Eisige Stimmung in Moskau: Der Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat das zweistündiges Treffen in Moskau als „enttäuschend“ und „einen Dialog zwischen einer stummen Person und einer gehörlosen Person“ bezeichnet. In der Pressekonferenz am Donnerstag sagte Lawrow, die Delegation von Liz Truss sei „unvorbereitet“ gekommen, als er wiederholte, dass die russische Militäraufrüstung um die Ukraine keine Bedrohung darstelle und dass Moskaus Sicherheitsforderungen in Europa ignoriert worden seien. Truss forderte Russland auf, die mehr als 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine abzuziehen.

Truss‘ Reise war vor allem von Trotz geprägt, auch wenn dieser mitunter etwas theatralisch wirkte. So trug die Ministerin trotz des ungewöhnlich warmen Wetters bei ihrem Besuch auf dem Roten Platz eine Pelzmütze, wie die Financial Times (FT) beobachtete.  Es war die erste einer britischen Außenministerin nach Russland seit mehr als vier Jahren. Truss schien, so die FT, mit ihrem Auftreten die Bilder von Margaret Thatcher auf einer Moskau-Tour kopieren zu wollen – indem sie sich als „Eiserne Lady“ präsentierte.

Lawrow stellte offen die Frage, ob es einen Sinn gehabt habe, das Treffen abzuhalten. Er sagte mit einem sarkastischen Lächeln: „Ich bin enttäuscht, dass unser Gespräch der Dialog einer stummen Person mit einer gehörlosen Person war.“, sagte Lawrow. „Wir scheinen einander zuzuhören, aber wir hören uns nicht.“ Truss stand unbewegt neben Lawrow. Sie wiederholte die Forderungen des Westens, dass Russland seine Truppen von der Grenzen zur Ukraine abziehen müsse.

Am Ende verließ Lawrow ungewöhnlich schroff das Podium und ließ Truss allein dort stehen. Erst am Eingang nahm der Russe die britische Diplomatin wieder in Empfang und geleitete sie nach draußen.

Während des Treffens hatte die britische Außenministerin für Verwirrung bei den Russen gesorgt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die russische Zeitung Kommersant zitierte zwei diplomatische Quellen mit den Worten, Lawrow habe Truss bei ihrem Treffen hinter verschlossenen Türen am Donnerstag gefragt, ob sie die russische Souveränität über Rostow und Woronesch anerkenne – zwei Regionen im Süden des Landes, in denen Russland seine Streitkräfte zusammengezogen hat. Kommersant berichtet, Truss habe geantwortet, dass Großbritannien die Regionen niemals als russisches Territorium anerkennen würde und daraufhin von ihrer Botschafterin korrigiert werden musste, die sie darauf hinwies, dass die Regionen seit hundert Jahren zu Russland gehören.

Der Kreml führte demnach am Freitag einen geografischen Ausrutscher von Truss als Beispiel dafür an, wie schlecht informiert die westlichen Politiker über das Thema des Ost-West-Konflikts in der Ukraine seien. Ein britische Quelle wies auf Reuters die Kommentare als Propaganda zurück und sagte, Truss habe den russischen Außenminister Sergej Lawrow während eines Treffens einfach falsch verstanden.   (BLZ)