Am 2. November wählen die US-Bürger ihren neuen Präsidenten. Der amtierende Präsident, George W. Bush, hatte vor vier Jahren die Wahlen gewonnen, obwohl sein Rivale, Al Gore, rund 500 000 Wählerstimmen mehr bekommen hatte. Wie ist so etwas möglich? In den USA wird der US-Präsident nicht direkt vom Volk gewählt, sondern durch ein Wahlmännergremium, das "Electoral College". Präsident für die nächsten vier Jahre wird derjenige, der mindestens 270 der insgesamt 538 Wahlmänner-Stimmen auf sich vereinigt. Jeder der 50 Bundesstaaten entsendet eine bestimmte Anzahl von Wahlmännern (und -frauen) in das Gremium, mindestens drei pro Staat. Wie viele Wahlmänner ein Staat darüber hinaus entsenden darf, hängt von seiner Einwohnerzahl ab. Nach der diesjährigen Volkszählung entfällt auf ca. 640 000 US-Bürger ein Wahlmann. In Bundesstaaten, in denen nur wenige Menschen leben, wie beispielsweise Alaska (628 000 Einwohner), wiegt daher eine Wählerstimme im Vergleich schwerer, als im dichtbesiedelten New York oder Kalifornien. Denn auch Alaska entsendet drei Wahlmänner ins "Electoral College". Erhält nun ein Kandidat in vielen schwächer besiedelten Bundesstaaten die Mehrheit der Stimmen, vereint er unter Umständen mehr Wahlmänner hinter sich, als jemand, der in den Ballungsregionen die Mehrheiten gewonnen hat. So kann es vorkommen, dass ein Mann Präsident wird, für den in Wirklichkeit gar nicht die Mehrheit der US-Bürger gestimmt hat. In der Geschichte der Vereinigten Staaten ist das schon viermal vorgekommen.Anders als bei uns, gilt in den USA das Mehrheitswahlrecht. Nur derjenige darf seine Wahlmänner in das "Electoral College" entsenden, der in einem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen gewonnen hat. In Deutschland hingegen wird das Parlament danach besetzt, wieviel Prozent der Stimmen die Parteien in der Wahl bekommen haben. Auch Parteien mit relativ wenigen Wählern, kommen so in den Bundestag. Wer allein oder zusammen mit einer anderen Partei die meisten Sitze hat, stellt den Bundeskanzler.------------------------------WÄHLEN IN DEN USA // Das Grundprinzip des "Electoral College" stammt aus dem Heiligen Römischen Reich (962-1806), als noch die Kurfürsten den König wählten. Es wurde 1789 von den Gründervätern der USA übernommen und wurde bis heute nicht verändert.Bei den ersten US-Präsidentschaftswahlen 1789 vertrat ein Wahlmann die Stimmen von etwa 30 000 US-Bürgern. Heute steht er für etwa 640 000 Stimmen.Bei den Wahlen im Jahr 2000 gewann Al Gore 547 864 Wählerstimmen mehr als George W. Bush. Auch in 42 der 50 größten US-Metropolen erreichte Gore die Mehrheit. Im "Electoral College" hatte Bush zum Schluss trotzdem fünf Wahlmänner mehr.Im Jahr 2000 beteiligten sich 45 Prozent der 150 Mio. US-Bürger an der Wahl. Dieses Jahr rechnet man mit etwa 55 Prozent.Der Kandidat, der in den elf größten Staaten siegt, hat die Wahl für sich entschieden.------------------------------Grafik: Das amerikanische Wahlsystem------------------------------Karte: So viele Wahlmänner entsenden die einzelnen Bundesstaaten