin habe den Angriff bewusst um 4.40 Uhr Moskauer Zeit gestartet, weil er damit an den überfall Nazi-Deutschlands auf die UdSSR Bezug nehmen wollte. Er sagte weiter, dass der Angriff in bisher nicht dagewesenem Ausmaß erfolgt sei.

Der Botschafter sagte, dass die militärischen Angriffe über die Eroberung der selbsternannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk hinausgehe. Die Angriffe seien unter anderem aus Belarus und dem Süden erfolgt. Es gebe starke Panzerverbände, die von der russischen Luftwaffe unterstützt würden. Über die Zahl der Toten und Verletzten konnte Melnyk noch keine Angaben machen.

Der Botschafter sagte am Donnerstag, dass auch die Hauptstadt Kiew bedroht sei. Der Angriff von beiden Seiten deute daraufhin, dass Russland die Hauptstadt der Ukraine einnehmen wolle. Der Schutz der Zivilbevölkerung sei im Vorfeld von den Kommunen organisiert worden, die Bürger wurden unterwiesen, wie sie sich im Falle eines russischen Angriffs zu verhalten hätten. Genauere Angaben über die Lage in Kiew machte Melnyk nicht.

Weiterhin sagte der Botschafter, dass russische Kräfte Angriffe gegen die kritische Infrastruktur gestartet hätten. Das betreffe insbesondere die militärische Infrastruktur wie Flughäfen. Es würden aber auch Treibstofflager und TV-Sender von Sabotagekommandos angegriffen. Vor allem im Süden des Landes bei Odessa sei die Lage sehr unübersichtlich. Angriffe auf die durch die Ukraine laufenden Pipelines sind offenbar noch nicht zu beobachten gewesen. Der Botschafter machte hierzu keine Aussage. Er schloss aber auch nicht aus, dass solche Angriffe stattfinden könnten.

Eine große Flüchtlingswelle aus der Ukraine sieht der Botschafter noch nicht. Wegen der Generalmobilmachung seien alle ukrainischen Wehrpflichtigen gehalten, ihren Dienst anzutreten. Melnyk sagte, er gehe davon aus, dass die im Land bleibenden Ukrainer die Armee im Kampf den Angreifer unterstützen werden.