Weniger Ehrenamtliche in Sachsen-Anhalt: «Das Potenzial ist da»

Halle - In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der ehrenamtlichen Helfer zuletzt gesunken. Mit der tatsächlichen Bereitschaft zum Engagement habe das allerdings wenig zu tun, sagte Olaf Ebert, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (LAGFA), der Nachrichtenagentur dpa. Am Dienstag gibt es in Magdeburg eine Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung rund ums Ehrenamt.

Laut einer Studie im Auftrag der Bundesregierung engagierten sich 2009 in Sachsen-Anhalt 26 Prozent der Bürger ehrenamtlich und damit zehn Prozent weniger als im Bundesdurchschnitt. 2004 lag die Quote noch bei 30 Prozent. Die nächste Studie wird im kommenden Jahr erstellt. «Ich erwarte dann wieder bessere Zahlen», so Ebert. «In den vergangenen fünf Jahren ist viel passiert in diesem Bereich. Die Anreize zum Engagement haben zugenommen und auch die Anerkennung.»

Dennoch geben die Zahlen Ebert zu denken. Vor allem bei jungen Leuten ist das Engagement zwischen 2004 und 2009 zurückgegangen, von 30 auf 23 Prozent. «Den Jugendlichen steht im Vergleich zu früher deutlich weniger Zeit zur Verfügung. Wenn Schule und Ausbildung immer stärker verregelt werden und länger dauern, ist irgendwann keine Zeit für Engagement mehr da.» Auch Kürzungen in klassischen Bereichen wie Jugendclubs tragen demnach zu diesem Trend bei. «Die Infrastruktur für Engagement wird ausgedünnt.»

Zwischen Stadt und Land lassen sich laut Ebert keine großen Unterschiede feststellen. «In Städten ist das Engagement aufgrund der Anonymität und stärkeren Individualisierung aber traditionell etwas geringer.» Ausschlaggebend sei das soziale Gefüge. «Dort wo der Zusammenhalt groß ist, wo wir auch wirtschaftlich funktionierende Räume haben, da ist auch ein lebendiges Engagement.»

Raum für mehr Ehrenamt sieht Olaf Ebert vor allem bei bisher wenig engagierten Gruppen. «Engagement ist elitär, exklusiv, manchmal auch stark verschlossen.» So sei die Hilfsbereitschaft bei Gruppen wie Migranten, psychisch kranker oder behinderter Menschen teilweise sehr hoch. Es böten sich ihnen aber kaum Möglichkeiten.

Auch die zahlreichen spontanen Helfer beim Hochwasser hätten das nicht-genutzte Potenzial gezeigt, so Ebert. Davon wollen die Freiwilligen-Agenturen nun längerfristig zehren. Sie haben das Projekt «Die Samstags-Helfer» aus der Taufe gehoben: 200 Einrichtungen melden ihre Hilfegesuche, die Agenturen geben die Anfragen per SMS und E-Mail weiter. Die Helfer könnten dann von Fall zu Fall entscheiden, statt sich dauerhaft an ein Ehrenamt zu binden. «Ich hoffe, dass wir das Engagement so weiter festigen können.» (dpa/sa)