Wenn man ein bisschen Nostalgie verträgt, ist der neue Schimanski-Krimi "Sünde" gar nicht schlecht: Die guten alten Achtziger

Manchmal, wenn das Älterwerden es gut mit einem meint, hat man das Gefühl, die Zeit ist stehen geblieben. Man denkt: Hat sich nicht viel verändert in den letzten zwanzig Jahren. Und fühlt sich jung. Spätabends vor dem Fernseher stellen sich solche Gefühle recht zuverlässig ein, weil die Sender dann die alten Sachen ausstrahlen, die vor zwei Jahrzehnten neu waren.Doch es gibt eine höhere Kunst der Zeitlosigkeit: Man kann im Jahr 2005 einen Film machen, der so aussieht, als sei er in den späten Achtzigern gedreht worden. Der Film heißt dann "Schimanski - Sünde", ist die dreizehnte Folge der Krimireihe mit Götz George, und er ist gar nicht schlecht. Wenn man ein bisschen Nostalgie verträgt.Irgendjemand im Filmteam muss sich sehr genaue Gedanken gemacht haben über die besondere Schimanski-Ästhetik. Über diese alte Bundesrepublik, in der Audis und BMWs aus der vorvorletzten Baureihe herumfahren, und in der am Straßenrand noch gelbe Telefonzellen stehen. Das ist das Schimanski-Land, und Götz George durchmisst es wieder in seinem alten Citroen CX, er sagt zu seiner Freundin "Mädchen" und ja, die alte Jacke trägt er selbstverständlich auch. Am Ende hat er ein paar Schrammen am Kopf und wieder ein paar Illusionen weniger. Manche Männer verwechseln das mit Weisheit."Sünde" ist Schimanski-Classic, und das ist die eigentliche Überraschung des Films. Knapp dreißig Mal hat sich Götz George zwischen 1981 und 1991 als "Tatort"-Kommissar durch die Geschichten gehechelt. Dann gab es eine lange Pause. Erst 1997 kehrte er als pensionierter Polizist zurück. In diesen Schimanski-Folgen war dann oft alles anders, bis zur Unverständlichkeit ambitionierte Drehbücher, bunter Autorenfilm mit Götz George. Die Quoten wurden schlechter, George in Interviews grantliger. Kürzlich fürchtete er sogar, dass "Sünde" sein letzter Fall sein könnte, zumindest glaubt er, dass die Programmverantwortlichen sehr genau auf die Zuschauerzahlen achten werden. Deshalb ist es vielleicht kein Zufall, dass "Sünde" so aussieht, wie ein Schimanski aus den guten alten Achtzigern. Was umso erstaunlicher ist, da der Berliner Manfred Stelzer, der Regie führte, noch nie einen Schimanski gedreht und noch nie mit Götz George gearbeitet hat.Die Geschichte des Films ist schnell erzählt, denn George hat wieder kein herausragendes Drehbuch bekommen. Ein spannendes aber immerhin: Schimanski kommt mit seinem Auto in einem Waldstück von der Straße ab und rast die Böschung zu einem Bach hinunter. Dort wird er von einem entflohenen Häftling gefunden und gerettet, von einem Mörder, der sich in einer Waldhütte versteckt.Schimanski wäre nicht Schimanski, wenn er nicht gleich an der Schuld dieses hilfsbereiten Mörders zweifeln würde. Der Mann soll seine untreue Ehefrau in einem Stundenhotel erstochen haben. Aber ist er nicht vielleicht für seinen 17-jährigen Sohn ins Gefängnis gegangen, den man damals auch blutbeschmiert und betrunken am Tatort fand? "Ich bin der Gärtner, der dafür sorgt, dass kein Gras über die Sache wächst", sagt Schimanski und rollt den alten Fall neu auf. Er findet David, den Sohn, der bei den Großeltern lebt. Er will ihn zu seinem Vater bringen, dem Ausbrecher, und kommt dabei auf eine ganz andere Spur. Schimanski macht viele Fehler, aber am Ende hat er Recht.Damit konnte man rechnen. Mit Sergej Moya nicht. Der Berliner Schüler spielt den Sohn David, den Jungen, mit dem Schimanski auf der Suche nach Gerechtigkeit durchs Land zieht. Er spielt einen 17-Jährigen, für den Männer wie Schimanski ein Klischee sind. Das lässt er ihn spüren, führt den Kommissar vor, analysiert ihn, macht sich lustig über diese Schimanski-Männer-Welt. Und sucht doch einen Vater. Irgendwann legt David dem kurzatmigen Schimanski den Arm auf die Schulter, so wie es sonst die Älteren bei den Jüngeren tun. Ein schöner Regieeinfall. "Kommen Sie, Herr Schimanski, das Leben geht weiter, bleiben'se heiter." Hat sich also doch etwas verändert in den letzten zwanzig Jahren. Aber so lässt es sich aushalten.------------------------------Schimanski: Sünde, So., 20.15 Uhr, ARD------------------------------Am Ende hat er ein paar Schrammen am Kopf und wieder ein paar Illusionen weniger.------------------------------Foto : Schimanski (Götz George) weiß nicht, was er mit David (Sergej Moya) machen soll. Der wird ihm das schon sagen.