Nicht bei jedem guten Geschäft hält das Finanzamt die Hand auf: Wer die alten Möbel von der Oma über das Internet versteigert oder sein Auto über eine Kleinanzeige für mehr Geld verkauft, als er einst bezahlte, kann den Erlös getrost einstecken. In der Regel gönnt der Fiskus den Privatverkäufern ihren Gewinn. Jedoch nicht immer. Manchmal wird ein passionierter Hobby-Händler unvermittelt zum Gewerbetreibenden oder der Verkauf eines alten Gemäldes zum Spekulationsgeschäft. Die Grenzen zwischen Privatverkauf und Gewerbe sind oft nur schwer zu ziehen.Beispiel Internet: Ab wie viel Auktionen gilt ein Ebay-Nutzer als Gewerbetreibender? Und wie oft darf er ersteigerte Sachen gleich weiter verkaufen, ohne als Händler der Steuerfahndung aufzufallen? Ein weiterer Fall für das Finanzamt sind Spekulationsgeschäfte mit Wertgegenständen wie Münzen, antiken Möbeln oder Gemälden. Doch ab wann gilt ein alter Schrank als antik, ein Bild als wertvoll?Wer sich nicht sicher ist, ob seine regel- mäßigen Ebay-Verkäufe noch legal sind oder für den Weiterverkauf eines Ölgemäldes Steuern anfallen, sollte beim Finanzamt nachfragen. An die schriftliche Antwort sind die Sachbearbeiter dann auch gebunden.------------------------------FINANZAMTGEBRAUCHSGEGENSTÄNDEDer Verkauf von Gebrauchsgegenständen muss nicht versteuert werden. Damit gemeint sind Wirtschaftsgüter des "täglichen Gebrauchs", die zur privaten Verwendung angeschafft wurden, wie Kleidung, Möbel und Autos.SPEKULATIONSGESCHÄFTEBei antiken Möbeln, Gemälden, Münzen, Plastiken und anderen Sammlerstücken handelt es sich in der Regel um Wertgegenstände. Beträgt der Zeitraum zwischen deren Anschaffung und Veräußerung weniger als ein Jahr, so muss vom Gewinn Einkommensteuer bezahlt werden (§ 23 Abs. 1 Nr. 2 Einkommensteuergesetz).Gewinn: Das ist der Differenzbetrag zwischen den Anschaffungskosten des Gegenstands und dem Verkaufserlös. Zusätzlich können ebenso die Ver- äußerungskosten, also die Spesen, abgezogen werden.Freigrenze: Der Gewinn muss allerdings nur versteuert werden, wenn er - zusammen mit weiteren Veräußerungsgeschäften des Jahres - mehr als 512 Euro beträgt.INTERNETVERKAUFWer nur gelegentlich als Käufer und Verkäufer bei Ebay oder anderen Internetauktionen in Erscheinung tritt, hat nichts zu befürchten. Wenn man dort jedoch regelmäßig Dinge kauft und verkauft, könnte das Finanzamt der Meinung sein, dass es sich dabei um eine nachhaltige Betätigung handelt, "die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt" (§15 Abs. 2 EstG).Sammler: Wer Briefmarken, Schallplatten oder ähnliche Sammlerstücke ständig an- und wieder verkauft, gilt nicht als Gewerbetreibender. Der Sammler möchte schließlich nicht Gewinn erzielen, sondern lediglich seine Sammlung ausbauen.Einkommensteuer: Wenn man wiederholt An- und Verkäufe tätigt und daraus Gewinne erzielt, kann schon ab dem ersten Geschäft eine gewerbliche Betätigung vor- liegen. Dann sind die erzielten Gewinne steuerpflichtig - unabhängig davon, wie lang der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung ist und ob es sich um Gebrauchs- oder Wertgegenstände handelt. Außerdem entfällt die Freigrenze von 512 Euro, so dass man gegebenenfalls auch niedrigere Gewinne versteuern müsste.Umsatzsteuerpflicht: Darüber hinaus können die An- und Verkäufe auch zur Umsatzsteuerpflicht führen. Dies gilt insbesondere, wenn die Gegenstän-de nicht zum eigenen persönlichen Bedarf, sondern zum Zwecke des baldigen Verkaufs angeschafft wurden. Dann verhält man sich wie ein Händler am Markt. Bereits wenige Verkaufsgeschäfte machen den Ebayer zum Unternehmer.Umsatzgrenze: Umsatzsteuer fällt allerdings nur dann an, wenn die Einnahmen aus den Verkäufen und weiteren unternehmerischen Betätigungen die Kleinunternehmergrenze des § 19 Abs. 1 UStG von 17 500 Euro jährlich überschreiten.Ausweis: Bei Internetverkäufen wird die Mehrwertsteuer in der Regel nicht extra ausgewiesen. Sie wird dann nachträglich aus dem Bruttoverkaufspreis herausgerechnet: 13,79%, wenn normalerweise 16% fällig sind, oder 6,54% statt 7%.Auskunftspflicht: Die Betreiber von Internetauktionen sind gegenüber der Steuerfahndung auskunftspflichtig. Sie müssen in einem eingeleiteten Verfahren auf Anfrage die Identität der Verkäufer offen legen.Kontrolle: Das Finanzministerium durchsucht mit der Suchmaschine X-Pider das Internet. Der Web-Crawler durchforstet Verkaufsplattformen, stellt Querverbindungen zwischen An- und Verkäufen her und gleicht diese etwa mit dem Handelsregister oder internen Datenbanken des Bundesamtes für Finanzen ab. Verdachtsfälle geben sie an die Berliner Steuerfahnder weiter. Die bekommen aber auch Hinweise von anderen Ebay-Nutzern oder suchen selbst im Internet nach auffälligen Verkäufern.------------------------------Foto (2): Teurer Straßenverkauf. Wer ein Schild mit Verkaufspreis und Telefonnummer in sein Auto hängt, sollte dafür sorgen, dass es nicht tagelang an einer Stelle steht. Es ist verboten, sein Auto in bestimmten Straßen nur deswegen abzustellen, damit es von potenziellen Käufern entdeckt wird, wie etwa am Wilhelmsruher Damm in Reinickendorf oder in der Berliner Straße in Hermsdorf. Laut Paragraf 11 des Berliner Straßengesetzes gilt dies als "unerlaubte Sondernutzung öffentlichen Straßenlandes" und wird mit Bußgeldern in zwei- bis dreistelliger Höhe geahndet.Drei, zwei, eins - meins? Das Finanzamt zählt mit.