In der Regel sehen die meisten Küchen blitzblank aus. Doch trotz regelmäßigen Putzens wimmelt es dort nur so an Mikroorganismen. Besonders im Kühlschrank vermuten wahrscheinlich die wenigsten Menschen ein Keimparadies, bekanntlich werden Lebensmittel ja im Kühlschrank aufbewahrt, damit sie länger frisch bleiben. Zwar pflanzen sich Bakterien in der Kälte nicht so schnell fort wie bei warmen 25 Grad Celsius, dennoch können sie sich auch bei unter sieben Grad Celsius immer noch vermehren.Ein zu warmer Kühlschrank ist ein Paradies für Bakterien, denn ab sieben Grad Celsius vermehren sich manche Keime explosionsartig. Wissenschaftler der Universität von Arizona haben in Kühlschränken im Schnitt rund 11,4 Millionen Bakterien pro Quadratzentimeter entdeckt. Im Vergleich dazu wirken die 10000 auf dem Küchenfußboden oder die gerade mal 100 Keime auf der Toilette fast harmlos.Experten raten daher, die Temperatur des Kühlschranks regelmäßig zu prüfen: Sie sollte in keinem Fall sieben Grad übersteigen. Viele Kühlschränke haben ein Warnsystem, das bei einer Temperaturstörung Alarm schlägt. Zudem kann ein extra Thermometer in den Kühlschrank gelegt werden, um einen zusätzlichen Kontrollwert zu haben. Viele Verbraucher glauben, je kälter ein Kühlschrank, desto besser für die Lebensmittel, doch ist der Kühlschrank extrem kalt, kann es zu einem Gefrieren der Rückwand kommen, wobei häufig auch die Lebensmittel in unmittelbarer Nähe gefrieren können -tauen die Lebensmittel wieder auf, kann dies wiederum zum Verderben führen.Kälteresistente KeimeAuch wenn der Kühlschrank bei tiefen Temperaturen vielen Keimen den Garaus macht, sind gefährliche Krankheitserreger wie Salmonellen und Campylobacter in der Lage, längere Kälteperioden zu überdauern. Befallene Lebensmittel -etwa Hähnchenkeulen, die im Auftauwasser im Kühlschrank aufbewahrt werden -sind dann wahre Keimschleudern. Die Keime können leicht auf benachbarte Lebensmittel übergreifen. Da sich eine Salmonellenkontamination aber weder am Geruch noch am Aussehen erkennen lässt, sollten leicht verderbliche Nahrungsmittel schnell gekühlt und verzehrt werden. Kommt es doch mal zum Verzehr verdorbener Lebensmittel, reichen die Folgen von leichtem Unwohlsein bis hin zu schweren Vergiftungen. Als Hauptübertragungsquelle für Salmonellen gelten rohes Fleisch, Speiseeis, Eier und daraus hergestellte Speisen wie Mayonnaise und Zabaione. Das Risiko einer Infektion kann durch die richtige Aufbewahrung der Lebensmittel verringert werden. Schon beim Einkaufen sollte man darauf achten, die Lebensmittel kalt zu halten. Tiefgefrorenes sollte immer zuletzt gekauft und in einer Kühltasche transportiert werden. Auch rohes Fleisch, Wurst und rohen Fisch möglichst in der Kühltasche nach Hause transportieren, das gilt vor allem für den Sommer. Experten raten außerdem, die vorgesehenen Fächer im Kühlschrank optimal zu nutzen. Beispielsweise gehören in die unteren beiden Schubfächer Obst und Gemüse -und zwar getrennt. Auf der unteren Glasplatte hält sich Leichtverderbliches wie Fleisch, Fisch und Wurst am längsten. In der Kühlschranktür sind alle Produkte gut aufgehoben, die nur leicht gekühlt werden müssen: Eier, Butter, Trinkmilch, Konfitüre, Fertigsaucen, Tuben und Getränke. Exotische Früchte, wie Ananas, Mango oder Bananen, gehören dagegen nicht in den Kühlschrank. Auch Gurken und Tomaten (stark wasserhaltig) oder Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch bekommt die Kälte nicht. Und Brot kann im Kühlschrank schnell austrocknen und altbacken werden.So genannte Kühlhausbakterien fühlen sich allerdings auch in der Kälte wohl. Zu ihnen zählen Mikroben wie Yersinien und Listerien. Um sich davor zu schützen, sollte der Kühlschrank regelmäßig abgetaut und mindestens einmal im Monat gereinigt werden. Am besten eignet sich eine regelmäßige Reinigung mit heißem Essigwasser, um die Keime weitmöglichst zu reduzieren.Keine automatische ReinigungDas Bundesinstitut für Risikoforschung (BfR) empfiehlt, auch Kühlschränke mit antibakterieller Innenraumbeschichtung regelmäßig mit Wasser und herkömmlichen Reinigungsmitteln zu säubern. Das Institut hat bereits vor einigen Jahren die hygienische Wirkung sowie den Nutzen der antibakteriellen Beschichtungen bewertet. Für diese werden vorwiegend Silberverbindungen verwendet, freigesetzte Silberionen sollen hierbei das Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen hemmen.Die antibakterielle Wirkung von Silber ist seit Urzeiten bekannt. Schon die alten Ägypter benutzten Silbergefäße, um Wasser oder andere Flüssigkeiten länger aufbewahren zu können. Doch weder das BfR noch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) haben bisher einen wissenschaftlichen Beweis für diese Wirkung im Kühlschrank finden können. Mit einem Gesundheitsrisiko durch die Silberbeschichtung ist aus heutiger Kenntnis aber auch nicht zu rechnen.Antibakteriell beschichtete Kühlschränke sind keine selbstreinigenden Geräte. Auch die Hersteller weisen ihre Kunden daraufhin, dass man sich nach wie vor selbst um die Sauberkeit der Einlegeböden und Behälter kümmern muss.So kann guten Gewissens geputzt werden. Ein sauber gehaltener Kühlschrank verringert die Gefahr von Lebensmittelvergiftungen beträchtlich. Eine Untersuchung zu Infektionsausbrüchen am Robert Koch Institut Berlin hat gezeigt, dass mehr als 70 Prozent der Lebensmittelinfektionen im Haushalt erworben werden und nicht, wie angenommen, in öffentlichen Einrichtungen wie Restaurants oder Cafés.