Russen in Berlin gegen Putin

Aktivisten fordern vor der Botschaft Freiheit für Russland und die Ukraine.

Antikriegsprotest der russischen Protestbewegung vor der russischen Botschaft Unter den Linden.
Antikriegsprotest der russischen Protestbewegung vor der russischen Botschaft Unter den Linden.Berliner Zeitung/Benjamin Pritzkuleit

Eine größere Gruppe von im Ausland lebenden Russen versammelte sich am Samstagabend vor der russischen Botschaft in Berlin und forderte den Rücktritt von Präsident Wladimir Putin, rief nach einem „Russland ohne Putin“. Die Aktivisten der Gruppe Demokrati-JA riefen: „Russland, erwache!“, kritisierten den Angriffskrieg in der Ukraine und die militärischen Aktionen der russischen Armee in dem Krieg. Sie forderten Freiheit für die Ukraine und für Russland. Sie riefen die russischen Diplomaten auf, ihren Dienst zu quittieren und mit der weißen Fahne oder mit der blau-weißen Fahne der Protestbewegung aus der Botschaft zu kommen. Sie skandierten in Russland verbotene Worte. Eine geplante Multimedia-Show konnte nicht stattfinden: Die Demonstranten, die einem unabhängigen Netzwerk angehören, wollten Bilder und Videos vom Krieg in der Ukraine auf die Wand der russischen Botschaft projizieren. Stefan Melle vom deutsch-russischen Austauschdienst hatte die Aktion zuvor mit der Aussage angedeutet: „Putin wirft Bomben, wir werfen Bilder.“

Für die Aktion hatten die Organisatoren zwei große Projektoren mitgebracht, deren Einsatz jedoch im Vorfeld nicht bei der Polizei angemeldet worden war. Die Polizei begleitete die Demonstration zunächst mit großer Zurückhaltung und Ruhe. Als die Beamten bemerkten, dass Bilder auf die Botschaft geworfen werden sollten, schritten sie ein und forderten die Aktivisten in ruhigem Ton auf, die Projektoren umgehend abzubauen. Die Projektion von in Russland verbotenen Kriegsbildern wäre von Moskau als diplomatische Provokation angesehen worden. Die Aktivisten leisteten den Anordnungen der Polizei Folge und zogen ab, weil eine Konfiszierung der Projektoren drohte. Später in der Nacht wurden die Bilder und Videos vom Krieg auf dem Bürogebäude von Gazprom und auf den Wänden der chinesischen Botschaft gesehen. Es ist nicht klar, ob diese Aktionen ebenfalls von der Gruppe Demokrati-JA ausgingen. Für Sonntag war eine ähnliche Aktion von der russischen Protestbewegung in Prag geplant.