Der Vorstoß des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD), den Einsatz der Bereitschaftspolizei bei risikoarmen Fußballspielen zu reduzieren, ist in der Bundespolitik unterschiedlich aufgenommen worden. „Ich finde den Vorschlag interessant“, sagte die Obfrau der grünen Fraktion im Bundestags-Innenausschuss, Irene Mihalic, der Berliner Zeitung. „Denn es gibt ja auch Hinweise darauf, dass das Gewaltpotenzial dort etwas niedriger ist, wo die Polizei weniger massiv in Erscheinung tritt. Wo sie sich im Hintergrund hält, sind die Fans oft entspannter. Deshalb finde ich es auch okay, das mal zu probieren.“

Eine Reduzierung des Einsatzes der Bundespolizei sei jedoch kaum vorstellbar. Denn sie sei in erster Linie dort eingesetzt, wo Fans an- und abreisten. Die Bundespolizei schütze nicht nur sie, sondern auch Unbeteiligte. Das sei ihre Aufgabe. Mihalic hat als Polizistin in Nordrhein-Westfalen gearbeitet, bevor sie 2013 in den Bundestag einzog.

Union ist skeptisch

Der Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Bosbach (CDU), zeigte sich hingegen skeptisch. „Das ist ein Experiment nicht ohne Risiko“, erklärte er. „Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Man kann nur hoffen, dass kein Sicherheitsvakuum entsteht zulasten der Allgemeinheit.“ Der CDU-Politiker fuhr fort, in der Vergangenheit sei immer betont worden, dass der Polizeieinsatz zur Gefahrenabwehr notwendig sei. Jetzt werde erklärt, dass beim überwiegenden Teil der Spiele auf einen Teil der Präsenz verzichtet werden könne. Beides passe nicht zusammen. Insofern fehle ihm bis zur Stunde eine wirklich überzeugende Begründung.

Bosbach wies ähnlich wie Mihalic darauf hin, dass die An- und Abfahrtswege zum und vom Stadion die für die Sicherheit entscheidenden Orte seien. Dort komme es immer wieder zu Konfrontationen. Die Kostenbelastung sei hier in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dabei verzichte der Bund aus guten Gründen darauf, die Vereine oder die Liga an diesen Kosten zu beteiligen. Die Gewährleistung der Sicherheit sei eine originäre staatliche Pflicht.

Feldversuch über vier Spieltage

Wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte, wurden in der zurückliegenden Saison 2012/2013 insgesamt 110 954 Bundespolizisten zur Begleitung von Fans im Schienenverkehr eingesetzt; in der Saison davor waren es 97 688 gewesen. Dies entspreche einem Durchschnittswert von 2 134 Beamten pro Kalenderwoche. Der Spitzenwert habe 2013 bei 3 868 Beamten gelegen. Die Personalkosten hätten 2013 rund 27,8 Millionen Euro betragen – zuzüglich weiterer Personalaufwendungen wie Mehrarbeitsvergütungen und Zulagen für Dienste zu ungünstigen Zeiten. Hinzu kämen die Kosten für Führungs- und Einsatzmittel in Höhe von etwa 10,2 Millionen Euro.

Jäger hatte am Montag angekündigt, bei Spielen der ersten drei Ligen, bei denen es in der Vergangenheit nicht zu Ausschreitungen kam, den Einsatz der Bereitschaftspolizei herunterzufahren. „Wir wollen analysieren, ob dies ein Weg ist, zu weniger Polizeieinsätzen zu kommen“, sagte der SPD-Politiker. Der Feldversuch rund ums Stadion solle zunächst über vier Spieltage laufen.