Am Sonntag will Gott zu Atem kommen" lautet der Titel des Debüt- und Dorfromans der 1972 geborenen Sünje Lewejohann. Das klingt sehr schön. Wie vieles sehr schön klingt in diesem Buch: Munk, das Dorf, liegt auf einer Landzunge, einer Sackgasse ins Meer, Munk ist ein Leib, der wispert, zischt und spuckt. Alles dreht sich um Asta: Asta sitzt im Schatten der Farne, Asta zieht in die Stadt, Asta wandert übers Eis, Asta kehrt zurück.Astas Geschichte ist von monströser Vitalität: Die eigenen Hände fühlen sich fremd an, die Haut wird durchscheinend, das Dorf dringt in den Körper ein, es knackt und knirscht: "Sie glaubt, einen Käfer im Kopf zu haben, er ist durch das Ohr hineingekrabbelt und macht in der Schädelhalle mit den Beinen Krach. Jetzt krabbelt er durch den Spalt hinaus. Auf Astas Kopf wächst wilder, heller Flaum, goldhell."So raunt es fort: schlicht gebaute Sätze und zahlreiche morbide Metaphern plus viele, viele Gedankenhüpfer - und allzu schnell fertig ist die schizophrene Schreibe. Es ist nämlich kein Zufall, dass Astas "Zwillingsschwester" Edda zu Anfang stirbt und wiederkehrt, als Asta verunglückt. Ähnlich untot wirkt auch der Roman selbst: Seine Andersheit wirkt ausgestellt, das psychopathologische Pathos, das das Kluge im Naiven, das Rätselhafte im Einfachen beschwört, lässt argwöhnen, dass die Autorin nichts zu erzählen hätte. Dem ist zwar nicht so. Doch ihre Geschichte bekommt kaum Luft zwischen all den blumig bedeutungsschweren Sätzen.Sünje Lewejohann: Am Sonntag will Gott zu Atem kommen. Dumont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2005; 177 S., 17,90 Euro.----