Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine große Koalition von CDU/CSU und SPD nach der Bundestagswahl ins Gespräch gebracht. Ein Bündnis der beiden Volksparteien strebe zwar „nun wirklich niemand an“, sagte Merkel in einem Interview, setzte aber hinzu: „Ich habe einmal eine große Koalition geführt, so dass ich völlig unglaubwürdig wäre, wenn ich sie ausschlösse.“ Der Koalitionspartner FDP reagierte verärgert. Während führende SPD-Politiker ihr Nein zum Bündnis mit der Union bekräftigten, gab es in den hinteren Reihen aber Äußerungen in diese Richtung.

Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Merkel: „Ich möchte die christlich-liberale Koalition fortsetzen.“ Deren Bilanz könne sich „wahrlich sehen lassen“. Union und FDP hätten gute Chancen auf eine erneute Mehrheit, aber es werde wie so oft bei Bundestagswahlen sehr knapp.

Die Spekulationen in der Union zeigen FDP-Generalsekretär Patrick Döring, wer die Fortsetzung der heutige Koalition wolle, müsse FDP wählen. Wenn es für sie nicht reiche, könne die SPD den Preis für eine große Koalition hochtreiben, weil sie als Alternative Rot-Rot-Grün habe.

„Wir können unseren Wählern nicht sagen, wenn Rot-Grün nicht klappt, gehen wir auf jeden Fall in die Opposition“, forderte der Generalsekretär der hessischen SPD, Michael Roth. Strategische Optionen einzuschränken, sei immer schlecht für eine Partei. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels nannte eine große Koalition die letzte aller Möglichkeiten. Aber unter demokratischen Parteien dürfe man kein Bündnis ausschließen. Ähnlich äußerte sich SPD-Finanzpolitiker Lothar Binding.

Ablehnend, aber nicht ausgeschlossen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bekräftigte die Ablehnung der großen Koalition: Der weit überwiegende Teil der Mitglieder und Mandatsträger wolle keine Neuauflage. Führende SPD-Politiker haben immer wieder ein solches Bündnis abgelehnt. Ausdrücklich ausgeschlossen hat die Partei in ihrem Wahlprogramm jedoch nur ein Zusammengehen mit der Linken.

Im Magazin Der Spiegel forderten der grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit und der Politikwissenschaftler Claus Leggewie die Grünen auf, sich aus der Fixierung auf Rot-Grün zu lösen. Nur ein Wunder könne diese Wunschkoalition noch ermöglichen. Als Alternative schlagen die beiden eine Koalition mit CDU und CSU vor. Sie könne die Energiewende voranbringen und Bürgerautonomie fördern.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck sagte dagegen der Berliner Zeitung: „Wir haben ein Wahlziel, kein Ersatzziel. Wir kämpfen für starke Grüne in einer rot-grünen Mehrheit. Punkt.“ (mit gey.)