Russische Truppen haben am Dienstag die ukrainische Hafenstadt Mariupol eingekreist und gleichzeitig der Ukraine den Zugang zum Asowschen Meer abgeschnitten. Das berichtet die türkische Zeitung Sabah unter Berufung auf einen Bericht der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass. In dem Bericht wird das russische Verteidigungsministerium als Quelle genannt.

Es ist nicht zu überprüfen, ob die russischen Angaben stimmen. Allerdings ist die Tatsache zu beachten, dass eine regierungsnahe Zeitung des Nato-Lands Türkei die Meldung bringt, ohne sie zu konterkarieren.

Die Streitkräfte der von Russland unterstützten Separatisten hätten laut Sabah die Grenzen der ukrainischen Provinz Donezk erreicht und sich den russischen Truppen angeschlossen. So zitiert die Nachrichtenagentur RIA das Ministerium.

Separatistische Kräfte in Donezk erklärten zuvor, sie hätten zwei Korridore für die Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol eingerichtet, ein Hinweis darauf, dass ein großer Angriff auf den wichtigen Hafen am Asowschen Meer unmittelbar bevorstehen könnte.

Mariupol wurde am Dienstag intensiv beschossen, wodurch die wichtige Stadt im Südosten der Ukraine ohne Strom blieb, da der Strom abgestellt wurde.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte, dass „die russische Armee am Dienstag Angriffe mit hochpräzisen Langstreckenwaffen vom Meer aus durchgeführt hat“, ohne das Zielgebiet anzugeben. Er sagte, dass in der Ukraine „zwei Flugplätze und drei Luftverteidigungsradare getroffen wurden“, und fügte hinzu, dass keine zivile Infrastruktur angegriffen wurde.

Eduard Basurin, ein Sprecher des Militärs der Separatisten, sagte am Dienstag, dass die zivile Bewegungssicherheit bis Mittwoch auf den Korridoren gewährleistet sei.

Mariupol, ein Industriezentrum, ist für Russland wegen seiner Wirtschaftskraft von Bedeutung, aber auch wegen seiner geografischen Lage, die es Russland ermöglicht, einen Landkorridor zwischen der Krim, der Donbass-Region und dem russischen Festland zu errichten. Dieser Landweg wird als das Hauptziel der russischen Streitkräfte angesehen.

Die türkische Zeitung Hürriyet gibt eine Einordnung der bisherigen Fortschritte der russischen Truppen, die der Meldung zu Mariupol eine gewisse Plausibilität verleihen. Der frühere US-Botschafter bei der Nato, Generalleutnant a.D. Douglas Lute, sagte der Zeitung. „Russland hat seine militärischen Kapazitäten noch nicht effizient aufgebaut. Wir stehen ganz am Anfang des Krieges. Die Russen machten zuerst Schritte, um die Städte zu erobern. Sie haben bevorzugt schwere Artillerie und Bomben eingesetzt, um Zivilisten zu erschrecken und zur Flucht zu zwingen. Sie haben versucht, die lokale Infrastruktur und Kommunikation zu zerstören. Putin hat, obwohl beide Seiten durch Verhandlungen erste Schritte aufeinander zu unternommen haben, noch eine Menge Karten, die er spielen kann.“