Russland soll China um Hilfe für den Angriffskrieg in der Ukraine gebeten haben. Moskau habe Peking sowohl um militärische Hilfe für den Krieg als auch um Unterstützung bei der Umgehung westlicher Sanktionen gebeten, berichten die New York Times und die Financial Times (FT) unter Berufung auf Washingtoner Regierungskreise.

Die FT zitiert eine anonyme US-Quelle: Demnach bereite sich die US-Regierung darauf vor, ihre Verbündeten zu warnen: Es gäbe Anzeichen, dass China sich möglicherweise darauf vorbereitet, Russland im Krieg aktiv zu unterstützen. Russland habe um Hilfe angefragt, da es angeblich bei einigen Waffengattungen Mangel an Nachschub gebe. Außerdem prüfe Peking Möglichkeiten, Russland bei der Umgehung der westlichen Sanktionen zu helfen.

Chris Johnson, ein ehemaliger Top-Analyst der CIA für China, sagte der FT, die russische Anfrage unterstreiche, dass die Beziehungen zwischen Russland und China so eng seien wie vor der chinesisch-sowjetischen Spaltung in den 1960er-Jahren nicht mehr. Johnson, der heute die politische Risikofirma China Strategies Group leitet, sagte weiter, China sei „als eindeutiger Seniorpartner in der Beziehung“ zu identifizieren. Getragen seien die chinesischen Anstrengungen von der Sorge, dass „Putin stürzen und ein seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion ungesehenes Chaos an ihrer nördlichen Grenze auslösen könnte“.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, bezeichnete den Bericht in der NYT als „Falschmeldung“. Er ging laut AFP allerdings nicht konkret auf die Angaben des Medienberichts ein und dementierte diesen auch nicht. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in Washington hatte zuvor bereits gesagt, er habe von besagtem russischen Hilfeersuchen „noch nie gehört“.

Peking hatte es wiederholt abgelehnt, Russland für den Krieg in der Ukraine zu verurteilen, hatte aber bisher jede aktive Unterstützung vermieden. Gleichzeitig hatte Peking seine Bereitschaft zum Vermitteln in dem Krieg signalisiert und versucht, sich als neutrale Macht zu positionieren.

Der Nationale Sicherheitsberater der US-Regierung, Jake Sullivan, warnte Peking am Sonntag, Washington würde „genau beobachten“, ob und wie China Russland unterstützt. „Wir sind darüber besorgt und haben Peking mitgeteilt, dass wir nicht tatenlos zusehen werden, wie irgendein Land Russland für seine Verluste durch die Wirtschaftssanktionen entschädigt“, sagte er bei CNN.

Sullivan sagte, er wolle zwar keine „Drohungen“ gegen den Rivalen China aussprechen, „aber wir teilen Peking direkt und unter vier Augen mit, dass die Umgehung von Sanktionen im großen Stil auf jeden Fall Konsequenzen haben wird“.

Das Weiße Haus hatte erst am Sonntagvormittag angekündigt, dass sich eine hochrangige US-Delegation am Montag in Rom mit einem chinesischen Spitzenbeamten treffen werde. Sullivan und der Chefdiplomat der Kommunistischen Partei Chinas, Yang Jiechi, „werden die laufenden Bemühungen zur Bewältigung des Wettbewerbs zwischen unseren beiden Ländern erörtern und die Auswirkungen von Russlands Krieg gegen die Ukraine auf die regionale und globale Sicherheit diskutieren“, erklärte eine Sprecherin. (mit AFP)