Der Besitzer eines Hauses wird bei Grundstücksarbeiten getötet, als der Ausleger eines Minibaggers ihn mit einer unkontrollierten Bewegung an die Garage schleudert. Sein Nachbar hatte ihm bei den Grundstücksarbeiten geholfen. Dieser saß im Bagger und hatte versehentlich den Schwenkhebel betätigt. Muss der Helfer für die Beerdigungskosten aufkommen? Das Oberlandesgericht Stuttgart entschied, dass der Nachbar stillschweigend von der Haftung ausgeschlossen war, zumal seine Haftpflichtversicherung derartige Arbeiten nicht abdeckt (Az. 13 U 223/07). Die Witwe musste nicht nur mit dem Verlust ihres Mannes fertig werden, sondern auch die Beerdigungskosten selbst tragen.Selten enden Missgeschicke so tragisch wie in diesem Fall. Doch immer stellt sich die Frage danach, wer für den Schaden aufkommt, der bei einer Gefälligkeit oder bei Nachbarschaftshilfe entsteht. Ob ein Umzugshelfer stolpert und einen Karton mit teuren Gläsern fallen lässt oder der Nachbar beim Blumengießen einen Wasserfleck auf dem wertvollen Teppich verursacht -grundsätzlich ist man für angerichtete Schäden verantwortlich und muss Schadenersatz zahlen.Damit der freundliche Helfer aber nicht immer der Dumme ist, gehen die Gerichte häufig -wie beim Minibagger-Unfall -von einer stillschweigenden Vereinbarung aus: Hätten die beteiligten Freunde vorher über einen möglichen Schadensfall gesprochen, wären sie sicherlich übereingekommen, dass der Helfer von der Haftung freigestellt ist und der Geschädigte eventuelle Kosten selbst übernimmt. Diesen "stillschweigenden Haftungsausschluss" nehmen die Gerichte dann an, wenn der helfende Freund lediglich leicht fahrlässig handelte und nicht etwa vorsätzlich oder grob fahrlässig. Die Haftpflichtversicherungen des Schädigers sehen den Ausschluss meist genauso und wollen nicht zahlen. Ein Helfer, der das nicht akzeptiert, muss seine Versicherung auf Deckung der Schadenssumme verklagen.Auf der sicheren Seite ist man daher mit einer Zusatzleistung der Privathaftpflichtversicherung, rät Hajo Köster, Berater beim Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg: "Zum kompletten Schutz gehört die Deckung von Schäden aus Gefälligkeitshandlungen." Eine Haftpflichtversicherung sollte ohnehin jeder abschließen. Es gibt sie mit einer Versicherungssumme von drei Millionen Euro für einen Jahresbeitrag von rund 60 Euro. Was die Zusatzleistung für Gefälligkeiten angeht, reicht eine weit niedrigere Grenze aus. "Mit einer Deckung bis 10 000 Euro je Schaden bei einer Selbstbeteiligung von 300 Euro ist man gut bedient", sagt der Experte.Um Streit unter Freunden zu vermeiden, sollte man bei unfallträchtigen Hilfsdiensten den Schadensfall von vornherein regeln. Wer mit teuren Antiquitäten umzieht oder einen Helfer fürs Verschweißen von Dachpappe sucht, wobei schon einmal das ganze Haus in Flammen aufgehen kann, sollte einen Zettel unterschreiben mit der Formulierung: "Helfer Schulz haftet nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit." Wenn ein Umzugshelfer einen 54 Kilogramm schweren Fernseher alleine die Treppe hochwuchtet (Az. 1 S 164/03), handelt er dabei genauso grob fahrlässig wie jemand, der ein brennendes Fondueset durch das Wohnzimmer trägt (Az. 20 U 16/01). Dann muss er selbst haften, oder seine Haftpflichtversicherung springt ein.Pech hat ein Geschädigter, wenn kleine Kinder Dummheiten anstellen. Unter sieben Jahren (im Straßenverkehr unter zehn) sind Kinder "nicht deliktfähig". Zerkratzt ein Fünfjähriger also geparkte Autos, obwohl die Eltern oder Nachbarn ab und zu nach dem Kind gesehen haben, bleiben die Autobesitzer auf dem Schaden sitzen. Wer nur kurz auf ältere, fremde Kinder aufpasst, etwa während die Mutter zum Einkaufen geht oder wenn der Sohn einen Schulfreund mit nach Hause nimmt, trägt weder Aufsichtspflicht noch Haftung, falls dem Kind etwas zustößt oder es einen Schaden anrichtet. Wenn man dagegen die Kinder tagelang beaufsichtigt oder in den Urlaub mitnimmt, übernimmt man auch die Verantwortung für ihren Unfug.------------------------------Foto: Ein Nachbar hilft mit schwerem Gerät beim Gartenumbau -eine heikle Angelegenheit sobald ein Unglück passiert.