Als wir uns im – in Theaterkreisen wohlbekannten – Restaurant Ganymed treffen, studiert Jochen Kowalski dort begeistert ein großes Gemälde mit Künstlern, auf dem er Walter Felsenstein, Max Reinhardt, Hanns Eisler erkennt. Aber auch er wird erkannt und angesprochen: auf der Straße, im Lokal und beim Fototermin vor dem Berliner Ensemble. „Sänger sind Geschmackssache“, sagt er, „wie schön, dass mich die Leute hier immer noch mögen.“

Herr Kowalski, wie sieht’s aus, heute schon gesungen?

Natürlich. Ich muss jeden Tag üben, und das tue ich morgens. Schließlich bin ich keine 25 mehr. Damals konnte ich es mir noch leisten, manchmal einen Tag auszusetzen. Aber seit ich 2003 mit meiner Gesangslehrerin Jutta Vulpius zusammenzuarbeiten begann, übe ich wieder täglich, außer am Sonntag. Täte ich das nicht, würde in mir das schlechte Gewissen kribbeln. Frau Kammersängerin Vulpius ist 86 Jahre alt und kann immer noch singen. Wenn ich sie dafür bewundere, sagt sie einfach: „Das können Sie auch, Jochen, wissen Sie, wenn Sie immer schön üben!“

Wie sieht es morgens bei Ihnen aus? Sie stehen auf, trinken ein Tässchen Pfefferminztee und dann geht’s los mit Mimimimimi und Mamamamama?

Um Gottes Willen, doch keinen Pfefferminztee! Nein, nein, ich führe ein ganz normales Leben. Ich trinke guten Berliner Kaffee aus einer tollen Rösterei zum Frühstück, dazu gibt’s Brötchen, Butter, Wurst aus der Metzgerei meines Bruders in Brandenburg und ein Ei. So richtig altdeutsch! Und danach geht’s los, mein ganzes vokales Exerzitien-Programm.

Wie lange dauert das denn? Und was sagen die Leute in Ihrem Haus dazu?

Es hat sich noch nie jemand beschwert, so weit ich weiß, auch nicht hinter meinem Rücken. Mein Pensum beträgt mindestens eine Stunde. Ich muss erst mal warm werden, dann mache ich eine Übung, muss das ein paar Minuten sacken lassen, dann kommt zehn Minuten lang die nächste Übung, wieder fünf Minuten Pause. Man muss eben genau wissen, wie man welche Phrase technisch singt und sie automatisieren, indem man sie dreißig, vierzig Mal wiederholt. Mir macht das Spaß. Es ist zwar Arbeit, aber schön, nicht stressig, nicht entfremdet – auch wenn ich manchmal verzweifelt bin, wenn etwas nicht so klappt wie gehofft. Denn die Stimme hängt auch von der Tagesverfassung ab, mal ist sie besser, mal schlechter. Was ich unbedingt brauche, sind acht bis zehn Stunden Schlaf. Zum guten Singen muss ich gut ausgeschlafen sein!

Sie sind wie ein Leistungssportler ständig im Training?

Ja, so kann man es vergleichen, die müssen ja auch immer dranbleiben. Als junger Mensch habe ich das mit dem Üben noch nicht ganz so genau genommen, weil die Stimme sicher saß und ich meine Partien immer gleich konnte. Man hat mir die Noten vorgelegt, und ich habe sie ganz schnell erlernt. Ich habe gar nicht gewusst, wie ich das mache. Aber dann kommt bei jedem der Moment, in dem das plötzlich nicht mehr geht. Das war bei mir wirklich von einem Tag auf den anderen so. Ich stand da und wusste nicht, wie mir geschah. Ich hatte völlig vergessen, wie ich es vorher geschafft hatte. Plötzlich waren alles Können, alle Sicherheit wie weggeblasen. Es war furchtbar. Ein paar Jahre lang hatte ich deswegen schlaflose Nächte. Das war kurz nach der Jahrtausendwende. Bald musste ich mich dann einer Stimmbandoperation unterziehen und erlitt überdies einen Schlaganfall. Im Nachhinein kommt es mir vor, als hätte sich da wirklich ein großer Zusammenbruch angekündigt. Und dann musste ich bei null anfangen und alles wieder neu erlernen. Schnee von gestern – gucken wir nach vorn!

