Während der Westen die aktuellen Erklärungen des russischen Präsidenten zur Ukraine scharf verurteilt und Sanktionen auf den Weg gebracht hat, gibt es aus anderen wichtigen Ländern differenzierte Reaktionen.

Indien beobachtet die jüngsten Entwicklungen entlang der Ostgrenze der Ukraine und Russlands Anerkennung der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhank „mit großer Sorge“, sagte Indiens Ständiger Vertreter bei den UN, TS Tirumurti. Indien verzichtete jedoch darauf, Moskaus Vorgehen zu kritisieren. Das berichtet die Zeitung The Hindu.

Zu Beginn der Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats am Montag rief Tirumurti die Konfliktparteien zu Zurückhaltung und diplomatischem Dialog auf. „Die unmittelbare Priorität ist die Deeskalation der Spannungen unter Berücksichtigung der legitimen Sicherheitsinteressen aller Länder mit dem Ziel, langfristigen Frieden und Stabilität in der Region und darüber hinaus zu sichern“, sagte Tirumurti. Er wiederholte damit die frühere Position von Neu-Delhi. Indien hatte entschieden, sich den westlichen Aufrufen zu Maßnahmen gegen Russland nicht anzuschließen. Im UN-Sicherheitsrat nannten Großbritannien, die USA, die europäischen Vertreter und Kenia die Entscheidung Russlands der Anerkennung einen Angriff auf die ukrainische Souveränität und kündigten Sanktionen und andere Maßnahmen an.

Vor allem die Erwähnung der Sicherheitsinteressen aller Länder wird als ein Zeichen der Unterstützung Russlands gewertet. Indien startete am Montag mit der Evakuierung seiner Staatsbürger aus der Ukraine.

Der israelische Außenminister Yair Lapid sagte laut Haaretz in einem TV-Interview, dass Israel sich zwar „traditionellerweise natürlich den Amerikanern anschließen“, in der aktuellen Krise jedoch vorsichtiger vorgehen müsse. Ein Grund seien die großen jüdischen Gemeinden in Russland und der Ukraine. Er fügte hinzu, dass „unsere Grenze zu Syrien in jeder Hinsicht eine Grenze zu Russland ist“. Bei einem Treffen mit amerikanischen jüdischen Repräsentanten hatte Lapid gesagt, dass er „wegen dieser Interessen vorsichtiger sein muss als jeder Außenminister der Welt“.

Israel koordiniert seine militärischen Aktivitäten in Syrien seit Jahren mit Russland, weil Russland den syrischen Luftraum kontrolliert. Außerdem leben in Israel etwa eine Million Menschen, die aus Russland und Ländern der ehemaligen Sowjetunion eingewandert sind.

Haaretz schreibt, die Aussagen von Lapid könnten dazu angetan sein, in Washington ein Stirnrunzeln auszulösen. Die Times of Israel bemerkt, dass der Westen uneinig darüber sei, ob in der Ost-Ukraine bereits eine Invasion stattgefunden habe, und zitiert einander widersprechende Einschätzungen des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell und der Regierungen Polens und Großbritanniens.

Venezuela ist als einer der wichtigsten Erdöl-Produzenten seit Jahren auf einem pro-russischen Kurs und hat starke wirtschaftliche und militärische Bindungen mit Russland. Erst vor wenigen Tagen hat Venezuela eine Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit mit Russland bekanntgegeben. Die Regierung Venezuelas unterstütze voll und ganz die Bemühungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Frieden in seinem Land und seiner Region zu schützen, sagte Präsident Nicolas Maduro in einer Erklärung, die am Dienstag vom Staatsfernsehen ausgestrahlt wurde. Maduro warf dem Westen laut dem türkischen Sender TRT vor, „Russland militärisch und strategisch zu umzingeln“. Er sagte: „Präsident Putin hat vor dem UN-Sicherheitsrat angeprangert, dass sie (die NATO) beabsichtigen, Russland zu umzingeln, und alle NATO-Waffen auf Russland gerichtet haben, um es anzugreifen und zu zerstören, sobald die Umstände günstig sind“, sagte Maduro. „Und was erwartet die Welt von Präsident Putin, dass er tatenlos zusieht und nicht zur Verteidigung seines Volkes handelt? Deshalb kündigt Venezuela seine volle Unterstützung für Präsident Wladimir Putin an.“ (BLZ)