Wer sein Gehalt mit einem Zweitjob aufbessern will, muss dabei einiges beachten: Regeln für Hinzuverdiener

Die Zeit der prall gefüllten Lohntüten, saftiger Prämien, von Urlaubs- und Weihnachtsgeld ist für normale Arbeitnehmer passé. Derzeit müssen viele Arbeitgeber um das Überleben ihres Unternehmens kämpfen -und versuchen zum Beispiel über den Abbau von Personalkosten zu sparen. Die Arbeitnehmer wiederum sind wegen der gleichzeitig steigenden Lebenshaltungskosten gezwungen, sich per Zweit-Job etwas dazu zu verdienen. Natürlich gibt es auch die glücklichen Doppeljobber, die aus Spaß an der beruflichen Herausforderung einer Nebentätigkeit nachgehen. Für beide Gruppen gilt es bei der Aufnahme eines Nebenjobs einige Punkte zu beachten, damit der Hauptarbeitgeber nicht verprellt und gar eine Abmahnung oder Schlimmeres riskiert wird.Eine Nebentätigkeit kann bezahlt, unbezahlt, selbständig oder unselbständig sein. Verbreitet ist die Aufnahme eines Minijobs mit einem monatlichen Hinzuverdienst von bis zu 400 Euro. Er ist für den Arbeitnehmer steuer- und sozialabgabenfrei und für den Arbeitgeber durch die pauschalen Abgaben in Höhe von derzeit 15 Prozent für Renten-, 13 Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung und zwei Prozent Steuern relativ günstig.Ob man die Aufnahme des Zweitjobs dem Hauptarbeitgeber anzeigen muss, hängt von der Regelung im Arbeits- oder Tarifvertrag ab. Sagt dieser nichts zu Nebentätigkeiten, besteht auch keine Pflicht, den Chef in Kenntnis zu setzen. Allerdings bittet sich der Arbeitgeber häufig aus, über die Aufnahme von Nebentätigkeiten informiert zu werden. Nicht selten muss er gar vorab zustimmen. Meldet der Arbeitnehmer in einem solchen Fall den Nebenjob nicht, kann er abgemahnt werden.Die Nebentätigkeit kann ein Vorgesetzter dem Mitarbeiter jedoch in der Regel nicht verbieten -es sei denn, er hat ein berechtigtes Interesse daran. So darf er einen Nebenjob untersagen, wenn ihm der Arbeitnehmer unerlaubte Konkurrenz macht oder sich die Nebentätigkeit negativ auf die Leistungsfähigkeit im Hauptarbeitsverhältnis auswirkt.Es obliegt dem Arbeitnehmer beide Arbeitsverhältnisse so miteinander zu vereinbaren, dass sie sich nicht gegenseitig stören. Er muss seine Pflichten sowohl in dem einen als auch in dem anderen Job ordnungsgemäß erfüllen. Wer beispielsweise nebenbei nachts als Taxifahrer oder DJ arbeitet und wegen seiner Übermüdung vermehrt Fehler macht, genügt seinen normalen Arbeitspflichten nicht - ganz abgesehen davon, dass die Ruhepausen gemäß Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten werden.Vorsicht ist auch während Krankheits- und Urlaubszeiten geboten: Geht ein Arbeitnehmer während einer ärztlich attestierten Arbeitsunfähigkeit seiner Nebenbeschäftigung bei einem anderen Arbeitgeber nach, kann dies den Verdacht nahelegen, dass entweder die Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht ist oder der Arbeitnehmer seine Pflicht zu genesungsförderndem Verhalten verletzt. Beides kann Grund für eine Kündigung sein.Während des Urlaubs im Hauptarbeitsverhältnis darf der Nebenjob allerdings weiter ausgeübt werden. Der Urlaub darf jedoch nicht für die Aufnahme einer weiteren Vollzeittätigkeit genutzt werden, da dies dem Erholungszweck des Urlaubs widerspricht. Das kann eine Abmahnung oder Kündigung nach sich ziehen; die Urlaubsvergütung darf der Arbeitgeber hingegen nicht kürzen.Multijobber müssen die Grenzen, die das Arbeitszeitgesetz vorgibt, beachten: Beide Arbeitsverhältnisse zusammen dürfen die werktägliche Arbeitszeit von acht -ausnahmsweise auch zehn -Stunden nicht überschreiten. Auch muss der Arbeitnehmer sich zwischen Feierabend und Arbeitsbeginn mindestens elf Stunden Ruhe gönnen können. Bei einem Verstoß ist der die Höchstgrenze überschreitende Arbeitsvertrag nichtig. Beruft sich ein Arbeitgeber darauf, wird der Vertrag aufgelöst. Bis dahin entstandene Ansprüche auf Vergütung und Urlaub behält der Arbeitnehmer allerdings.Die Nebentätigkeit darf nicht unangemeldet an Sozialversicherungsträgern und Fiskus vorbei geleistet werden. Denn das kann teuer werden. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können wegen eines Verstoßes belangt werden; Geldbußen und Strafen können die Konsequenz sein. Bei Entdeckung sind Sozialabgaben und Steuern nachzuzahlen.------------------------------Die Autorin ist Rechtsanwältin in der Kanzlei Rechtsanwälte Dr. Jula & Partner im Stadtteil Charlottenburg. Sie ist Fachanwältin für Arbeitsrecht.www.jula-partner.de------------------------------Foto: Kellnern nach dem Hauptjob ist möglich - sofern genug Zeit zum Ausruhen bleibt.