Was tut man, wenn man vor einem Auftritt wirkliche Angst hat und nicht nur Lampenfieber? Oder wenn der Rachen ernsthaft entzündet ist?

Man macht in seiner Not dann einfach alles – Gebete zum Himmel schicken ebenso wie Rescue-Notfalltropfen nehmen, auch wenn man an nichts davon glaubt. Einmal in New York war mein Hals knallrot, als ich an der Met den Prinzen Orlofsky in Johann Strauß’ Operette „Die Fledermaus“ singen sollte, viele Jahre lang meine Paraderolle. Das war in der Zeit, als ich sehr viel durch die Weltgeschichte gereist bin und mich häufig im Flugzeug erkältet habe. Damals wusste ich noch nicht, dass ich mir unbedingt einen Mundschutz gegen die kalte Luft aus der Klimaanlage aufsetzen muss. Heute tue ich das immer, auch wenn es komisch aussieht, und wickle mir einen Kaschmirschal um den Hals. Ich will einfach nicht erkältet zum Beispiel in Tokio landen. Damals an der Met jedenfalls war eine Radioübertragung angesetzt – und kein Ersatz für mich da! Also ging ich zum hauseigenen Arzt, und der verpasste mir eine richtige Elefantenspritze, wodurch mein knallroter Hals innerhalb von zwei Stunden schmerzfrei und wie neu war. Was genau in dieser Spritze war, wusste niemand, nur gesund war es ganz bestimmt nicht.

Ich nahm ihr einfach den Ton ab und sang die hohen "fs"

Ihr ganzes Leben ist dem Wohlergehen Ihrer Stimmbänder untergeordnet – pardon, Ihrer Stimmlippen, wie es richtig heißen müsste?

Ja, alles hängt an diesen zwei unscheinbaren Dingerchen. Als Sänger ist man sein ganzes Leben lang immer auf der Suche nach dem richtigen Ton zur richtigen Zeit auf der richtigen Höhe! Deshalb bin ich eigentlich ein ganz langweiliger Mensch. Ich kann nicht viel quatschen, feiern sowieso nicht, fahre nach den Vorstellungen wie ein Beamter brav nach Hause oder ins Hotel. Nur im Urlaub ist es anders, aber bis ich mich auf das Dolce Vita umgestellt habe, ist es auch schon wieder fast vorbei. Und nach vierzehn Tagen fiebere ich ohnedies neuen Projekten entgegen. Insofern empfinde ich meinen Berufsalltag nicht als entbehrungsreich, mancher Verzicht gehört eben einfach dazu. Die Sängerin Christa Ludwig hat wohl eine ganze Woche lang nicht gesprochen, wenn sie eine große Partie zu singen hatte. Bei mir sind es bloß eineinhalb Tage, außer damals, als ich den Orpheus in Glucks „Orpheus und Eurydike“ sang. Da habe ich vorher drei Tage lang nichts mehr gesagt. Es ging einfach nicht! Reden beansprucht die Mittellage und damit die Substanz der Stimme. Deshalb habe ich dann nur per Zettel kommuniziert. Für meine Umwelt war das sicher nicht besonders angenehm.

Sie haben die Stimmlage des Countertenors, die man irrtümlich für die von Kastraten gehalten hat, ab Mitte der Achtzigerjahre in Deutschland populär gemacht und galten – großer, blonder, blauäugiger Mann mit glasklarer Frauenstimme – bald als Paradiesvogel. Fühlen Sie sich immer noch so?

Aber das war ich doch nie! Das haben immer nur die anderen über mich gesagt. Die heutigen Countertenöre dagegen sind eher Paradiesvögel, sie geben sich ganz anders, sind androgyn und gern schrill … Das wollte ich nie sein. Countertenöre sind für mich ganz normale Männer, deren Stimmen eben höher sind, basta.

Müssen Sie das heutzutage den Leuten noch erklären?

