Zwei Kinder rennen schreiend ins Haus Ziegelstraße Nr. 28: "Der Supermann ist da!" Vor dem kürzlich eröffneten Hostel hieven schwitzende Männer eine vier Meter hohe Statur vom Wagen. Dann steht sie im Innenhof und soll dem Hausherrn Glück bringen - auch wenn Supermann am Ende mit seinem Beton-Kopf in einer roten Farbblutlache im Boden steckt. Betreiber Ante Zelck strahlt. Nach "Mitte's Backpacker Hostel" in der Chausseestraße und dem "Baxpax" in der Skalitzer Straße feierte er mit Freunden Eröffnung seines mittlerweile dritten Hostels in Berlin.Das neue "Baxpax" ist für den fortgeschrittenen, anspruchsvollen Backpacker gedacht, erklärt der Marketingmann Lasse Walter. Die Lobby mit den violetten Kacheln und den weißen Sitzgarnituren wirkt eleganter als in üblichen Rucksack-Hotels. Angeboten werden neben Standardbetten ab 13 Euro im Acht-Bett-Zimmer auch komfortable Studioapartments für stolze 120 Euro pro Nacht. Für die WM zumindest ist das Budget von Rucksacktouristen dafür offenbar nicht zu knapp. Vorige Woche jedenfalls war das Haus ausgebucht und fast ausschließlich von schwedischen Fans belegt. Die Ausnahme bilden zwei Touristen aus dem Iran, die an der Bar Zeugen der beeindruckenden Trinkfestigkeit der skandinavischen Übermacht wurden.Zelck, der selber jahrelang die Welt mit Rucksack bereiste, hat neben dem Reisen noch eine andere Leidenschaft, und auch diese setzte er - einmal Macher, immer Macher - in eine Geschäftsidee um. Als Fan intensiver Partybesuche hat er in der Vergangenheit nicht nur viel gefeiert, sondern auch in kleinen Clubs wie dem Bohrer-Fielding oder dem Loveclub Partys organisiert. Jetzt schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe, im Keller des neuen Hostels befindet sich ein neuer Club. Bei der Hosteleröffnung wurde noch improvisiert, ein DJ legte Elektro- und Technoplatten auf. In Zukunft soll es auch Ska-, Reggae- und Funk-Abende geben, am liebsten mit Livebands, so Zelck. Allerdings solle der Club keinesfalls zur Backpackerfalle werden. "Natürlich wird sich das Publikum mit den Hostelgästen mischen, aber der Club soll eigenständig funktionieren." So findet man den Eingang zum Club separat neben dem Hotel.Drinnen wirken die drei Räume dank der bunten Lichtprojektionen warm, aber insgesamt noch recht aufgeräumt für Berliner Clubstandards. Der hintere, fürs Publikum noch nicht begehbare Raum ist der schönste. Hier fällt das letzte Tageslicht durch Fenster in der Decke auf ein paar weiße Betten zwischen betongrauen Wänden. Den Gebäudekomplex hat Ante Zelck renoviert vom Vorgänger übernommen. "Dem Club fehlt die Feinarbeit. Wir streichen noch mal drüber - alles muss lebendiger werden. Hier ist ja offiziell auch noch gar nicht eröffnet. Wir haben noch nicht mal einen richtigen Namen."Mit der Programmplanung steht man gerade am Anfang. Die Sonntage sind aber schon verplant. "Wenn die Hostelgäste Sonntagmittags auschecken, wird's richtig zur Sache gehen, dann starten hier für die Berliner After-Hour-Partys." Ante Zelck lächelt verschmitzt. Es besteht kein Zweifel, dass der Chef persönlich mitfeiern wird. Inzwischen verbringen DJs und Gäste die Abende schon mal auf der Dachterrasse und kucken via Leinwand - was sonst - WM.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.