Bundespräsident Johannes Rau behält seinen Amtssitz auf dem Gelände des Schlosses Bellevue. Wenn das Barockschloss im Großen Tiergarten von Sommer 2004 an saniert wird, bezieht Rau mit seinem engsten Mitarbeiterstab neue Arbeitsräume im knapp 300 Meter entfernten Bundespräsidialamt. In dem ovalen Gebäude werden mehrere Büros für Rau und etwa zehn Mitarbeiter eingerichtet, in denen der Bundespräsident den Alltagsgeschäften nachgehen kann. Das sehen die neuen Pläne des Präsidialamtes vor, nachdem das Schloss Schönhausen in Pankow wegen zu hoher Schadstoffbelastungen nicht mehr als Ausweichquartier für Rau infrage kommt. Für Staatsempfänge und große Veranstaltungen soll künftig das Kronprinzenpalais Unter den Linden genutzt werden. Dafür wird das Gebäude komplett renoviert und sämtliche Haustechnik erneuert. Geplant ist, Säle für repräsentative Zwecke beispielsweise Empfänge von Staats- und Ehrengästen herzurichten. Im Kronprinzenpalais wird es auch noch Arbeitszimmer für den Bundespräsidenten geben.Die Pläne des Präsidialamtes sollen in dieser Woche dem Haushaltsausschuss des Bundestages vorgestellt werden. Denn dieser muss für den Umbau des Kronprinzenpalais Geld bewilligen. Waren für das Schloss Schönhausen bislang etwa 2,45 Millionen Euro veranschlagt, sind für das Kronprinzenpalais nach derzeitigen Schätzungen etwa 5,5 Millionen Euro nötig. "Wir gehen davon aus, dass das Haus anschließend ein Repräsentationsgebäude der Bundesregierung bleibt", sagt die Haushaltsexpertin der Grünen im Bundestag, Franziska Eichstädt-Bohlig. Deshalb laufe jetzt alles auf diese Lösung hinaus. Verärgert sind die Mitglieder des Bundestages, dass ihnen das Gutachten zum Schloss Schönhausen erst in der vergangenen Woche vorgelegt wurde. Unter anderem hatten die Gutachter im Dachstuhl gesundheitsschädigende Holzschutzmittel festgestellt. Zudem sind zahlreiche Räume in dem Schloss mit giftigen Stoffen belastet. Rau hatte deshalb einen Umzug in das Schloss Schönhausen verworfen. Trotzdem bleibt der Terminplan für die Rekonstruktion des Schlosses Bellevue bestehen: Der Bundespräsident muss den Amtssitz im August 2004 verlassen. Bis 2006 soll das Gebäude für 9,5 Millionen Euro saniert werden.Sollten die Umbaupläne für das Kronprinzenpalais scheitern: Kleinere Empfänge für 20 bis 30 Personen könnten im Gästehaus des Auswärtigen Amtes in der Dahlemer Pacelliallee stattfinden, große Staatsempfänge im Schloss Charlottenburg. Das Kronprinzenpalais war bereits 1992/93 als Amtssitz des Bundespräsidenten im Gespräch. Damals waren dort auch Neubauten für die rund 150 Mitarbeiter des Präsidialamtes geplant. Das Projekt wurde unter anderem wegen zu hoher Grundstückspreise und wegen Sicherheitsbedenken aufgegeben. Aus Sicht des Präsidialamtes bestehen die Sicherheitsbedenken für die jetzige Nutzung des Gebäudes nicht. Möglich sei, das Gebäude durch Poller auf dem Gehweg zu schützen. Zeitweise könne es auch Straßensperrungen geben, hieß es im Präsidialamt.BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER, PAULUS PONIZAK Künftig muss das Staatsoberhaupt zwischen dem Bundespräsidialamt am Spreeweg (l. ) und dem Kronprinzenpalais Unter den Linden pendeln.