Andauernd! Außer vielleicht in Hamburg, wo ich schon 1985 an der Oper gastierte, wo man mich bis heute nicht vergessen hat, und wo ich mich wirklich wie zu Hause fühle. Aber sonst muss ich in jeder Talkshow erklären, was es mit meiner Stimme auf sich hat, und dass ich kein Kastrat bin, deshalb gehe ich da schon gar nicht mehr hin.

Wann und wie haben Sie entdeckt, dass Sie eine so besondere Stimme haben?

Ich bin bis heute kein ausdauernder Kantinenhocker und da höchstens hin und wieder als Student versackt. Einmal aber ist es mir passiert, was aber wirklich sein Gutes hatte, denn hätte ich damals nicht ein Bier mehr als sonst getrunken, hätte ich auch nicht einen ungewöhnlich hohen Spitzenton losgelassen und damit mein Potenzial unabsichtlich öffentlich gemacht. Das dritte Ostbier war daran schuld! Und dann kam ich einmal nach einer Kommilitonin in die Übungsstunde und hörte noch, wie sie die berühmte Arie des Orpheus – „Ach, ich habe sie verloren“ – nicht schaffte. Ich nahm ihr einfach den Ton ab und sang die hohen „fs“, die sonst nur Frauen singen. Sie konnte es nicht , und ich konnte es aus dem Stegreif. Aber das war bei mir schon als Kind so. Und dann ging es los mit mir und meiner Karriere. Ganz leicht war das natürlich nicht, denn den Begriff Countertenor kannte man in der DDR allerhöchstens in Barockmusik-Spezialistenkreisen.

Sie arbeiteten zuerst als Requisiteur an der Staatsoper Unter den Linden, ehe Sie sich ans Gesangsstudium trauten – und ein paar Jahre später standen Sie auf der Bühne der Wiener Staatsoper oder der Met …

… klingt ja nach einem ganz schlechten Sängerfilm, was?

Und war aber keiner. Wie haben Sie diesen kometenhaften Aufstieg verkraftet?

Ich habe ihn nicht so wahrgenommen. Ich wollte immer singen, nun konnte ich es tun, die Leute waren begeistert. Aber wir Berliner, und als solcher fühle ich mich, weil ich schon seit 1972 hier lebe, sind doch mit nichts zufrieden. Wir meckern doch immer! Wenn ich Aufnahmen mit mir sehe oder höre, bemerke ich nur die Fehler. Und zwar permanent, seit dreißig Jahren. Es gibt schon ein paar Sachen, da denke ich, okay, dit haste jut jemacht, Jochen, aber meistens finde ich es unerträglich. Außerdem bin ich halt nicht so mein Typ. Je größer der zeitliche Abstand zu den Aufnahmen ist, desto einfacher wird es für mich allerdings, dann kann ich sie leichter beurteilen. Doch eine Platte oder einen Film gleich nach der Fertigstellung abzunehmen, ist für mich furchtbar. Ähnlich geht es mir nach einer Aufführung: Wenn die Leute Bravo rufen, ist das schon schön. Aber ich selbst finde mich nicht immer so toll und denke mir, haben die Tomaten auf den Ohren? Und das ist keine Koketterie.

Wie gut war es für Sie, dass Sie in der DDR aufgewachsen sind und sich da künstlerisch entwickelt haben?

Das war ein unschätzbarer Vorteil. Nach meinem ersten öffentlichen Auftritt 1982 bei den Händel-Festspielen in Halle, wo ich fälschlicherweise als Jürgen Kowalski angekündigt wurde, hat mich Intendant Werner Rackwitz per Handschlag an die Komische Oper engagiert. Für eine sagenhafte Summe von 1 600 Ostmark Monatsgehalt. Das war viel! So kam ich an die Komische Oper, die man damals den „fünften Sektor“ von Berlin nannte, weil es dort quasi andere Regeln und Gesetze und eine andere Freiheit als im Rest der Republik gab. Und ich konnte als Anfänger gleich mit einem grandiosen Regisseur wie Harry Kupfer arbeiten. Seine Frau Marianne war meine erste Lehrerin im Fach Countertenor. Ich hatte ein festes Gehalt, ein festes Engagement und die Möglichkeit, bei wunderbaren Leuten zu lernen und mit ihnen zu arbeiten. Etwas Besseres gab es nicht, weder in der DDR noch vermutlich sonst wo! Von meinen Kollegen aus dem westlichen Ausland weiß ich, dass die gerade am Anfang ihrer Karriere oft ganz schön rudern und kämpfen und Ellbogen einsetzen mussten.

