Premierminister Naftali Bennett hat am Donnerstag in seinen ersten Bemerkungen seit Beginn des Einmarsches vermieden, die russische Invasion in der Ukraine zu verurteilen. Er hat, wie die Times of Israel berichtet, sogar darauf verzichtet, Russland namentlich zu erwähnen. „Die Weltordnung, wie wir sie kennen, verändert sich“, sagte er bei einer Abschlussfeier für Offiziere der Israelischen Streitkräfte in Südisrael: „Die Welt ist viel instabiler, und auch unsere Region verändert sich täglich. Dies sind schwierige, tragische Zeiten. Unsere Herzen sind bei den Zivilisten der Ostukraine, die in diese Situation geraten sind.“

Die Äußerungen standen in deutlichem Gegensatz zu der Verurteilung Russlands durch Außenminister Yair Lapid nur wenige Stunden zuvor. Lapid nannte die Invasion „eine schwerwiegende Verletzung der internationalen Ordnung“, in Jerusalems schärfster und direktester Verurteilung Moskaus seit Beginn der Krise in Osteuropa. Vor der Invasion hatte Lapid noch gesagt, dass Israel zu Russland ein besonderes Verhältnis habe und daher keine Sanktionen verhängen werde.

Ein diplomatischer Beamter sagte der Times of Israel, Bennetts Entscheidung, Russland in seinen Bemerkungen nicht zu erwähnen, sei absichtlich und mit Lapid abgestimmt gewesen: „Sie haben heute mehrmals miteinander gesprochen und arbeiten zusammen“, sagte der Beamte unter der Bedingung der Anonymität. Der sanftere Ton von Bennetts Rede sollte laut dem Beamten Lapids härtere Gangart ergänzen.