Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich in einer Sonderansprache an die Russen zur Lage in der Ukraine gewendet. Er erläuterte in der Ansprache, was Russland mit der Invasion in die Ukraine bezweckt.

Auszüge der Rede im Wortlaut:

„Die Umstände erfordern es, dass wir entschlossen und sofort handeln. Die Volksrepubliken des Donbass haben Russland um Hilfe gebeten. In diesem Zusammenhang habe ich gemäß Artikel 51, Teil 7 der UN-Charta, mit Genehmigung des Föderationsrates und in Übereinstimmung mit den von der Föderalversammlung ratifizierten Verträgen über Freundschaft und gegenseitigen Beistand mit der DNR und der LNR die Durchführung einer speziellen Militäroperation. Ihr Ziel ist es, die Menschen zu schützen, die acht Jahre lang vom Kiewer Regime misshandelt und ermordet wurden. Zu diesem Zweck werden wir uns um die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der Ukraine bemühen und diejenigen vor Gericht stellen, die zahlreiche blutige Verbrechen an der Zivilbevölkerung, einschließlich russischer Bürger, begangen haben.“

Recht der Völker auf Selbstbestimmung:

„Unsere Pläne sehen keine Besetzung ukrainischer Gebiete vor, wir werden nichts gewaltsam durchsetzen... Weder bei der Gründung der UdSSR noch nach dem Zweiten Weltkrieg hat jemand die Menschen, die in diesen oder jenen Gebieten leben, die die heutige Ukraine ausmachen, gefragt, wie sie selbst ihr Leben gestalten wollen. Unsere Politik basiert auf Freiheit. Es geht um die Freiheit jedes Einzelnen, seine Zukunft und die seiner Kinder selbst zu bestimmen. Und wir halten es für wichtig, dass alle Menschen, die auf dem Gebiet der heutigen Ukraine leben, dieses Recht ausüben können – das Recht zu wählen. Jeder, der es will.“

Botschaft an die ukrainischen Soldaten:

Wladimir Putin: "Ich muss mich an das ukrainische Militär wenden: Sie haben einen Eid auf das Volk geschworen, nicht auf die Junta. Ich fordere Sie auf, Ihre Waffen sofort niederzulegen und nach Hause zu gehen. Alle Angehörigen der ukrainischen Armee, die dieser Forderung nachkommen, können das Kriegsgebiet ungehindert verlassen und zu ihren Familien zurückkehren. Die Verantwortung für ein mögliches Blutvergießen trägt allein das Regime, das das Gebiet der Ukraine regiert.“

Warnung an den Westen:

„Wer auch immer versucht, eine Bedrohung für Russland zu schaffen, die Antwort wird sofort erfolgen. Im militärischen Bereich ist das moderne Russland auch nach dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Verlust eines Großteils seines Nuklearpotenzials heute eine der mächtigsten Atommächte. Darüber hinaus hat es bei einer Reihe der neuesten Waffentypen gewisse Vorteile. In diesem Zusammenhang sollte es keinen Zweifel daran geben, dass ein direkter Angriff auf Russland zu einer Niederlage und schlimmen Konsequenzen für den potenziellen Aggressor führen würde.“

Über die gescheiterten Verhandlungen mit der Nato:

„Die Situation mit der NATO-Erweiterung wird immer gefährlicher. Sie verschärfen ihre Haltung, wir können nicht länger schweigen. Wir erinnern daran, dass am Vortag die Führer der Volksrepublik Donezk, Denis Puschylin, und der Volksrepublik Luhansk, Leonid Pasechnik, den russischen Präsidenten um Unterstützung bei der Abwehr der Aggression durch die ukrainischen Streitkräfte gebeten haben, um zivile Opfer zu vermeiden und eine humanitäre Katastrophe im Donbass zu verhindern.“

Der russischer Sender NTV, der die Rede dokumentierte, ordnete die Putins Ansprache ein und verwies auf die Ausführungen des ukrainischen Präsidenten:

Ebenfalls an diesem Abend hielt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Sonderansprache auf Russisch. Er sagte, dass „Russen und Ukrainer keine Feinde sind“ und dass „die Ukraine von Russland und anderen Ländern, die das Budapester Memorandum unterzeichnet haben, Garantien für die Nichtverbreitung von Atomwaffen verlangt“. Zuvor hatte Wolodymyr Zelenskyy erklärt, die Ukraine sei bereit, aus dem Budapester Memorandum auszusteigen, in dem der Verzicht des Landes auf Atomwaffen festgeschrieben ist. Der Kreml betonte daraufhin, dass die Ukraine ihre nuklearen Ambitionen angekündigt habe und dass Russland dies „gehört“ habe. (BLZ)