Sie hatten nie darüber nachgedacht, dass Sie im Westen vielleicht richtig groß herauskommen könnten?

Ich kam doch richtig groß raus, obwohl ich in der DDR blieb und auch bleiben wollte. Schon 1985 durfte ich zum ersten Mal in den Westen, an die Hamburgische Staatsoper, wo Harry Kupfer Händels „Belsazar“ inszenierte. Dort war der große Rolf Liebermann Intendant, und der hat auf mich aufgepasst wie ein Vater: „Kowalski“, sagte er, denn er war ein Gentleman der alten Schule und duzte meist in Kombination mit dem Nachnamen, „hau nicht ab, bleib’ nicht hier, die Agenten und Vermittler und Intendanten versprechen dir heute das Blaue vom Himmel, und wenn du morgen nicht mehr so funktionierst, wie sie wollen, lassen sie dich fallen. Ich kenne den Betrieb. Geh lieber wieder rüber!“ Ich habe ihm geglaubt und bin damit sehr gut gefahren.

Wie halten Sie’s denn heute selbst mit dem Duzen?

Da bin ich auch sehr zurückhaltend. Ich kann diese ganze Kumpanei am Theater nicht leiden. Ich habe sogar zu Harry Kupfer, mit dem ich wirklich viel gearbeitet habe, nie „du“ gesagt. Beim Duzen – nicht nur am Theater – verschwindet oft der Respekt vor dem anderen.

Intimität schafft Respektlosigkeit?

Ja, sie kann Respektlosigkeit mit sich bringen. Und ich möchte immer respektiert werden. Deswegen halte ich nichts vom wilden Duzen. „Sie Arschloch!“ klingt außerdem einfach besser, oder?

Aber es gibt durchaus Konstellationen, in denen das Duzen normal ist, wie in Paarbeziehungen. Sie waren nie verheiratet?

Nee.

Sie leben allein?

Als Künstler ist man zwangsläufig allein, das ist nun mal so.

Ich kann nur so singen, als wäre es zum ersten Mal

Ist das nun gut oder schlecht?

Manchmal gut und manchmal schlecht! Aber über private Sachen möchte ich hier eigentlich gar nicht sprechen.

Schade! Denn man weiß mehr über Ihre Essvorlieben – Fleischwaren aus dem brüderlichen Betrieb – als über Ihren Beziehungsstatus.

Das genügt doch! Mehr braucht auch keiner zu wissen. Man muss diese Dinge als Mensch, der viel in der Öffentlichkeit steht, trennen können. Irgendwo fängt schließlich auch mein eigenes Leben an. Und was meine Privatsphäre angeht, möchte ich von den Leuten in Ruhe gelassen werden.

Trotz Ihrer unglaublichen Karriere sind Sie sehr bodenständig und quasi ein Weltstar zum Anfassen geblieben. Wie geht das?

Ich bin kein Weltstar. Da sitzt Marlene Dietrich (zeigt auf das Gemälde an der Wand, auf dem sie mit abgebildet ist), die war ein Weltstar! Natürlich erkennen mich fremde Leute, wenn ich irgendwo unterwegs bin, das ist schön. Ich habe in vielen Fernsehproduktionen mitgewirkt, ob mit Weihnachtsliedern oder über Kirchen in Brandenburg, das macht natürlich bekannter als die Rolle des Orpheus, auch wenn die, glaube ich, niemand so oft gesungen hat wie ich. Über hundert Mal seit 1987! Glucks „Orpheus und Eurydike“, inszeniert von Harry Kupfer, war ein Kassenschlager in der Komischen Oper, lief bis 2001 und wurde bei unzähligen Gastspielen gezeigt.

