NEUSTADT (DOSSE). Siegerin beim Bundeschampionat, Weltmeisterin, Wunderstute, Ausnahmepferd. So nennen Kenner des Pferdesports "Poetin", die Stute aus dem Landesgestüt Neustadt an der Dosse (Ostprignitz-Ruppin). "Poetin", so heißt es, war im wahrsten Sinne des Wortes ein Schatz. Denn die Stute war nicht nur eines der erfolgreichsten Pferde, sondern auch das teuerste Dressurpferd aller Zeiten. 2,5 Millionen wurden auf einer Auktion für das Pferd geboten, so viel wie noch nie. Das war vor fast genau zwei Jahren. Gestern wurde bekannt, "Poetin" ist tot. Das bekannteste Brandenburger Pferd und damit Zugpferd und Aushängeschild des Landesgestüts starb bereits am 12. Dezember in Frankreich an einer Krankheit.Punktrichter verzaubert1997 wurde "Poetin" in Neustadt an der Dosse geboren. "Es war ein tolles Pferd, konnte sich exzellent bewegen und war sehr gelehrig", sagt Uwe Müller, der stellvertretende Geschäftsführer des Landesgestüts, in dem derzeit 300 Pferde stehen. Schon mit drei Jahren habe "Poetin" das Bundeschampionat gewonnen und diesen Erfolg drei Jahr später wiederholt.Ebenfalls im Jahr 2003 dann die Sensation: "Poetin" verzauberte die Punktrichter bei der Weltmeisterschaft der sechsjährigen Dressurpferde in Verden an der Aller. 44 Pferde waren angetreten. "Poetin" gewann und verwies die amtierende Olympiasiegerin aus den Niederlanden auf Platz zwei.Wenig später wurde das Pferd vom Landesgestüt an Paul Schockemöhle, den dreimaligen Europameister im Springreiten, verkauft. "Wir müssen auch wirtschaftlich arbeiten", verteidigt Uwe Müller diesen Schritt. Doch bei Schockemöhle blieb "Poetin" nicht lange. Denn bereits Ende 2003 wurde das Pferd auf einer Auktion in Ankum bei Osnabrück für die Rekordsumme von 2,5 Millionen Euro an eine niederländische Dressurreiterin und deren Ehemann versteigern. Bis dahin galt der aus Bayern stammende "Lord Sinclair" als das teuerste Pferd der Welt. Für den Hengst waren 1997 auf einer Pferdeauktion etwa 1,4 Millionen Euro geboten worden."So ein Pferd wie ,Poetin' ist etwas Einmaliges", sagt Nachwuchs-Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen, dessen Frau 2003 zur Weltmeisterschaft im Sattel von "Poetin" saß. Meyer zu Strohen, der in Niedersachsen eine Reitschule betreibt, trainierte die Stute seit dem Jahr 2000. Er sagt, "Poetin" habe eine unwahrscheinliche Ausstrahlung gehabt. Reiterin und Pferd hätten das Idealbild abgegeben. "Wir haben nach der Versteigerung der Stute versucht, mit den neuen Eigentümern in Kontakt zu bleiben", sagt Meyer zu Strohen. Doch ohne Erfolg."Poetin" blieb allerdings nicht allzu lange bei den neuen Besitzern. Die Inhaber eines Gestüts in Holland sollen Bankrott gegangen sein. Die Stute aus Brandenburg gehörte zu den Tieren, die daraufhin zwangsversteigert werden mussten. Ein Franzose erhielt den Zuschlag für "Poetin" - und zahlte für das Pferd 900 000 Euro. Mit der Stute wollte der Mann in der Normandie ein Gestüt aufbauen. Das Vorhaben scheiterte, denn die "Poetin" erkrankte an Hufrehe, einer schweren Huf-Entzündung, und musste schließlich im Alter von nur acht Jahren eingeschläfert werden.Schreckliche NachrichtDie Nachricht vom Tod der erfolgreichen Stute traf Hans-Heinrich Meyer zu Strohen und dessen Frau wie ein Schlag. Es sei eine ganz schreckliche Nachricht gewesen, die sie da telefonisch erreichte, erinnert sich der Nachwuchs-Bundestrainer. Da sei dieses Gefühl gewesen, etwas ganz Kostbares verloren zu haben. "Man hat wohl nur ein einziges Mal im Leben das Glück, mit so einem Pferd arbeiten zu dürfen", sagt Hans-Heinrich Meyer zu Strohen.------------------------------Foto: Die Stute "Poetin" wurde mit Kathrin Meyer zu Strohen im Sattel unter anderem Weltmeisterin bei den sechsjährigen Dressurpferden.

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