Mit Anerkennung berichtete die Financial Times (FT) am vergangenen Freitag von der Stabilisierung des Rubels: Der Wert der russischen Währung gegenüber dem Dollar hatte überraschend schnell wieder das Vorkriegsniveau erreicht. Das vorläufige Ausbleiben eines Total-Crashs wird vor allem auf das Wirken der Zentralbankchefin in Moskau zurückgeführt: Elvira Nabiullina war schon 2014 in der internationalen Finanzwelt aufgefallen, weil ihr eine finanzpolitische Abwehr der ersten Sanktionswelle des Westens gelungen war. 2017 wurde sie vom angesehenen Londoner Magazin The Banker zur Zentralbankerin des Jahres gewählt.

Sie zwang die Russen, ihr Geld im Land zu lassen

Nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine brach jedoch zunächst alles zusammen, was die 59-jährige tatarischstämmige Bankerin aufgebaut hatte. Der Kurs des Rubels stürzte ins Bodenlose. Nabiullina soll an Rücktritt gedacht haben, auch, weil sie den Krieg dem Vernehmen nach entschieden ablehnen soll. Doch die Liebhaberin von französischer Lyrik und Oper verzichtete auf ein politisches Statement. Sie blieb, weil sie laut FT das russische Volk in dieser schwierigen Situation nicht im Stich lassen wollte. Ihre ukrainische Kollegin Valeria Gontareva attestiert Nabiullina hohe fachliche Kompetenz. Doch wegen der Invasion hätte die Notenbankerin zurücktreten müssen, weil sei sich sonst eines Tages vor einem Kriegsverbrechertribunal werde rechtfertigen müssen.

Nach Kriegsbeginn griff Nabiullina zu einer Maßnahme, die sie zuvor stets mit größter Vehemenz abgelehnt hatte: Sie verhängte Kapitalverkehrskontrollen und zwang die Russen so, ihr Geld im Land zu lassen. Mit dem drakonischen Schritt stoppte sie einen beginnenden Bank-Run. Sie gilt auch als Architektin des neuen Rubel-Dekrets, welches Käufer von russischer Energie zwingt, bei der staatlichen Gazprombank ein Konto zu eröffnen. Auf diese Weise verschafft Nabiullina der russischen Zentralbank weiteren Spielraum, um den Rubel zu stützen – was ihr wegen des Einfrierens der Devisenreserven durch die westlichen Sanktionen verwehrt ist.

Nabiullina könnte dieses Problem jedoch auch in den Griff bekommen: Der russische Handelsüberschuss ist wegen der hohen Ölpreise trotz der Sanktionen weiter gestiegen, mit den generierten Devisen kann eine neue Reserve aufgebaut werden. Nabiullina hatte bereits vor dem Krieg 643 Milliarden US-Dollar an Überschuss angehäuft. In normalen Zeiten kann die Zentralbankchefin auch wieder die Kryptowährungen in Angriff nehmen, die ihr wegen des Krieges und der Sanktionen entglitten sind. Nabiullina ist eine Krypto-Hardlinerin, die eine strenge staatliche Kontrolle der neuen Technologie anstrebt.