Schleicht sich da irgendwann so etwas wie Routine ein?

Nicht bei mir! Ich kann nur so singen, als wäre es zum ersten Mal – und zum letzten Mal! Mein Berufsethos wurde an der Komischen Oper geprägt, und da stand man vor jedem Auftritt total unter Strom. Ich muss auch heute noch, wenn ich auf die Bühne gehe, alles geben und zu hundert Prozent eins sein mit dem, was ich tue, sonst könnte ich meine Rolle nicht gut singen und spielen. Eine ironische Brechung der Figur? Nicht mit mir. Diese Einstellung kostet mich natürlich extrem viel Kraft. In den zwei, drei Minuten, ehe ich auf die Bühne gehe, ist der Stress so groß, dass ich meinen Text nicht mehr weiß und keine Note. Aber wenn ich dann draußen stehe, ist zum Glück alles wieder da. Doch die Minuten vorher sind furchtbar, und die Nerven, die man da lässt, kann einem niemand bezahlen.

Beneiden Sie einen medial präsenten und weltweit gefeierten Tenor wie Jonas Kaufmann?

Ja, und zwar um die Partien, die er als Tenor singen kann, wie Richard Wagners Lohengrin. Den hätte ich auch immer gern gesungen, aber nicht in einer komischen pseudomodernen Inszenierung, sondern so richtig mit Schwan und Schwert. Ich mag Jonas Kaufmann, er sang auch an der Komischen Oper, als er noch nicht so bekannt war. Er hat nicht aufgegeben, obwohl er mal ziemlich unten war und ans Aufhören gedacht hatte. Solche Menschen schätze ich.

Kein Bedauern im Nachhinein, wenn Sie an so manche Westkarriere denken, bei der ein vielleicht kleines Talent enorm lukrativ vermarktet wurde?

Überhaupt nicht! Der Osten war und ist meine Heimat. Ich wollte auch nach der Maueröffnung nicht, dass der alte Osten zum neuen Westen wird, sondern ich wollte eine andere DDR haben. Deshalb sind wir damals auf die Straße gegangen. Nun ist es anders gekommen, und wir haben eine ehemalige FDJ-Sekretärin als Bundeskanzlerin. Aber so schlecht kann die FDJ nicht gewesen sein, ich war schließlich auch dabei. Und ich singe noch, und sie regiert noch.

Ihr neues Programm im Berliner Ensemble heißt „Pierrot sucht Lohengrin“ – erfüllen Sie sich damit Ihre Sehnsucht nach Wagners Schwanenritter?

Ja, und ich werde nicht nur den Lohengrin, sondern auch alle anderen Partien aus dieser Oper singen. Und die Gralserzählung wird ein Rap! Mein wunderbarer musikalischer Leiter Uwe Hilprecht und ich haben eine spezielle Fassung entwickelt. In Wagners eigenen Worten und mit seinen heute manchmal komisch klingenden Regieanweisungen erzähle ich die Geschichte von Elsa, von Lohengrin und den Schandtaten von Brabant.

Wie wird es mit einem bei allem künstlerischen Wert doch teuren und durchaus elitären Genre wie der Oper weitergehen?

Die Oper war ja, seit sie existiert, permanent in der Krise. Vielleicht gehört das zu ihr dazu. Die Intendanten, Komponisten, Sänger, Orchester sollen einfach gut arbeiten, dann kommt das Publikum schon.

Kurz gefragt und kurz geantwortet, bitte: Was ist Musik?

Eine heilige Kunst, um mit Hugo von Hofmannsthal zu sprechen, der diese Worte den Komponisten in „Ariadne auf Naxos“ sagen lässt. Man muss sie auch dementsprechend betreiben. Wir ausübenden Künstler sind ja bloß die Stellvertreter des Komponisten. Wir müssen ihn verteidigen und die Werke in seinem Sinne aufführen, nicht unseren privaten Müll drüberkippen. Die Noten, das Autografph sind unsere Bibel. Manchmal gelingt es besser, manchmal weniger, aber der Weg ist das Ziel, und man muss sich immer bemühen.

Interview Irene Bazinger