Im Prinzip: Jeder! In Deutschland kann sich jeder auf seiner Visitenkarte als Journalist, Publizist oder Schriftsteller titulieren, egal, ob er 300, einen oder gar keinen Artikel pro Jahr verfasst. Der Grund dafür steht im Grundgesetz. Artikel fünf garantiert, dass jeder seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei äußern kann. Dieses wichtige Recht darf nicht von einer akademischen oder anderen Berufsausbildung abhängig sein. Um wirklich Journalist zu werden, ist es natürlich ganz hilfreich, zu studieren, spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben und Kontakte zu knüpfen, zum Beispiel als freier Autor, Praktikant oder Volontär. Einen Presseausweis aber bekommt nur derjenige, der tatsächlich seinen Lebensunterhalt als Journalist verdient, zum Beispiel als fest angestellter Redakteur bei Redaktionen, Sendern oder Verlagen. Den Ausweis, mit dem man nebenbei umsonst in den Tierpark gehen kann und Rabatt beim Autokauf bekommt, stellen verschiedene Berufsverbände im Auftrag der Innenministerkonferenz der Länder aus. Freiberufler erhalten dieses grüne Kärtchen nur, wenn sie jährlich mit ihrem Steuerbescheid nachweisen, dass sie mehr als 50 Prozent ihres Einkommens mit journalistischer Arbeit bestreiten. Der Bundesfinanzhof hat schon 1971 genau festgelegt, wer als Journalist anerkannt wird und besondere Pauschalsätze für Betriebsausgaben oder bei der Umsatzsteuererklärung in Anspruch nehmen darf. Die Definition lautet: Journalisten befassen sich mit der Sammlung und Verarbeitung von Informationen des Tagesgeschehens. So ist das Finanzamt auch in dieser Frage die letzte Instanz. Torsten WahlIn den kommenden Monaten geben wir in dieser Serie Antworten auf interessante Fragen aus dem Medienbetrieb.