Wer im Personalgespräch Kritik oder Lohnkürzung fürchtet, darf oft eine Vertrauensperson mitnehmen: Aufforderung zum Reden

Wenn der Arbeitgeber zum Personalgespräch bittet, heißt das oft nichts Gutes. Häufig geht es bei diesen Anlässen darum, die Leistung des Mitarbeiters zu bewerten oder seine Position im Betrieb neu auszurichten. Wenn es vom Chef Kritik hagelt, stellt sich dem vorausschauenden Arbeitnehmer die Frage, ob er solchen Gesprächsaufforderungen folgen muss -und wenn ja, ob er eine Vertrauensperson als Verstärkung mitnehmen kann.Der Arbeitgeber hat ein Weisungs- oder Direktionsrecht, das es ihm gestattet, Personalgespräche anzuordnen und zu führen -jedenfalls dann, wenn sich die Gesprächsthemen um das Arbeits- und Ordnungsverhalten des Mitarbeiters drehen. Weigert sich der Arbeitnehmer zu einer solchen Aussprache zu erscheinen, kann dies nach einer Abmahnung sogar die außerordentliche Kündigung nach sich ziehen.Wenn der Mitarbeiter hingegen ein Personalgespräch ablehnt, in dem lediglich eine Vertragsänderung besprochen werden soll, die er längst abgelehnt hat, darf das vom Arbeitgeber nicht geahndet werden. Vorsicht ist geboten, wenn der Arbeitgeber neben der abgelehnten Vertragsänderung weitere, das Arbeitsverhältnis betreffende Themen auf die Agenda setzt. Das löst nämlich eine Teilnahmepflicht des Mitarbeiters aus. Sonst gilt: Da der Arbeitnehmer einer Absenkung von Arbeitsbedingungen in der Regel zustimmen muss, und sie vom Arbeitgeber rechtlich nur selten erzwungen werden kann, versucht mancher Unternehmer den Arbeitnehmer durch "sanften Druck" im Vier-Augen-Gespräch umzustimmen. Dem muss sich der Arbeitnehmer nicht aussetzen.Befürchtet ein Mitarbeiter, dass der Inhalt des Personalgesprächs kritisch wird, hat er sicher gern eine Vertrauensperson dabei, zum Beispiel ein Betriebsratsmitglied, das gegebenenfalls korrigierend eingreifen kann. Auch zu Beweiszwecken kann es ratsam sein, jemanden an seiner Seite zu haben -vor allem, wenn auch auf Arbeitgeberseite weitere Personen anwesend sind. Der Betriebsrat hat jedoch keinen Anspruch darauf, generell bei allen Personalgesprächen dabei zu sein. Das Teilnahmerecht hängt maßgeblich von den Inhalten ab, die besprochen werden sollen. Betreffen diese die im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) normierten Rechte des Betriebsrates, etwa sein Überwachungs-, Anhörungs- und Erörterungs- oder sein Informationsrecht bezüglich der Personalplanung, darf er den Mitarbeiter begleiten.Überwachungsrechte und -pflichten hat der Betriebsrat etwa bei Arbeitsschutzfragen, bei der Eingliederung Schwerbehinderter und bei der Problematik, ob Frauen im Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen benachteiligt werden. Das Anhörungs- und Erörterungsrecht greift bei der Berechnung des Arbeitsentgelts, der Beurteilung der Leistungen eines Arbeitnehmers oder der Erörterung der Möglichkeiten seiner beruflichen Entwicklung im Betrieb.In der Praxis geht es in Personalgesprächen häufig um den Abschluss eines Aufhebungsvertrags. Hier darf der Arbeitnehmer kein Betriebsratsmitglied mitnehmen, kann jedoch versuchen, noch einen weiteren, den Betriebsrat betreffenden Gesprächsinhalt mit ins Spiel zu bringen, indem er beispielsweise den Wunsch nach Beurteilung seiner Leistungen anmeldet. So sichert er sich seinen "Begleitschutz". Die Autorin ist Rechtsanwältin in der Kanzlei Dr. Jula und Partner im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Sie ist Fachanwältin für Arbeitsrecht.www.jula-partner.de------------------------------Foto: Eine Einladung zum Personalgespräch sollten Arbeitnehmer nicht ablehnen.