------------------------------So schützt man sich am besten vor den KeimenKeimschleuder SpülschwammBakterien fühlen sich dort so richtig wohl, wo es warm und feucht ist. Deshalb bieten Spülschwämme und Lappen die perfekte Umgebung für Keime. Bis zu vier Millionen Mikroorganismen pressten Forscher schon aus Spüllappen. Wird dieser Lappen dann zur Reinigung von Arbeitsflächen oder für den Kühlschrank benutzt, verteilen sich die Mikroben überall. So gelangen die Keime auch ins Essen. Mit einfachen Mitteln kann man aber den Mikroben zu Leibe rücken: Hängen Sie Spüllappen nach dem Gebrauch über den Wasserhahn, so trocknen sie schneller. Wechseln Sie außerdem Schwämme und Lappen regelmäßig und reiben Sie feuchte Oberflächen immer mit einem trockenen Tuch nach.Tausende Bakterien besiedeln das SchneidebrettAuch auf Schneidebrettern tummeln sich die Keime: Auf zehn Quadratzentimetern leben rund 85000 davon, fand ein Forscherteam vom Institut für Lebensmittelwissenschaft der Universität Hannover heraus. Vor allem ältere Haushaltsbretter sind belastet: In ihren kleinen Spalten und Rillen setzen sich die Mikroben fest. Ein weiteres Problem: Holzbretter sind nicht geeignet für die Spülmaschine, in der heißes Wasser die Keime abtötet. Einige professionelle Köche glauben auch, dass Holzbretter schneller verunreinigen. Andererseits zeigten Untersuchungen, dass gerade auf Holz weniger Bakterien leben, weil es durch die raue Struktur schneller trocknet als Kunststoff. Dennoch: Je mehr Rillen ein Schneidebrett besitzt, desto leichter können dort Bakterien eindringen und sich vermehren -egal aus welchem Material es besteht. Daher ist es ratsam, alte Schneidebretter auszumustern. Zudem empfehlen Fachleute, ein Brett für Fleisch und ein anderes für Obst und Gemüse zu benutzen. In jedem Fall sollten die Schneideflächen möglichst trocken gehalten werden.Vorsorgemaßnahmen gegen SalmonelloseNach Meinung von Fachleuten gehen Salmonellosen zu 80 Prozent auf den falschen Umgang mit Lebensmitteln zurück. Im Kühlschrank sollten alle Lebensmittel, die als Träger von Salmonellen infrage kommen, separat von anderen Lebensmitteln aufbewahrt werden. Falls man tiefgefrorenes Fleisch auftaut -nicht bei Raumtemperatur, sondern nur im Kühlschrank -sollte man sicherstellen, dass kein Tauwasser mit anderen Lebensmitteln in Berührung kommen kann. Alle Gegenstände, die mit möglicherweise salmonellenbehafteten Speisen in Berührung gekommen sind (beispielsweise Schneidebretter, Messer, Tischoberfläche etc.), müssen mit heißem Wasser und Spülmittel gründlich gereinigt werden, bevor man sie wieder verwendet. Es empfiehlt sich auch, die Hände nach dem Umgang mit Eiern oder rohem Fleisch sofort zu waschen. Und: Fleisch sollte immer durchgebraten werden.CampylobacterCampylobacter sind im Darmkanal von Säugetieren und besonders von Vögeln weit verbreitet. Dabei erkranken die Tiere in der Regel nicht. Nach bisherigen Kenntnissen infiziert sich der Mensch vorzugsweise durch Verzehr von kontaminierten, vom Tier stammen- den Lebensmitteln. Etwa 40 Prozent der Erkrankungen werden durch unzureichend erhitzte oder etwa durch Auftauwasser verseuchte Geflügelprodukte -nicht aber durch Eier -verursacht. Weitere Infektionsquellen sind nicht pasteurisierte Milch, kontaminiertes, nicht gechlortes Trinkwasser, der Verzehr von rohem Hackfleisch sowie der Kontakt zu Heimtieren.ListerienListerien sind stäbchenförmige Bakterien. Sie kommen sowohl im Wasser als auch im Boden vor. Auch viele Tiere tragen Listerien in sich. Die normale Übertragung der Listerien erfolgt über die Nahrung. Die meisten Menschen infizieren sich mit Listerien, wenn sie verseuchte Lebensmittel essen. Das kann Fleisch sein, Getreide, Gemüse oder Obst. Anstecken kann man sich aber auch, wenn man Tiere berührt oder mit bloßen Händen im Erdboden gräbt.Tipps gegen Geruch im KühlschrankRiecht es im Kühlschrank, hilft eine gründliche Reinigung mit Essigessenz im Putzwasser.------------------------------Foto: Ideal für Keimherde: Rillen auf Schneidebrettern.------------------------------Foto: Damit Lebensmittel länger frisch bleiben, lagern sie im Kühlschrank. Doch auch hier fühlen sich viele Keime wohl -manche von ihnen sind sogar kälteresistent.